Verstand ist genug da. Was tun, wenn die Bildung fehlt?

Vorgestern gab es im TV eine Dokumentation über eine wirtschaftlich arme Familie. Vater, Mutter HartzIV, 6 Kinder (das letzte gerade auf die Welt gekommen).
Sozialprognose für alle vorgestellten Personen: Negativ!
Die Kinder kennen einen leeren Kühlschrank und Hunger nicht nur aus Abenteuerromanen. Sie wissen was es bedeutet nichts passendes zum Anziehen zu haben oder auf Spielsachen zu verzichten.
Ihre Bildung, Ihre Körperpflege und die Gesundheit sind bereits auf der Strecke geblieben.
Die Eltern sind einfach immer überfordert. Waren es wohl auch vom ersten Tage an.
Nette, freundliche Menschen, aber der Situation nicht gewachsen.

Ganz bestimmt haben die Kinder aber soviel Phantasie, dass sie sich ein anderes Leben vorstellen können. Spätestens, wenn sie selbst Seifenopern, Talksshows und Serien-Gerichtsverhandlungen  am TV verfolgen und zu verstehen gelernt haben und Schlagzeilen der Boulevardpresse entziffern können.

Nebenbei wurde in dieser Sendung darüber informiert, das Familien mit einer ungenügenden Sozialprognose in der Regel mehrere Kinder großziehen, während wirtschaftlich gesicherte und gut situierte Familien mit einem Kind haushalten.
Für mich der Kernsatz.

Ich wage folgende These:
Die oben vorgestellten Beispiel-Eltern stammen selbst aus Elternhäusern, in denen es im Wesentlichen nicht anders als bei Ihnen heute selbst zugegangen ist. Bildung war dort sicherlich auch kein Schwerpunktthema, eher wahrscheinlich die Fragen, die sich um Arbeitslosigkeit, Sozialhilfe und die Lebensbewältigung auf dem Wege eines sich „irgendwie Durchschlagens“ bewegen.
Nun wird gerade die dritte Generation damit konfrontiert und in dieses Verhalten hineingeboren und eingewiesen.

Stimmt die Aussage, dass diese Personen überwiegend aus Haushalten mit mehreren Kindern stammen, können wir unterstellen, dass die Eltern beide wohl auch mehr als 1 Geschwisterteil  gehabt haben. Treten  wir der unattraktiven Sozialprognose etwas näher und sagen wir also einfach es waren jeweils mindestens 3 Kinder in den Elternfamilien.
Diese Zahl reichte in früheren Jahrzehnten schon aus, um als unterprivilegiert zu gelten, keine Wohnung zu erhalten, als asozial eingestuft und als Sozialschmarotzer angesehen zu werden.
Die gesamtgesellschaftliche Milieu- und Werteeinstufung ist an sich also nicht neu.

Ich mache mal weiter:
Die Elterngeneration waren also einmal 6 Kinder, denen die Chancen zu einer guten Bildung und ausreichende Motivation für einen erfolgreichen Werdegang von Beginn an fehlten.
Diese 6 nahmen sich Ehegatten.
Setzen wir einmal voraus, dass jedes Elternpaar nur jeweils weitere 3 Kinder großziehen muss (nicht unbedingt wie im Beispiel geschildert sechs).
Sie sehen was ich vorhabe?
Die Zahl derer, die voraussichtlich zukünftig zur wirtschaftlich nicht ausreichend versorgten und bildungsarmen Schicht gerechnet werden müssen, ist bereits auf 30 Beteiligte angestiegen.
Wenn diese nicht untereinander heiraten und nur jeweils 1x ehelichen kommen mindestens 18 neue Partner hinzu.
Die hieraus entstehenden 18 Ehepaare bekommen wiederum jeweils 3 Kinder, also insgesamt 54 Kinder.
Zusammen mit dem Nachwuchs hat sich aus der 6 Personen zählenden Elterngeneration eine 102-köpfige Gemeinde gebildet.

Es ist mehrfach bewiesen, dass Kinder nicht dumm zur Welt gekommen sind, weil sie in bildungsferne Familien geboren wurden.

Denen stehen die wirtschaftlich gesunden1 Kind-Haushalte des Bildungsbürgertums mit einem mathematisch ganz unglücklichen Halbierungsfaktor gegenüber.
Die Einzelkinder aus zwei Haushalten vermählen sich und bekommen 1 Kind.
Dieses sucht sich einen Ehegatten und hieraus entspringt dann erneut 1 Kind.
Das System: Aus 2 macht immer wieder 1 ist leicht erkennbar und jedermann kann erkennen, wo das hinführt.

Meine Schlussbemerkung:
Der Vorschlag, dass die Unterstützung für Kinder nicht in ganzer Höhe den Eltern ausgezahlt und statt dessen ein nicht unbeachtlicher Anteil in die direkte Bildung gesteckt werden sollte, die nicht pauschal allen Kindern, sondern ganz gezielt den betroffenen, einzelnen Kindern aus diesen Familien, denen diese Beträge ja auch nachweislich zustehen, zu Gute kommen soll, ist die beste Geldanlage, die ich mir vorstellen kann.

