3100 Euro für Ersatzpflege

Die  SBK (Siemens-Betriebskrankenkasse)  hat festgestellt, dass sich Pflegende nicht die „Auszeiten“ nehmen, die ihnen gesetzlich zustehen.
1,55 Milliarden Euro hätten im Jahr 2010 für Leistungen im Bereich Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege bereitgestanden. Gerade einmal 740 Millionen haben die Pflegebedürftigen davon angefordert, um ihre privaten Pflegeleistenden zu entlasten.

Jetzt fordert die SBK, dass die Leistungen für diese beiden Ersatzpflegebereiche zusammengefasst werden, da beide dafür eingerichtet worden sind, dass der zu Hause Pflegende von der täglichen Versorgung des Pflegebedürftigen einmal ausspannen oder Besorgungen erledigen kann. Oder er kann in aller Ruhe gesund werden, wenn er selbst einmal erkrankt. Letzteres ist etwas woran niemand recht denkt. In der Öffentlichkeit  dreht sich alles um den, Pflegebedürftigen der zu pflegen ist, kaum jemand redet von denen, die an den täglichen physischen und psychischen Belastungen der Pflege regelrecht „verrecken“.

Mein Apotheker sagt mir, dass er immer häufiger feststellt, dass die Pflegepatienten, die ja täglich im Rollstuhl in sein Geschäft geschoben werden, regelmäßig in guter bis bester Verfassung sind. Dass aber derjenige, der diese Person pflegt, meist ein naher Angehöriger, regelrecht wie ein „Wischlappen“ aussieht und oftmals umgehend ärztlicher Hilfe bedarf. Dringender, als der offiziell Pflegebedürftige.
Broterwerb, Haushalt und bis zu mehr als 40 Stunden Pflegetätigkeit je Woche, das ganze Jahr über, ununterbrochen, rund um die Uhr auf den ganzen Tag verteilt, über Jahre hinweg, ohne Urlaub.
Jede Gewerkschaft der Welt würde im Fünfeck springen, wenn ihren Mitgliedern so ein Job abgeboten würde.
Die alleinerziehende Mutter ist da schon öfter im Blickfeld.
Deren Kind wird jedoch immer selbstständiger und kann irgendwann vielleicht sogar ganz „auf eigenen Beinen stehen“.
In der Pflege läuft das anders herum.

Weiterlesen

Info von der Pflegefront

Red@In Sachen Pflege hatte ich in den letzten Tagen ein interessantes Gespräch mit einem Mitarbeiter der Pflegekasse.
Es ging um  Zuzahlungen Pflegedürftiger für Hilfs- und Pflegemittel,  die bislang kostenlos waren.

 

  • Der Gesetzgeber soll in seiner Gesundheits- oder Pflegereform festgelegt haben, dass Pflegekassen nur mit bestimmten Lieferanten zusammenarbeiten dürfen.
  • Dafür müssen sie eine öffentliche Ausschreibung machen, um es den Lieferanten zu ermöglichen, sich zu bewerben und Angebote abzugeben.
    Frage: Wer weiß, wo diese Ausschreibungen zu sehen sind?
  • Der Lieferant, der die heutige Ausschreibung gewinnen will, muss denjenigen, der die vorherige gewonnen hat, unterbieten.
    Dabei ist nur der Preis ausschlaggebend.
    Es geht um den Preis, der gegenüber der KK abgerechnet wird.
    Uninteressant sind Logistik, Management und Qualität.
  • Der „Gewinner“ setzt sich nun mit den Pflegebedürftigen in Verbindung und offenbart, dass jetzt er der Leistungserbringer sei und die Betroffenen sich mit seiner Verfahrensweise oder wenn er auch früher der Lieferant war, von nun an seiner neuen „verbesserten Regelung“ abfinden muss.
    Das heißt auf Deutsch: Die bisher gewohnte Qualität ist ab sofort kostenpflichtig und es werden Zuzahlungen fällig. Weiterlesen