Friedhelm Naujoks: mangelhafte Immobilienbewertung und Kritik am Baucontrolling – vom SGB zum WCC Bonn

Manche Zeitungsartikel bleiben ewig im „Netz“ hängen, andere verschwinden spurlos, oft sind das aber die interessantesten.

Der Artikel im Bonner Generalanzeiger: „Rat wechselt Wirtschaftsprüfer des Naujoksbetriebes aus“, der am 22.10.2007 erschien, vom GA Lokalredakteur Rolf Kleinfeld, gehört zu den Bonner Highlights, weil hier zum ersten Mal deutlich wurde, dass man sich mit den Erwartungen in punkto Eigenbetrieb mit dem hochgelobten Werkleiter aus Bielefeld vielleicht doch etwas verschätzt hatte.

Dieser ist mittlerweile – mit neuer „Dachmarke“ – vom Werkleiter zum Betriebsleiter zum hochdotierten Bonner „Gebäudemanager“ mutiert (Immobilienwirtschaft – Gebäudewirtschaft – Gebäudemanagement – Gebäudemanager – Baumanager ) und tingelt trotz aller Pleiten , Pech und Pannen und beinharter Rechtsverstöße als selbsternannter „Bauexperte“ durch die deutschen Lande . Vornehmlich ist er „bundesweit als Referent“ tätig für den vhw (nach Linkaktivierung in Maske „Naujoks“ eingeben) , dem er nicht nur seine ausgewiesenen Fähigkeiten zur kommunalpolitischen Steuerung zur Verfügung stellt, sondern auch das „Menschenmaterial“ in Form von nachhaltig motivierten Seminarteilnehmern gleich mitliefert.

Im Bonner Stadthaus pfeifen es nämlich die Spatzen vom Flachdach, dass der Betriebsleiter die eigenen Leuten reihenweise in die vhw – Seminare beordert hatte:  eine Hand wäscht die andere…

Deutschland scheint aber noch nicht so ganz verloren, den inzwischen hat der vhw Einsicht gezeigt: von 5 bereits terminierten  Seminaren im Bundesgebiet mit dem umtriebigen Hansdampf sind nur noch zwei übrig geblieben und zwar das putzige Seminar: „Reden – Verhandeln – Überzeugen“ (angeblich große Nachfrage) und das „Risikomanagememt“  gedacht wohl als Trostpflaster (Stand 30.05.2009).

Wer jetzt noch Lust hatte auf  das Seminar „Bewertung kommunaler Gebäude“ (angesprochen waren: Bau- Planungs- Vermessungs- und Liegenschaftsverwaltungen, Gutachterausschüsse und deren Geschäftsstellen, Sanierungsträger, Baufinanzierungsinstitute und Wohnungsunternehmen)  der wird am 18.06.2009 nicht mehr bei der Abschiedsveranstaltung von  Friedhelm Naujoks in Hofheim am Taunus dabei sein  können um zu hören, wie es zur „Wertsteigerung“  in Bonn beim WCCB kam.

Das letzte „Bewertungsseminare“ von Friedhelm Naujoks ist inzwischen aus dem vhw – Angebotskatalog verschwunden und auf der allgemeinen Suchseite ist er nicht zu finden, damit wird u.U. signalisiert, dass die Message angekommen ist: auch dem Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung droht vermutlich ein Bußgeld für diese „Handwaschaktion“ mit Friedhelm Naujoks, dessen Tendenz  zu korruptionsträchtigen Verhaltensmustern (rigide Machtausübung, großflächige Rechtsbeugung, Egomanie, Selbstpromotion und unrechtmäßigem Verwaltungshandeln)bisher in Bonn keiner so recht wahrhaben wollte.

Wertsteigerungen

Die Rückschau auf diesen archivierten Artikel ist hilfreich, um die egomanischen Mechanismen zu verstehen, welche die Unglücks- und Zufälle produzieren, mit denen der Steuerzahler dann plötzlich konfrontiert wird. Oft geht es dabei nicht um „Peanuts“, wie beim Konrad – Adenauer Gymnasium (im Moment noch ca. 630.000,- Euro), das wegen vorsätzlicher Baugefährdung zum Ermittlungsobjekt der Bonner Staatsanwaltschaft wurde, sondern um 60 Millionen Euro wie beim Bonner Konferenzzentrum WCCB , das natürlich zu Ende gebaut werden muss, auch wenn sich die Bausumme recht plötzlich, auf der nach oben offenen Richterskala, um zunächst 40 Millionen Euro und zwei Tage später geheimnisvoll und unerwartet um weitere 20 Millionen Euro erhöhte.

