Hallo Ivonne, ich danke Dir für Deinen Anruf. Hier mein Artikel:
Mit aller Macht muss es voran gehen.
Aus dem Nichts heraus geht es nach oben.
Und an der Spitze heißt es:
„Position halten!“
„Um jeden Preis!“
Es braucht flexible, motivierte, leistungsfähige Mitarbeiter, die rund um die Uhr verfügbar und einsetzbar sind.
Nicht der über Tage vorher verabredete Termin ist das Credo. Das ist etwas Überkommenes aus der Zeit unserer Eltern und Großeltern. Heute gilt die spontane Verabredung und die 24-stündige Erreichbarkeit per Handy gibt den Rhythmus vor.
4 Milliarden Handys setzen weltweit neue Maßstäbe und wer keines hat, wer keine SMS und MMS versenden kann, wer nicht ständig telefonisch erreichbar ist und nicht überall Emails abrufen, lesen und beantworten kann, ist aus dem Rennen.
2015 hat jeder Erdenbürger statistisch mindestens ein Handy.
Kommunikationsgeräte die mehr können sind natürlich besser und verdrängen das gute alte „Taschentelefon“.
Wer sich verweigert, ist out oder zumindest altbacken.
Die technischen Voraussetzungen für permanentes Wachstum sind auf dem Markt, Von der volkswirtschaftlichen Grundlage „Geld“ gibt es auf dem Planeten so viel, dass damit bereits „gespielt und gewettet“ werden kann.
Wo es momentan fehlt gibt es Billiarden Kredite von Partnern, die selbst auf Pump und am Rande verantwortlichen Haushaltens leben.
Trotzdem geht es immer weiter. Immer schneller. Immer höher.
Wovon habe ich noch nichts gesagt?
Was bleibt zurück?
Der Mensch.
Er vergewaltigt die Natur, knechtet sie und hat sich in die Lage versetzt das Klima zu ändern, er beutet gnadenlos Ressourcen restlos aus, er prüft andere Lebewesen auf ihre Brauchbarkeit, passt sie – gedankenlos auch qualvoll – in dieses System ein oder schafft sie ab.
Komisch ist: Der Mensch macht aber nicht einmal vor sich selber halt.
Er will mit aller Macht nach oben.
Er will mehr.
Er will es besser haben.
Er will bequemer leben.
Egal was es kostet und sei er selbst der Preis.
Die Folge ist:
Wir haben es fast geschafft.
Wir brennen jetzt in dieser unwirtlichen Umwelt selbst aus!
Immer mehr von uns sind am Ende.
Früher nannte man das eine Depression.
Meine Eltern trauten sich noch den Ausdruck „Erschöpfung“ in den Mund zu nehmen.
Sie gaben sogar noch zu, dass sie irgendwann „am Ende waren“, dass sie körperlich und geistig ausgelaugt waren.
Sie machten langsamer, nahmen sich eine Pause und regenerierten sich selbst.
Heute geht das nicht mehr.
Meine Kinder werden bestimmt auch im Management tätig sein.
Das ist gar nichts besonderes.
Schon heute ist jeder ein Manager und leidet an der für diese Berufsgruppe typischen Managerkrankheit.
Der Abteilungsleiter der Konsumentenbank an der nächsten Straßenecke schafft regelmäßig täglich 10 bis 14 Stunden. Es darf aber auch mehr sein. Er nimmt sich selbst wichtig. Womöglich stimmt das auch.
Sein Arbeitstempo und seine Arbeitszeit übertragen sich auf seine ebenfalls managenden Kollegen und Mitarbeiter, wirken sich aus bis auf die Reinigungskräfte.
Diese arbeiten bereits genauso lange wie der Chef der Bank.
Allerdings in mehreren Billigjobs.
Ihre Stundenzahl ist aber vergleichbar.
22 Milliarden kostet unserem Krankenversicherungssystem dieser Irrsinn aktuell. Tendenz steigend.
Die Kosten, die „burnout“ in der diesen Wahnsinn verursachenden und nach Wachstum schmachtenden Wirtschaft verursacht, dürften wohl um etliches höher sein.
Was für eine Lehre ziehen wir daraus?
Wir müssen schneller werden, effektiver arbeiten, mehr leisten.
Diese Kosten müssen wieder reingeholt werden.
Mehr Wachstum ist unbedingt erforderlich.
Mit weniger Personalkosten und mehr Arbeitsfreude!
Wer wagt es diesem Aufruf zu widersprechen?
