Heute hab ich es wieder gehört: „Die Bundesrepublik Deutschland hat die größten Vorteile aus der EU gezogen.“
Und wie gestern, vorgestern und alle die anderen vergangenen Tage frage ich mich:
Welcher Bürger hat diese Vorteile erhalten?
Wo ist er?
Bei wem hat sich das besonders finanziell oder sichtbar vorteilhaft oder sogar in beide Richtungen ausgewirkt?
Bei uns allen?
In welcher Höhe eigentlich?
Ist es nicht vielmehr so, dass z.B. Groß Britannien seit Beitritt zur EU ununterbrochen und in massiver Höhe europäische Zahlungen, Unterstützungen, Beihilfen kassiert hat und nicht besser ist als Griechenland?
Sprachen EU- und nationale Politiker vor kurzem noch hinter vorgehaltener Hand nicht sogar von schamloser Abkassiererei der Tommys?
Geht der uns Deutschen nachgesagte Vorteil, wenn es ihn jemals wirklich gegeben hat, nicht spätestens seit Beginn der Wirtschafts- und Finanzkrisen zurück in die armen „Geberländer“?
Würden Euro-Bonds nicht tatsächlich eher keinen Schaden anrichten, weil der unter Verzicht auf Gegenleistungen gewährte horizontale Finanzausgleich zwischen den EU- und den Eurostaaten schon längst an der Tagesordnung ist?
Wird er nur von keinem unserer Bürger so recht wahrgenommen, weil er nicht in einem Stück, sondern bröckchenweise, unter den verschiedensten Bezeichnungen und hinter den mannigfaltigen Schleiern stattfindet?
Ich fürchte, der Versuch des uns ohne Volksabstimmung übergestülpten, künstlichen Euros hatte seine Zeit unten den befürwortenden Politikern, Banken und Unternehmern. Er kam leider um etliche Generationen zu früh und stand niemals auf einem bürgerlich gestützten, staatsübergreifenden Fundament der mit ihm gesegneten „Europäer“.
Ich kann nicht glauben, dass wir am meisten vom Euro haben und die größten Vorteile aus seinem Dasein schöpfen. Ich glaube vielmehr, dass wir uns dies eine Zeitlang eingeredet haben und einreden haben lassen.
Ich bin überzeugt, dass das ungeheure Verteilen unserer aktuellen und zukünftigen Steuergelder durch Zusagen und Bürgschaften an wirtschaftlich weniger leistungsstarke, an nicht erfolgsorientierte und an unglaublich gering reformwillige Staaten keine Lösung ist und nicht zum ersehnten Erfolg führen wird.
Ist der EURO nicht am Ende?
Am Ende seiner Bindungskraft, seines EU-Zusammenhalts, seiner wirtschaftlichen Anziehungskraft, seiner Utopie?
Ich sage klar: „JEIN!“
Und dafür stehe ich immer öfter sogar mit meinem Namen.
JA,
denn der EURO ist für die 17 beteiligten Staaten längst am Ende und drüber hinaus.
NEIN,
denn es könnte ihn noch für vier oder fünf, wenn Frankreich ihn auch behält, sogar für fünf oder sechs europäische Staaten geben.
Markus Schäfer (1981)
Frankfurt/M.
17.7.2012
Red.: Ich habe oben links das Bürger-Logo eingefügt, um diese Autorengruppe besser kenntlich zu machen.