Immerhin, so heißt es nun, hatte Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann vor ca. einem Jahr mündlich eine zweistellige Kostensteigerung bekannt gegeben, aber irgendwelche schriftliche Unterlagen gibt es nicht in Bonn, Vertrauen ehrt!

Wem diese „Wertsteigerung“ der Immobilie letztlich an – heimfällt ist noch völlig offen, vielleicht wäre es aber klüger gewesen ein renommiertes Ingenieurbüro zu beauftragen, um das Engagement der Sparkasse KölnBonn mit ca. 70 Millionen Euro zu schützen, als ausgerechnet den SGB Betriebsleiter, der lediglich auf ein unveröffentlichtes Manuskript für einen Workshop zur Projektsteuerung hinweisen kann (mit Wilhelm Tucholsky, Hochbauamt Herne 2003) und schon bei kleinen Projekten, wie dem Melbbad in Ippendorf  Kosten und Termine nicht auf die Reihe bekommt.

Friedhelm Naujoks, bei diesem Thema mehr als pingelig, wenn andere betroffen sind,  zeigt menschliche Nähe wenn es um die eigene Haut geht und entschuldigt, dass es noch ziemlich wüst auf der Melbbad – Baustelle aussieht: „Das ist aber ganz normal für jemanden der baut„. Inzwischen haben sich die vollmundigen Sprüche („Terminplan ist auf Kante genäht…die Verwaltung wird alles tun um den Eröffnungstermin zu garantieren„) ins Gegenteil verkehrt. Der Betriebsleiter hat am eigenen Leib erfahren,  dass Bauzeitenpläne von vielen Faktoren und Mitspielern abhängig sind und fast nie „Erzwingungs- sondern Koordinierungsinstrumente“ sind.

Alle Zusicherungen des federführenden Profis nutzten  nichts , denn der Eröffungstermin musste gleich zweimal verschoben werden. Beim zweiten Mal fiel der Start wieder ins Wasser obwohl, peinlich, peinlich die Einladungen schon raus waren (so setzt man die eigenen SGB – Leute unter Druck).

Was als normalerweise als blöde Panne bewertet wird, brachte nun das Becken, nein, das Fass zum Überlaufen. „Im Stadthaus grummelte es“, so der Abspann des Expressartikels: „Möglicher Grund: Naujoks‘ Arbeitsvertrag läuft zwar noch bis zum Jahr 2016. Doch nach den Informationspannen bei den Schulen und nach der Kostenexplosion beim World Conference Center Bonn (WCCB) wird hinter vorgehaltener Hand schon über eine Auflösung seines Vertrages getuschtelt„.

Die Kostenexplosion  von ca. 60 Millionen Euro (oder mehr), fanden die Politiker nicht normal,  und erwarteten dass  das Frau Dieckmann und Herr Naujoks nun erklären müssen.

„Da muss etwas schief gelaufen sein“ orakelt die Lokalpresse und ein Fachingenieur aus einem Baukonzern, der nicht genannt werden möchte, bringt es auf den Punkt: „Ein professionelles Controlling hat hier nicht stattgefunden, bei wem auch immer„.

Irgendwo im Radio war dann bereits die Endsumme von 200 Millionen Euro schon auf 240 Millionen Euro geklettert und man fragt sich, warum überhaupt hochdotierte Verwaltungsmenschen, wohltrainiert im Zuständigkeitsdenken, die sich zuvor als unrealistische Schaumschläger geoutet haben, bei solchen komplizierten Aktionen überhaupt mitmischen dürfen. Es sind ja nicht nur Verhaltensmarotten, die ans Tageslicht drängen, sondern auch das Fehlen eines Unrechtsbewußtseins, was dazu führt, dass im Bonner Schmierentheater“ notfalls der Rat belogen wird .