Wäre das nicht eine nachdenkenswerte und diskussionswürdige Alternative zur aktuellen Sozial- und Bildungspolitik?

Erreichbare Ziele:
Mehr Durch- und Überblick
Politische Bildung und politisches Interesse
Positive wirtschaftliche Entwicklung
Höhere Einkommen und Renten
Bessere Ausbildung der eigenen Kinder
Bessere Unterstützung der alten und  kranken Eltern
Höheres gesellschaftliches Ansehen
Weniger Neidgesellschaft und geringere Kriminalität
Besser gebildete Manager und Politiker
Gerechtere und verständlichere Politik
Sorgenfreiere eigene Altersversorgung
Gesündere Kinder und eine Zukunft mit Zukunft

4 Gedanken zu „Verstand ist genug da. Was tun, wenn die Bildung fehlt?

  1. Ich (51 J.) stamme auch aus einer der beschriebenen, bildungsfernen Familien. Dazu bin ich noch Ausländer. Meine Eltern waren einfache Landarbeiter, die es als „Gastarbeiter“ in unsere BRD verschlagen hat. Wir waren 5 Kinder. Ich bin der Jüngste und ich hatte das Glück, dass meine Eltern für mich mehr Zeit und auch für unsere BRD schon ein anderes Lebensgefühl entwickelt hatten. Ich wurde als erstes Kind aus unserem ganzen Dorf (Südeuropa) auf eine höhere Schule geschickt.
    Vasco hat im Grunde recht!
    Ich habe fehlende Bildung in der Familie am eigenen Leib erspürt und setze heute meine Kraft für meine Nichten und Neffen ein (bin kinderlos). Denn meine Geschwister hatten nicht die Möglichkeit eine Ausildung und dadurch einen Beruf (Dipl.-Ing.) zu erlangen wie ich und in der Folge sehen ihre Kinder heute ihre Position in der Welt ebenfalls überwiegend als „chancenlos“ an.
    Ein Teufelskreis. Auch die von Vasco beschriebene planlose Familienplanung trifft zu.
    Eltern und Kinder müssen begreifen, dass man aus dieser Tradition heraus kann.
    Einer der Mitstreiter schrieb in seinem Artikel über den Helden „Münchhausen“, der sich am eigenen Schopf selbst aus dem Sumpf herauszog.
    Mit etwas Hilfe durch die Gesellschaft schaffen das auch unsere neugierig nach Bildung hungernden Jüngsten. Warum sollen wir warten, bis sie sich daran gewöhnt und es akzeptiert haben, dass diese nicht für sie bestimmt sei. Was soll aus ihnen werden, wenn selbst die Eltern hoffnungslos sind und für die Aus- und Fortbildung mehrerer Kinder über „so lange Zeit“ irgendwann keine Geld mehr aufbringen können?
    Vascos Hinweis auf die externen Vorschläge, eine Änderung in der Mittelbereitstellung herbeiführen zu müssen, sind sehr, sehr wichtig :!:

  2. Pingback: Pro Kind 500 Euro Grundsicherung gegen Armut und für Bildung | Deine - Meine - Unsere BRD

  3. Mein Mann ist Mitarbeiter im öffentlichen Dienst unserer Bundeshauptstadt (schreibe daher anonym) und dieses Thema begleitet uns Tag für Tag. In der Familie, auf der Straße, im Beruf. Grundsätzlich möchte ich dem Diskussionsansatz zustimmen. Mit Grütze haben Vascos Gedanken wirklich nichts zu tun. Schade, dass einfache und auch Grundschülern einleuchtende Ideen immer gleich auf Ablehnung der Gebildeten treffen. Das ist eigentlich viel mehr die „Grütze“. Interessant ist auch die Berechnung, die eine besorgniserregende Entwicklung der sich immer weiter öffnenden „Bildungsschere“ anschaulich rechnerisch verdeutlicht. Die Kinder aller Familien sind davon betroffen und müssen die heutigen Fehler in der Zukunft gemeinsam ausbaden. Ohne uns und unsere klugen Sprüche. Gewaltlos!? Wehe, wenn es keine vernünftige und wirksame Lösung gibt.

  4. genau…eltern sind immer schuld. das der staat, das bildungziel niederiger ansetzt und gar nicht wirklich etwas gegen schlechte bildung und kinderarmut tun möchte, kein wort. schulen sind in deutschland schon zum puren schmarotzer geworden. wirklich wahr. man wird so oft und kostenintensiv zur kasse gebeten, da muss man schon vorher überlegen ob man lieber schuhe kauft oder das faschingsfest der klasse finanziert. das ist pervers.

    ich kann diese grütze nicht mehr hören. und ich bin nicht aus der „bildungsfernen schicht“

    http://www.grundschulservice.de/

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