Noch mehr Geld für Bonn

Bonn war Bundeshauptstadt. Heute ist Bonn nur noch Bundesstadt. Dieser bisher in Deutschland unbekannte Titel wurde im Bonn/Berlin-Beschluß des Deutschen Bundestages vom 29. Juni 1991 erfunden, wohl als eines der vielen Trostpflaster dafür, dass Bonn nicht mehr Regierungs- und Parlamentssitz sein durfte.

Aber Bonn lebt in der Vorstellung seiner Lokalpolitiker immer noch in der Vergangenheit als Bundeshauptstadt und wird dabei vom Bund in einer manchmal unfassbaren Art unterstützt. Bonn ist völlig überschuldet, schrammt hart am Nothaushalt vorbei aber man fühlt sich als Weltstadt, eben als Bundestadt, deren Gößenwahn von den Bürgerinnen und Bürgern der restlichen Bundesrepublik über Steuergelder finanziert werden muss. Es gibt dafür viele Beispiele, über die noch zu berichten sein wird. Heute soll hier nur von einem aktuellen Beispiel berichtet werden, dem Zuschuss von 3,5 Millionen für einen Erweiterungsbau des Macke-Hauses in Bonn.

Der Maler August Macke, geboren 1987 im Sauerland, gefallen 1914 im Ersten Weltkrieg an der Westfront, zog im Jahre 1900 mit Familie nach Bonn und lebte dort, allerdings unterbrochen von Umzügen (Düsseldorf, Tegernsee) und zahlreichen Reisen (Berlin, Paris, Italien) bis zu seinem Tode. Ende des Jahres 1910 konnte in einem seiner Schwiegermutter gehörenden Haus in Bonn ein Atelier für Macke eingerichtet werden. Die drei Jahre bis zu seinem Tode war Mackes produktivste Zeit. 1991 wurde in diesem Haus das Macke-Museum eingerichtet.

Dagegen ist nichts zu sagen. Warum soll in Bonn nicht ein Museum unterhalten werden, in dem das Leben und die Werke eines bedeutenden Malers gewürdigt werden, der einige Jahre in Bonn gelebt und geschaffen hat ? Aber nach Auffassung der Bonner Stadtväter genügt ein einfaches Museum nicht den Bonner Ansprüchen und der Bonner Weltgeltung. Das Macke Haus soll also um einen hochmodernen Anbau mit einer drei Etagen hohen Glasfront erweitert werden. Aber woher will der hoch verschuldete Stadt Bonn das Geld nehmen ? Hier tritt natürlich der ebenfalls hoch verschuldete Bund ein. Der Bund stellt der Stadt Bonn 3,5 Millionen Euro für den Erweitungsbau des Macke-Hauses zur Verfügung. Die Initiative für den Bonner Geldsegen kam vom Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP), Bonner Bundestagsabgeordneter, der bereits 2010 einen Zuschuss des Bundes in Höhe von 500.000 € für Sanierung und Umbau des Macke-Hauses in die Wege leitete.

Wie bereits gesagt, leidet die Stadt Bonn unter ihrer hohen Verschuldung, zurückzuführen auf eine größenwahnsinnige Finanzpolitik in den letzten 20 Jahren. Man fühlte sich immer noch als Bundeshauptstadt. Aber Geld wurde nur für Prunk-, Pracht- und Protz-Objekte ausgegeben. Die Bonner Schulen sind zum Teil in einem erbarmungswürdigen Zustand. Die Sportvereine sollen Nutzungsgebühren für Turnhallen und Sportplätze zahlen. Schwimmbäder werden geschlossen. Es muss, so heißt es in der Bonner Stadtverwaltung, Geld gespart werden. Aber gespart wird nur bei den Bedürfnissen der kleinen Leuten. Für die sogenannte „Hochkultur“ steht immer genügend Geld zur Verfügung. Und im Bedarfsfalle springt immer der Bund ein. Für eine geplantes Festspielhaus (Gesamtfinanzierung noch völlig unklar) will der Bund nach Aussage des Bonner Bundestagsabgeordneten Ulrich Kelber 39 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Warum ist völlig unklar.

Man muss sich fragen, warum gibt es keine Zuschüsse vom Bund für die Sanierung von Schulen, für Sportstätten, für Kleinkunst sondern nur für die angeblich Hochkultur ? Dabei gibt es noch Städte, Gelsenkirchen sei hier nur als Beispiel genannt, denen es ohne eigenes Verschulden noch viel schlechter geht als Bonn. Aber bekommen die Geld vom Bund ? Nicht einen Cent ! Bürgerinnen und Bürger können sich nur noch wundern und empören. Warum wird Bonn gegenüber anderen Städten vom Bund finanziell in einer auffälligen Weise bevorzugt ? Und warum wird nur Geld zur Verfügung gestellt für Projekte, die an den Bedürfnissen der einfachen Bürgerinnen und Bürger völlig vorbei gehen ? Hat Bonn wirklich – wie die Bonner Stadtväter meinen – einen Anspruch auf eine „Rendite“ für seine Vergangenheit ? Und das zu Lasten der Steuerzahler der ganzen Bundesrepublik ?

Nur die wenigsten Bürgerinnen und Bürger in Deutschland wissen, wieviele Milliarden zu welchen Zwecken wegen des Umzuges nach Berlin nach Bonn geflossen sind und noch fließen. Darüber soll hier in Zukunft berichtet werden.