Die Verantwortlichen, u.a. Friedhelm Naujoks als „Controller“ der Baukostenentwicklung, der nach neuesten Meldungen wohl so um die 74.000 qm Fußboden übersehen hat, haben von der koreanischen Szene wenig bis nichts gewußt und sind, so der Bonner SPD – Chef Wilfried Klein sinngemäß in der Lokalpresse, von der weltweiten Finanzkrise , in der es „anderen noch schlechter geht“ und zuweilen einiges an den Bilanzen vorbeigeschleust wird , offenbar tsunamigleich überrollt worden.

Die alte Geschichte

Auch damals im Oktober 2007 war der Schreck groß. Während beim Beteiligungsbericht 2005 (503 Million Euro) noch „alles in Butter war“ stellte man bei der SGB Abschlussbilanz 2006 (660 Millionen Euro) fest, dass das städtische Anlagevermögen möglicherweise um 106 Millionen Euro zu hoch bewertet worden war. Im Klartext: man hatte erwartet, dass der von Oberbürgermeisterin Dieckmann aus Bielefeld abgeworbene SPD – SGB Chef schwarze und keine rote Zahlen schreiben würde. Den naheliegenden politisch unkorrekten Witz, rot sei eben eine parteinahe Farbe, sollte man sich aber schleunigst verkneifen!

Die erste große Enttäuschung der Bonner Politik über den „SPD – Neuzugang“ war also da!

Dummerweise – oder war das Absicht – war die Gehaltsdiskussion ein paar Monate zuvor bereits gelaufen.

Ca. 60 erwartete Milliönchen „vergeigt“, abnorme „Schlechtleistung“ bei der Pflicht festgestellt, aber leider waren die Bewertungstäfelchen der Kür schon hochgegangen, weil der „Manager“ und sein „engagiertes Team“ zwei Jahre zuvor so furchtbar viele Überstunden – Grund unbekannt – gemacht hatten!

Insider wissen schon lange, dass dies nicht Fleiß und Effizienz, sondern im Wesentlichen der Umstrukturierung des SGB und einer teilweise chaotischen Personalführung und Bearbeitungsstruktur  geschuldet ist.

Auf jeden Fall: der SGB Chef und die Geburtshelfer bei der unüblichen Gehalts- und RentenregelungNaujoks verdient mehr als OB Dieckmann – werden sich ins Fäustchen gelacht haben!

Das System der „eigenbetrieblichen Selbstbewertung“, oder Überschätzung des Anlagevermögens, war aus der freien Wirtschaft bekannt. Bei der Telekom hatte man sich 2004 das „Tafelsilber“ schön gerechnet, man kennt das vom Skat: „wer (selber) schreibt, der bleibt“.

Deshalb ist es das A und O seriösen kaufmännischen Handels, externe und unabhängige Fachleute zu holen, wenn die Zahlen am Ende stimmen sollen, rot oder schwarz !

Eine Überprüfung ergab, dass offenbar die Baumängel der 700 städtischen Gebäude nicht ausreichend berücksichtigt worden waren, etwas, was man so von dem „ausgebufften“ Gebäudbewertungs – Profi Naujoks natürlich nicht erwartet hatte. Schließlich hieß sein längst vergriffenes und wohl auch längst überholtes  „Standardwerk “ mit dem der vhw – Verlag immer noch Reklame macht,  “ Facility und Gebäudemanagement in Kommunen“. Man hatte in Bonn aber wohl zu sehr auf den Head – Hunter gehört und den Untertitel des vhw – Büchleins überlesen: „Ein Leitfaden für Konzepte und deren praktische Umsetzung“. Der Leitfaden war auch nicht beim bekannten Wissenschaftsverlag Springer (Berlin – New York – Mailand) erschienen, sondern „nur“ in Meckenheim bei Bonn für den vhw gedruckt worden.

Wer damals den Co – Autor (der meistens in vhw – Seminarankündigungen zu Gunsten des „bundesweit tätigen Referenten“ unterschlagen wird) gefragt hätte, der hätte Wichtiges erfahren. Die Grundlagen für den „Facility – Manager“ aus der Zusammenarbeit mehrerer Kommunen im Ruhrgebiet wurden durch den damaligen Abteilungsleiter im Hochbauamt Herne , Udo Kaemper, bereits in der amtsleiterfreien Zeit gelegt, bevor Friedhelm Naujoks dort überhaupt den Chefsessel erklomm.

