Flut + Wut 2013

Die Elbe ist auf 1 km Breite angeschwollen und sogar aus der internationalen ISS-Raumstation zu sehen.

Die Anwohner der zum bersten angeschwollenen Flüsse kämpfen gegen das Hochwasser und jeder, der erfolgreich damit fertig wird, schickt durch seinen individuellen Erfolg das drückende Wasser weiter und macht damit automatisch den stromabwärts Wohnenden alle Vorsorge zunichte, denn er sorgt durch seine Maßnahmen dafür, dass viel mehr Wasser als bisher und viel schneller als jemals zuvor Richtung Mündung strömt.

Dabei rast es an Deichen vorbei, die bislang hoch genug waren. Diese erweisen sich nun doch zu niedrig, die Flut schwappt über die Deichkrone und es folgt eine „Jahrhundertflut“ auf die andere.
Die Schäden der einzelnen Landkreise gehen in die Millionen. Zusammengerechnet werden wir einen volkswirtschaftlichen Schaden von mehr als 10 Milliarden Euro erreichen.
Denn weitere Kosten werden sich auftürmen, weil sich auf der Erkenntnis der diesjährig erreichten  Flutmarken für die Zukunft zwingend weitere Deichbau- und Schutzmaßnahmen ergeben werden.

Und Gemeinden, die sich stromaufwärts vor dem nächsten Starkregen (200 Liter je Quadratmeter pro Tag) auf bereits vollkommen nässegesättigten Boden fürchten, werden alles tun, um das Oberflächenwasser der nächsten Unwetter abzuleiten.

Die ihnen stromabwärts nachfolgenden Gemeinden müssen darauf reagieren und treiben ihren Deichbau ebenfalls voran.
Den wiederum folgenden Gemeinden bleibt gar nichts anderes übrig als diesem Beispiel zu folgen.

Am Ende des Stroms hat ein aus Hochwassern gespeister Fluss dann eine Kapazität, die mathematisch wohl berechnet werden kann, deren Auswirkungen aber bislang noch nie getestet wurden.
Auf der gesamten Länge des Flusses und der Flüsse wird seit Jahrhunderten an Deichen und Wehren gebaut. Teilweise ist deren Substanz auch schon Jahrhunderte alt, sind durchlöchert, saugen Wasser auf wie Schwämme und lassen das Wasser sogar an der Basis durchlaufen.
Sandsäcke sind da kein ausreichender Schutz mehr.

Binnen kürzester Zeit – ich rechne in Zeiträumen die den Hypothekenlaufzeiten der Finanzierung von Einfamilienhäusern entsprechen –  kommt die nächste Welle den Fluss herunter. Wieder wird sie alle bisher als Höchststände markierte Wasserstände toppen und man wird erneut feststellen, dass der Gewässerschutz der anderen, am oberen Flusslauf gelegenen Gemeinden alles hat „für die Katz“ werden lassen.

In bestimmt absehbarer Zeit werden diejenigen, die bislang gar niemals eine richtige Flut kennengelernt haben, weil sie zu weit weg von der Küste und zu keiner Zeit in Hochwassergebieten gelebt haben, in den Flutwässern der Zukunft regelrecht absaufen.
Die „über ihnen gelegenen“ Flussanrainer haben dann den Strom in so hohe Dämme und starke Mauern gezwängt, dass er mit vollem Karacho in seinem Bett auf die Wehrlosen zurast. Bei ihnen angekommen, wird er deren unzureichende, zu alten, zu dürftigen, zu wenig gepflegten und zu niedrigen Schutzdämme wegspülen, durchbrechen, aus seinem Flussbett regelrecht herausspringen und zeigen, dass er anders kann als zahm, idyllisch und naturfreundlich zu sein.

Die Flut 2002 und die heutige nennen Reporter, Berichterstatter und Verwaltungsbeamte vor Ort eine Jahrhundertflut, weil sie Höchstmarken setzten, die seit mehr als 400 oder 500 Jahren unerreicht waren.
Der Bürgermeister von Grimma spricht von 2 Jahrtausendfluten, die seine Stadt und seine Mitbürger binnen eines Jahrzehnts heimgesucht hat.

