Vergesst Weihnachten !!!

Weihnachtenvergessen ? Ist das denn überhaupt möglich ? Das bedeutendste Fest des Christentums und des Kapitalismus ? Sich so völlig außerhalb der feiernden „Volksgemeinschaft“ stellen ? Und warum eigentlich ? Für Weihnachtsverweigerer hier kurz drei Gründe, beliebig erweiterbar.

Der erste Grund: Weihnachten ist das Fest von Christi Geburt, also sozusagen die Geburtsstunde des Christentums. Hier soll nicht gegen Christus argumentiert werden. Er war sicherlich nicht der Sohn Gottes, aber er war, wenn man den Aufzeichnungen der Evangelisten trauen darf, ein guter Mensch: „ Aber ich sage euch, die ihr zuhört: Liebet eure Feinde; tut denen wohl, die euch hassen; segnet die, so euch verfluchen und bittet für die, so euch beleidigen (Mathäusevangelium, 1. Korinther 4.12)“: so sprach Christus. Eine wirklich beherzigenswerte Aussage. Leider hat gerade das Christentum sie nicht befolgt. Die Geschichte des Christentums ist eine unübersehbare Folge von Kriegen, grauenhaftem Gemetzel, gnadenloser, blutrünstiger Verfolgung von Abtrünnigen, sogenannten Ketzern und solchen, die man dafür hielt. Überall dort, wo das Christentum herrschte, rauchten die Scheiterhaufen. Glücklicherweise hat das Christentum heute nicht mehr die Macht, alle Menschen, die sich ihm nicht bedingungslos unterwerfen, gewaltsam zu verfolgen, zu unterwerfen oder zu töten. Aber auch heute noch versucht das Christentum die Freiheit, sowohl die materielle als auch und besonders die geistige Freiheit der Menschen wo immer möglich einzuschränken oder zu unterdrücken. In westlichen sogenannten „Demokratien“ bedient man sich gerne einer Partei, die zwar die Bezeichnung „christlich“ in ihrem Namen führt sich aber keinesfalls christlich verhält. Nein, man muss nicht die Geburtsstunde einer Ideologie, einer Organisation feiern, die in ihrer fast zweitausendjährigen Geschichte immer eine Blutspur hinter sich hergezogen hat und auch heute noch die Menschenrechte wo und wie immer möglich weitgehend missachtet.

Der zweite Grund: das höchste Fest des Christentums hat sich im Laufe der Zeit zum höchsten Fest des Kapitalismus gewandelt. Für sehr viele Unternehmen ist das „Weihnachtsgeschäft“ der Höhepunkt des Geschäftsjahres, die Spitze in der Umsatzkurve. Erreicht wird das durch ein allgemeines gesellschaftliches Verhalten, für das nur die Bezeichnung „Konsumterror“ passt. Wer nicht seinen Familienangehörigen, Verwandten oder ihm sonst nahestehenden Personen Geschenke darbringt, der gilt als geizig, hartherzig, sozial nicht angepasst, kurzum, er wird missachtet und verachtet. Warum aber muss man den Menschen, die man liebt ausgerechnet zu einem willkürlich festgelegten Termin ein erwartetes Präsent überreichen ? Würde man nicht sehr viel mehr Freude bereiten, wenn man mitten im Jahr, aus irgendeinem Anlass heraus ein unerwartetes Geschenk darbringen würde ? Und was der Konsumrausch zu Weihnachten mit Christus zu tun hat ist sowieso rätselhaft. Christus hat die Händler und Geldwechsler aus dem Tempel gejagt (Markus 11,15). Er war sicherlich kein Freund des hemmungslosen Kommerz. Wenn Christus heute über einen Weihnachtsmarkt gehen oder ein Kaufhaus betreten würde in denen in seinem Namen Geschäfte gemacht würden, er würde zur Geißel greifen und die Händler vertreiben.

Der dritte Grund: Weihnachten stellt sich heute als die ideale Synthese von Christentum und Kapitalismus dar. Prototypisch ist der Weihnachtsmann, eine Werbefigur, die weltweit als Symbol christlich motivierten Schenkens dargestellt und in der Werbung verwendet wird. Erfunden und zur Popularität gebracht hat den Weihnachtsmann die amerikanische Firma Coca-Cola zu Anfang der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts, ganz sicher nicht aus christlichen Motiven. Der Weihnachtsmann soll den Konsum zu Weihnachten steigern. Er
symbolisiert die herrschende Allianz aus Christentum und Kapitalismus.

Wer also weder das Christentum noch den Kapitalismus in seiner heutigen Ausprägung verehrt, der kann ehrlichen Herzens nicht mit der Menge Weihnachten feiern. Er muss Weihnachten vergessen.