Die Abschlussbilanz 2006 war also vielleicht nichts anderes als ein Konzept (Nachbesserungen möglich) für einen Leitfaden, mit dem der Kämmerer herausfinden konnte, wo die erhofften Millionen geblieben waren, oder wo sie hätten sein können. Offenbar entsprach das aber nicht den Erwartungen des Stadtrates, denn die ersten Fragen tauchten auf, ob hier etwa  Inkompetenz oder wohlkalulierte Schlitzohrigkeit, parteiintern abgestimmt, vorlagen?

„Im jetzigen Rahmen ist nicht zu erwarten, dass sich das SGB über eigene Erträge finanzieren kann, sondern weiter über Zuschüsse“, so die kritische Einschätzung des CDU – Finanzsprechers Dr. Klaus – Peter Gilles , ebenfalls Diplomingenieur wie Friedhelm Naujoks und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Vebowag Bonn.

Schuss vor den Bug

Die Angst, dass nun das städtische Gebäudemanagement (SGB) in eine Schieflage geraten sein könnte, war so groß, dass man vor Schreck den Sack schlug, obwohl man den Esel meinte. Dem Wirtschaftsprüfer des „Naujoks – Betriebes“ setzte man, auf Antrag der CDU, ruckartig den Stuhl vor die Tür, genehmigte mit Enthaltung der CDU den Jahresabschluss 2006 des Städtischen Gebäudemanagements und entlastete – zu viel Blut macht depressiv – die Betriebsleitung um Friedhelm Naujoks (das politische Geschiebe auf Grund der  „notwendigen umfangreichen verwaltungsinternen Abstimmungsprozesse“, die dazu führten, dass der Jahresabschluss 2006 außerplanmäßig  „erst jetzt“ am 14.08.2007 „fertig gestellt werden konnte“, erkennt man beim Studium der Beschlussvorlage 0712145).

Die böse Ahnung hier könnte unter den Augen des „Eigenbetriebsleiters“ Bilanzfälschung vorgenommen worden sein, wagte keiner auszusprechen. Man beauftragte aber ein anderes Unternehmen mit einer „vertiefenden Prüfung“ und um ein modernes Liquiditäts- und Risikomanagement sicherzustellen.

Dr. Klaus – Peter Gilles erinnerte daran, dass es das Gründungsziel gewesen sei, das Städtische Gebäudemanagement Bonn über ein Mieter/Vermietermodell zu finanzieren, um evtl. vorhandene „stille Reserven“ in Höhe von 60 Mio. Euro zu heben. Bei einer solchen Abweichung, so Gilles „wird man hellhörig und schaut hin“ – so der Untertitel im Generalanzeiger. Die anderen Fraktionen folgten dem Vorstoß der CDU und insbsondere Karl Uckermann von den Grünen zeigte sich heftig irritiert:

„Ich tue mal so, als hätte ich es verstanden“ kalauerte er damals , als ihm mitgeteilt wurde, dass  „der Jahresabschluss zur Tilgung der Kredite verwendet“ werde.
Wie bei dem Finanzexperten, der vom GA gebeten worden war, die kryptischen Formulierungen zu deuten, waren auch bei Uckermann und den anderen Ausschussmitgliedern die Alarmlampen angegangen.

Anlass war der Satz gewesen: „hat das SGB festgestellt, dass das Anlagevermögen in Höhe von 106 Millionen Euro zu hoch bewertet ist.“ Dieser Passus war in der ersten Version der Bilanz nicht vorhanden, wohl aber in der zweiten, war dort natürlich aufgefallen und dann – huch- in der dritten war er wieder weg!
War das der Grund warum Friedhelm Naujoks von OB Dieckmann aus Bielefeld geholt worden war? Als „Haushaltssanierer“ zur Unterstützung des Kämmerers Ludger Sander? Taschenspielertricks statt reales Wachstum?

Anders dagegen war die Einschätzung der Naujoks – Schutztruppe, allen voran SPD Sprecher und Rechtsanwalt Dieter Schaper.
„Ort und Zeit seien ungeeignet, das SGB in Frage zu stellen“ und „es gäbe “ Testate “ – ein Lieblingswort des Betriebsleiters Naujoks übrigens – von seriösen Wirtschaftsprüfern, denen man vertrauen könne“.

