Martin Schulz, SPD: Wahlkampf und Wahrheit

In seinem beginnenden Wahlkampf wettert der Kanzlerkandidat der SPD Martin Schulz gegen Millionenzahlungen an Manager.  Bei den Gehältern der Spitzenmanager sei „Mass und Mitte“ verloren gegangen.  Er fordert nachdrücklich soziale Gerechtigkeit.  Die SPD jubelt und es jubeln auch alle Genossinnen und Genossen, die wieder eine Hoffnung auf einen Sieg im Kampf gegen die Bundeskanzlerin Merkel sehen.  Ja, die SPD ist  die Partei der sozialen Gerechtigkeit  –  das muss doch Wählerinnen und Wähler überzeugen.

Die Wählerinnen und die Wähler dürfen nur nicht hinter die Kulissen sehen, sie dürfen nicht sehen, wie verdiente Parteigenossen und Parteigenossinnen finanziell behandelt werden.  Die Forderungen des Kanzlerkandidaten Schulz und der SPD gelten offensichtlich nicht für verdiente SPD-Mitglieder.  Ein eklatantes Beispiel:  die frühere SPD-Ministerin Christine Hohmann-Dennhardt, jahrzehntelanges Parteimitglied und studierte Juristin, hat nach einer Karriere in der Justiz und der Politik (auch hier wurde immer wieder gemunkelt, dass Parteizugehörigkeit und Parteiarbeit, zurückhaltend formuliert, nicht hinderlich gewesen seien) eine Position im Vorstand des VW-Konzernes übernommen.  Nach knapp 13 Monaten musste sie die Position wieder verlassen, angeblich  „aufgrund unterschiedlicher Auffassung über Verantwortlichkeiten und die künftigen operativen Arbeitsstrukturen in ihrem Ressort“.  Nun ja, das mag  sein. Man darf davon ausgehen, dass Frau Hohmann-Dennhardt nun nicht Arbeitslosengeld beziehen muss.

Für 13 Monate Arbeit erhielt sie eine Abfindung von 12 Millionen Euro !!

Aber, so wird jetzt argumentiert, das war Bestandteil ihres Arbeitsvertrages und somit gerecht. .  Stimmt, nur wer hat den Arbeitsvertrag in dieser Form gebilligt ? Richtig, der Aufsichtsrat der Volkswagenwerke AG.  Wer sitzt im Aufsichtsrat ?  Neben Vertretern der Eigentümer-Familie Porsche sitzen im Aufsichtsrat u. a. der Niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der Niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD), der Vorsitzende des Gesamt- und Konzernbetriebsrates der Volkswagen AG Bernd Osterloh (SPD)  sowie Vertreter der IG Metall, ebenfalls SPD.

Der Kanzlerkandidat der SPD und seine Parteigenossen schimpfen öffentlich darüber, dass Managergehälter unanständig hoch seien während hinter verschlossenen Türen heimlich  Parteigenossen Verträge abschließen, die diesen unanständigen Managergehältern zugrunde liegen. Hat schon jemand davon gehört, dass Kanzlerkandidat Schulz und die anderen Parteigenossen dagegen protestiert haben ?  Bestimmt nicht, denn hier ging es ja z. B. um eine verdiente Parteigenossin und das ist etwas völlig anderes.

Man kann nur hoffen, dass sich am Wahltag noch viele Wählerinnen und Wähler an den Wahrheitsgehalt der Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit des Kanzlerkandidaten Martin Schulz erinnern.

7 Gedanken zu „Martin Schulz, SPD: Wahlkampf und Wahrheit

  1. Das trifft nicht nur auf MS zu. Den von Ihnen beschriebenen Politikertypus gibt es allerorten, in jeder erdenklichen Position und in jeder Partei, die älter als 1 Stunde ist.

  2. Wer daran glaubt, dass es Schulz um die Anliegen der Bürger geht, der irrt. Wer denkt, er könne sich für die Sorgen seiner Wähler interessieren, der verkennt Schulz Sicht auf diese Sorgen. Diese zu erkennen bedeutet, daraus Themen für den Wahlkampf ziehen zu können. Bedeutet aber keineswegs, dass er sich darum kümmern würde bzw. beabsichtigt, diese Sorgen auch zu beseitigen. Schulz hätte doch sein EU-Amt ordnungsgemäß ausüben und beenden können. Hätte danach in Ruhestand gehen können. Doch ihm ist Macht wichtig. Macht bedeutet für 4 Jahre Pfründe und Zugriffsrechte, bedeutet unten den Mächtigen wer zu sein und anerkannt zu werden. Macht bedeutet nicht, sie auch automatisch für das Fußvolk unter dem eigenen Wahlvolk einzusetzen. Laut und endlos zu reden, sich als verständiger, gütiger Papa des Volks zu geben und in jede hochgehaltene Kamera zu grinsen kann doch nicht reichen, um in Umfragen als Retter der SPD zu gelten. Woher kommt denn diese Steigerung der Umfrage? Die Linken und Rechten verliere gerade mal wieder einige ihrer Wahlnomaden. Wer weiß für wie lange und wann diese sich wieder abkehren und dem nächsten heilversprechenden Populisten zujubeln und nhrennen. Selbst Politker bezeichnen diese besondere Gruppe der Wähler als Stimmvieh, das für Brot und Spiele jeden Tag auf der Suche nach eigenen Vorteilen eine andere Meinung vertritt. Wen die wählen ist ihnen egal. Hauptsache er verspricht mehr als die anderen. Wer sieht diesen Wahlkampf und Schulz anders? Und warum?

  3. Derartige Praktiken finden sich in der Politik laufend. Eine ganz auffällige ist der Ministersprung von Dobrindt zum Verkehrsminister. Wer hat sich das bloß ausgedacht? Am Ende dieser Regierungszeit hat er sich eine Pension verdient und kann gut versorgt und bedeutungslos in der Versenkung verschwinden.

  4. Ist es ausgeschlossen, dass Herr Schulz auch auf der Suche nach einer derartigen Versorgung ist und sich deshalb um das Kanzleramt bewirbt? Wenn er das einigermaßen erfolgreich überstanden hat, ist er als Held der Sozialdemokratie anerkannt. Damit ist er dann bestimmt fit für eine langfristige Versorgung in einem von der SPD geschaffenen Wohlfühlnest. Das befindet sich aber ganz sicher nicht im altbackenen Würselen.

  5. Nicht die Korruption in Italien ist unser größstes Problem. Wir sollten erst einmal unseren Stall ausmisten. Wer wundert sich, dass immer mehr Wähler nach Alternativen zu den uns aus dem Halse heraus hängenden Politikern suchen und Alternativen im Augenblick überall zu finden sind. Wehe unserer BRD.

  6. War da während seiner EUzeit nicht auch etwas mit Sitzungsgeldern, die regelmäßig zu Unrecht aus der Europakasse kassiert wurden? Habe da irgendwas in Erinnerung.

  7. Gut, dass so etwas aufgedeckt wird. Wirklich gut.
    Viele regen sich auf, dass jetzt im beginnenden Wahlkampf mit Schmutz auf Schulz geworfen wird.
    Wann denn sonst?
    Wer sich zur Kanzlerwahl stellt muss ertragen, dass er durchleuchtet wird.
    Immer wieder wollen Politiker einen Wahlkampf ohne schmutzige Wäsche. Sie versprechen es sich gegenseitig, Bevor Sie gegeneinander antreten.
    Warum wohl?

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