Eigenbetrieb: mal so, mal so

Zentraler Merksatz der damaligen Berichterstattung war jedoch die „betriebswirtschaftliche Schote“ des SPD Sprechers:

„Es gibt keine Liquiditätsprobleme, die Liquidität kommt von der Stadt“ (Herr Schaper meinte natürlich vom Steuerzahler, bei der SPD ein unbekanntes Wesen?) und noch einer oben drauf: „Im Übrigen sei eine Wertkorrektur des Anlagevermögens eines städtischen Eigenbetriebes nicht vergleichbar mit der Wertberichtigung bei einer Aktiengesellschaft“, aha!

Der SPD – Eiertanz mit dem vermasselten Liquiditätsüberschuss des SGB , bei dem „es sich (nur) um ein handelsrechtliches Ergebnis handelt“ (O – Ton Mitteilungsvorlage der OB) und der Beibehaltung der horrenden Rentenzahlungen des Betriebsleiters fiel seinerzeit mehreren Leserbriefschreibern des Generalanzeigers auf: Frau Dieckmann hatte die überzogenen Gehalts- und Pensionsforderungen des Genossen Naujoks nämlich damit verteidigt, dass man sich daran gewöhnen müsse, dass die Managergehälter in den städtischen Eigenbetrieben sich an denen der freien Wirtschaft orientieren müssten.

Die OB lag damit grundsätzlich nicht falsch, denn innerhalb des Eigenbetriebes existiert natürlich kein Spielgeld, es ist 1: 1 Teil des realen Geldverkehrs und die Eingenbetriebe und das NKF sind entwickelt worden um die „Parallelwelt“ des kameralistischen Systems durch ein effizienteres und bürgernahes abzulösen.

Kernproblem der Konstrukte, die man Eigenbetriebe nennt, sind ihr „Simulationscharakter“ privatwirtschaftlichen Handelns. „Es sind Pseudounternehmen deren Kapitalausstattung durch die öffentliche Hand geliefert wird, ohne tatsächliche oder zumindest kalkulatorische Zinsen erwirtschaften zu müssen, oder wenn durch die öffentliche Hand Gebäude, Anlagevermögen, technische Ausstattung und dergleichen zur Verfügung gestellt werden“, so wurde damals der CDU nahe Wirtschaftsexperte Gerd Habermann zitiert.

Wir sollen uns, so muß der SPD Sprecher Schaper interpretiert werden, angewöhnen diese Janusköpfigkeit von Eigenbetrieben zu verinnerlichen. Sie besitzen Narrenfreiheit und entsprechend müssen auch die Erwartungshaltungen zurückgeschraubt werden, alles klar?

Diese Erwartungshaltungen gegenüber dem Städtischen Gebäudemanagement Bonn waren aber ganz eindeutig: von der im Dezember 2003 gegründeten Konstruktion mit „einer zentralen Verwaltung versprach man sich bessere Betriebsabläufe, Synergieffekte und dadurch letzlich geringere Kosten“. Das bedarf nach dem heutigen Wissen um einen überaus autoritären Führungsstil des Betriebsleiters und dem eventuellen “ Heimfall“ von 60 Millionen Euro zusätzlicher unkontollierter Baukosten beim WCCB einer gewissen Phantasie.

Die OB lag aber auch richtig, denn, so Gerd Habermann , „Hinter dieser Ausdehnung des kommunalen Wirtschaftsimperiums steckt das verständliche Bedürfnis der dort Beschäftigten nach Macht und Einkommensmaximierung. In dieser Hinsicht sind öffentliche Institutionen besonders skrupellos, da sie sich in einem monopolistischen Status befinden und einen diffusen Gemeinwohlauftrag geltend machen können, welches ihnen ein glänzendes Gewissen… macht“.

In Kenntnis der heutigen Argumentationskunststückchen zum WCCB könnte man schlussfolgerrn: Herr Naujoks bekommt soviel Rente, weil er dafür gesorgt hat, dass die  damalige Fehlbewertung der Gebäudeinstandsetzungssummen nur 106 Millonen EUR betrug und nicht mehr,…Aua!

Aus Erfahrung schlau, so scheint es, setzte die CDU Fraktion mit dem stellvertretenden Ausschussvorsitzenden v. Alten – Bockum, und den Herren  Limbach und Fenninger nach und formulierten die Hausaufgaben für den gewieften SGB Betriebsleiter im Antrag 0711431 : „Die Höhe der angegebenen Summen für Bauunterhaltungen sind für den Ausschuss derzeit schwer nachvollziehbar“ und: „Grundlage für die Ermittlung des Umfangs von Baumaßnahmen sowie deren Ausschreibung dürften neben eigenen Erfahrungswerten auch Baupreistabellen für den öffentlichen Hochbau sein“.

Dieser  Schlag ins Gesicht eines jeden Wertermittlers könnte – politisch unkorrekt, aber menschlich angemessen –  so gedeutet werden:  lieber Naujoks, versuch uns nicht mit deinen fingierten Zahlen zu bescheissen, sondern berechne bitte die erforderlichen Instandsetzungskosten nach den allgemein gebräuchlichen Tabellen!

Entsprechend fällt dann auch – wie üblich – mit viel Entschuldigungs- und Verklausulierungsbrimborium die Stellungnahme der Verwaltung 0711431ST2 ein paar Überstundenmonate später aus und signalisiert: hier, in „einer Stadt wie Bonn“,  sind gestandene Fachleute am Werk, Bürger fürchtet Euch nicht, wir rechnen so lange herum bis es stimmt!

Ähnlichkeiten

Die Zusammenfassung von diesem Artikel (das GA Archiv scheint aufgelöst?) und den damaligen Leserbriefen könnte heute eine Erklärung liefern für die vielen Fragezeichen der Bonner BürgerInnen im Zusammenhang mit dem WCC Bonn.

Wieder geht es um 60 Millionen Euro, nicht um zuwenig, wie damals, sondern um ein Mehr, nämlich an zu spät gemeldeten Baukosten. Ein Coup eventuell, um den UN – Standort – erklärtes Ziel der OB – abzusichern und um den „Strukturwandel in Bonn von der Bundeshauptstadt zur deutschen UN -Stadt“ zum Abschluß zu bringen, notfalls zu Lasten des Steuerzahlers, aber zur Ehre von Frau Dieckmann?

Auch der „Valiumartikel“ im Bonner Generalanzeiger vom 6.Mai 2009 mit dem Statement von Christoph Penderock, noch immer auf der payroll von SMI Hyundai , beruhigt nicht wirklich, denn mit der phantastischen Prognose des Betriebsergebnisses des WCCBwird scheinbar bereits der drohende „Heimfall“ abgesichert. Ob diese „erwarteten Erlöse“ mit einer Steigerung von 1,1 Millionen Euro (2010) auf sieben Millionen Euro (2018) halbwegs realistisch sind, oder reines Kaffeesatzlesen, bleibt abzuwarten.

Noch im Februar 2009 sagte Eva Lenz, die Sprecherin der WCC Bonn-Management GmbH: „Es gibt kein Kongresszentrum, das schwarze Zahlen schreibt“, was nun die Frage aufwirft ob Herr Penderock „vorne“ an der Seite der koreanischen Investoren glaubwürdiger ist als Frau Lenz „hinten“ beim Betreiber.

Investorenkarussell

Zusätzlich beunruhigend ist der nun plötzlich erkennbare flottierende Investorenmix und das hochspekulative Engagement koreanischer Firmen von dem zumindest die Bonner nicht viel wissen, oder nicht viel wissen sollen.

Immerhin zeigt sich bereits durch Recherchen im WorlWideWeb, dass der neue Investor Honua nicht nur ein Drittel seiner „Hintergrundfirmen“ abstößt, die im Moment aber keiner will, sondern ebenso spekulativ mit architektonischen Highlights und dem dazugehörigen „Name – Dropping“ weltbekannter Architekten zu Werke geht, wie SMI Hyundai (siehe Absatz: „Politische Folgen“ unter:
„Ist Friedhelm Naujoks noch zu retten – Straftäter im Bonner Stadthaus
„).

Finalisierung

Wessen „Kopf“ letztendlich „rollen könnte“, so einige Politiker nach dem Bekanntwerden der Baukostensteigerungen und den Informationsmauscheleien wird nicht gesagt.

Es könnte aber jemand sein, der leitend für das städtische Projekt- und Controllingteam des WCCB zuständig ist und der den SGB Ausschuss durch zunächst „nicht öffentliche Protokolle“ – die erst mit Hilfe der Landesdatenschutzbeauftragten NRW zugänglich gemacht werden mussten – nachweislich gleich mehrfach belogen hat.

Dieser „Jemand“ informierte auch die Beziksvertretung Bad Godesberg im Rahmen eines Dringlichkeitsantrages nicht wahrheitsgemäß zum Thema Brandschutz in der Aula des KAG, schickte den Staatsanwalt durch das Rechtsamt in die Irre und ließ unwahre Äußerungen bezüglich der Legionellenkontamination im Konrad – Adenauer Gymnasium über die Bonner Pressesprecherin verkünden.

Herr „Jemand“ sorgte dafür, dass eine nicht zugelassene Desinfektionsanlage angeschafft wurde und „würgte“ auch noch mit seinem „alten Bekannten“ aus Herne eine Deckenkonstruktion in der Aula des KAG so an allen Zulassungsverfahren der BauO NRW vorbei, dass immer noch latent Personengefährdung herrscht!

Der Name desjenigen, der behauptet, dass “ Personenschutz immer an oberster Stelle steht“ wird (noch) nicht verraten, aber es verwundert nicht, dass generell das Vertrauen in jegliche Äußerung der Verwaltung über eine geregelte Zukunft des WCCB, dem „wichtigsten Bestandteil von Bonn“ (Zitat Man – Ki – Kim) verloren geht, wenn man ständig an der Nase herumgeführt wird…

6 Gedanken zu „Friedhelm Naujoks: mangelhafte Immobilienbewertung und Kritik am Baucontrolling – vom SGB zum WCC Bonn

  1. Danke für den spannenden Artikel aber auch für den wirklich sehr ausführlichen Kommentar von Herr Riemann.

    Ich glaub, ich muss mir dass alles nochmal in ruhe durchlesen :)

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  5. Lieber Michel-Angelo,

    herzlichen Dank für Ihren Zuspruch, den braucht man nämlich, wenn man in einem Sumpf von Desinteresse, Kadavergehorsam, Dummheit, Korruption, Faulheit, Eigennutz und poltitischer Kungelei watet. In einem solchen Sumpf, hier stellvertretend als besonders krasses Beispiel die „Bundesstadt Bonn„, bekommt man nicht nur nasse Socken, sondern erkennt, dass die Basis unserer Demokratie auf Schlamm gebaut ist

    Wir sind es gewohnt, dass sich die Aufmerksamkeit auf die Großereignisse in der Wirtschaft richtet (z.B. in: „Die Große Gier“ von Hans Leyendecker), vergessen aber, dass sich in den Verwaltungen in zunehmendem Maße, auch unter dem Label „NKF“, Simulationsformen privatwirtschaftlichen Handelns etablieren, die fehlgeleiteten Menschen wie Friedhelm Naujoks, dem hochdotierten Chef des SGB Bonn einen immensen Handlungssspielraum für monströs „unrechtmäßiges Verwaltungshandeln“ bieten, bis hin zur Vertuschung von eindeutigen Straftatbeständen mit Personengefährdung.

    Die Pervertierung des Verwaltungssystems hat der Wirtschaftsphilosoph Gerd Habermann bereits recht früh erkannt.
    Leider sind es nicht Einzelpersonen allein, die vermutlich unter psychopathologischem Zwangsverhalten Menschen gefährden, geltendes Recht mit Füssen treten und Umsummen von Steuergeldern in den Sand setzen, sondern die Mitmacher, Anbiederer, Parteifreunde und last not least eine z.T. hochnäsige und verantwortungslose Verwaltung, die nur noch in Zuständigkeiten, aber nicht mehr zielführend denken und handeln will.

    Bei einer solchen „Melange“ wundert es nicht, wenn man unsere demokratischen Kontrollgremien, die mit immer komplexeren Sachverhalten und Unmengen von Papier zu kämpfen haben, teilweise schon zynisch auflaufen lässt.
    Der verbürgte Spruch eines dergestalt pervertierten Verwaltungsmenschen aus einer Bonner Nachbarkommune zeigt das deutlich: “ Stadträte kommen und gehen, aber die Verwaltung bleibt bestehen“, was nichts anderes bedeutet, dass sich hier bereits ein „Staat im Staate“ etabliert hat.

    Zum Glück gibt es immer mal wieder ein kurzes Erwachen aus diesem Alltagstrott: Betriebsleiter Naujoks scheint nun politisch unliebsam geworden zu sein, aber nicht weil er im Dezember 2006 vorsätzlich gleich dreimal Schulkinder in einer Aula mit fast 800 Sitzplätzen in Gefahr gebracht hat, sondern weil er eine unehrliche Kommunikationspolitik bei den Instandsetzungen der Schulen „hingelegt“, und weil er beim Controlling des WCC Bonn versagt hat.
    In beiden Fällen geht es weniger um Zahlen, als um Verantwortung und Berufsethos, Grundwerte, die in zunehmendem Maße abtrainiert werden.

    Wie ich bereits im ersten Artikel („Ist Friedhelm Naujoks noch zu retten? – Straftäter im Bonner Stadthaus“) orakelt hatte, stolpert der selbsternannte „Bauexperte“ nun vermutlich wie Zumwinkel und Al Capone über eine Lappalie: das nach viel Bürgerprotest im Jahre 2008 als Provisorium (Dauer der Folienlösung nach Expertenmeinung ca. 10 Jahre Garantie) auf den Weg gebrachte Melbbad ist trotz vollmundiger Sprücheklopferei des Betriebsleiters nicht rechtzeitig zur Badesaison 2009 fertig geworden.

    „Weil alles auf Kante genäht war“ (O – Ton – Naujoks), schreibt der Bonner Express nun, dass es im Stadthaus „grummelt“ und zwar wegen einer zweimaligen Verschiebung des Eröffnungstermins (Blamage für die Oberbürgermeisterin!)
    „Ohne Not hatte Gebäudemanager Friedhelm Naujoks den nun erneut verlegten Termin festgezurrt“.
    Möglicher Grund für das Grummeln:“Naujocks‘ Arbeitsvertrag läuft zwar noch bis zum Jahr 2016. Doch nach den Informationspannen bei den Schulen und nach der Kostenexplosion beim World Conference Center Bonn (WCCB) wird hinter vorgehaltener Hand schon über eine Auflösung seines Vertrages getuschteltlink text

    Zum Schluß noch etwas zu Ihrem Appell:
    zur Zeit ist ein dritter Artikel in Arbeit, der weitere Hintergründe (Abgründe?) des WCCB Spektaklels aufzeigt und darüber berichtet, wie die Bürger und Ratsgremien der Stadt Bonn mehrfach von der Verwaltung nach Strich und Faden belogen wurden.

    Dass sich der hochgelobte Werksleiter aus Bielefeld vermutlich im Kleinen (die „Handwaschaktion“ mit den vhw – Seminaren) wie im Großen (Baugefährdung und Betrug beim KAG) auch noch der Korruption schuldig gemacht hat, rundet die ganze Sache nur noch ab.

  6. Wirklich umfangreiche Kost und ein Nachvollziehen der Fundstellen ist ziemlich arbeitsintensiv. Jedoch für Kenner der Situation sind die Berichte von Peter Riemann eine echte Argumentations-Fundgrube.
    Wir können froh sein, dass es Bürger wie ihn gibt, die sich diese schier unglaubliche Mühe machen Missstände aufzudecken und die Tatsachen dazu veröffentlichen.
    Ich möchte Herrn Riemann ausdrücklich danken und ihn bitten nicht nachzulassen.
    „Da gibt es noch mehr. Sie sind ein sachkundiger Kenner und Hinweise wie Ihrer können uns davor schützen, dass es ein Bad Reichenhall – mit Dutzenden von Unschuldigen und Nichtwissenden – in Bonn oder anderswo in unserer BRD noch einmal geben kann.
    Meine Kinder, meine Frau und ich danken Ihnen. Wir finden es unerträglich, dass Verwaltungen und Regierungen für uns entscheiden, in denen später festgestellt wird, dass niemand irgendetwas ahnte oder gar wusste. Uns ist es schleierhaft wie eine Gesellschaft mit solchen „Vorgesetzen“ existieren kann.
    Ich komme mir manchmal vor, als lebte ich in …… (lieber nicht).“

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