Dabei wird es nicht bleiben.
Die nächste Überraschungswelle kommt garantiert, weil auch morgen und übermorgen der Verwaltungsapparat und der bürgerliche Einzelegoismus dafür sorgen werden, dass es mit richtigen raumgebenden Maßnahmen durch vorbereitete Überfluchtungsgebiete nicht voran geht.

Alle werden für ihren Beitrag gegen das Hochwasser etwas verlangen. Diejenigen die abgeben sollen möchten dafür etwas erhalten und diejenigen die das Abgeben fordern, werden zum Geben zu geizig sein. Vor allem wenn sie selbst auf höher gelegenem Land leben und zu keiner Zeit mit Fluten zu rechnen haben.
Aber auch die in ganz großem Stil im Osten der BRD Agrarflächen aufkaufenden Hedgefonds werden ihre gerade erworbenen Ackerflächen nicht kostenlos dem Überschwemmungsschutz preisgeben. Der Gedanke widerspricht dem Prinzip des Handels dieser Anleger grundlegend.

Und wir können ganz sicher sein. Flutgefährdete Anrainergebiete werden auch weiterhin zu Baugebieten erklärt und weiter werden die mit allen Wassern gewaschenen Eigentümer dieser Flächen durch den Verkauf über „ahnungslose“ Mittelsmänner vermögend ggf. reich und können aufgrund des erhaltenen Kapitals das Überschwemmungsgebiet verlassen – ehe die hinzuziehenden Neubürger dort Ihre glückliche Zukunft bauen. Ohne, dass sie wissen auf welch gefährdetem Grund sie ihr Geld gerade versenken.

Die Menschen werden nicht klug.
Vielleicht werden sie kurz wach, wenn sie ihre Gebäude versichern möchten und es für sie gar keine Versicherung gegen Elementarschäden gibt.
Sie erinnern sich dann plötzlich, es gäbe ja eine Chance.
Alle Besitzer von Wohnungseigentum, auch die die in Stuttgart in ihrer in der  6. Etage gelegenen Eigentumswohnung leben, zahlen einen Salär für diejenigen, die es nicht lassen können sich in Flussauen und Überflutungsgebieten niederzulassen und wegen ihrer Nachlässigkeit zu spät erfahren, dass sie nun keinen Versicherungsschutz erhalten.

Ich zum Beispiel bin bereit für andere zu geben und zu spenden. Gern und nicht wenig.
Aber ich sehe nicht ein, dass ich neben dem allgemeinen Ansteigen der prekären Arbeitsplätze, der ausufernden Euro-Rettungsschirme, der Sorge in Zukunft erneut systemrelevanten Banken retten zu müssen, mich mit der Altersarmut auseinandersetzen zu müssen und dem steigenden Druck auf die Lebenshaltungskosten noch zusätzliche Ausgaben bewältigen soll, um Grundstückseigentümer zu  entschädigen, die einfach drauf losbauen und im Schadenfall die Gesellschaft Hilfe und den Staat zur Kasse bitten.

Ich erinnere mich, dass in Passau ein Ladenbesitzer partout sein Geschäft nicht räumen wollte, obwohl die Flut angekündigt und frühzeitig als äußerst dramatisch angesehen war.
Er hatte noch niemals Wasser in seiner Gasse und noch nie in seinem Laden. Alles lag bislang hoch genug und war stets trocken geblieben. Jahrzehntelang hatte er die Schäden nur bei seinen Nachbarn gesehen.
Heuer drangen Inn, Lech und Donau auch in sein Geschäft und zerstörten was sie erreichen konnten.
Der Arme war tief betroffen, regelrecht niedergeschlagen und wurde durch dieses Ereignis quasi insolvent.
Der einzige Satz, den er traurig in die auf in gerichtete TV-Kamera sagen konnte war, dass sein Lebenswerk zunichte sei und er nun ruiniert wäre.
Der Staat müsse jetzt eingreifen und ihm helfen.
„Ihm!“ Er sprach nicht von seinen Nachbarn. Er war sich in der Not ganz ausdrücklich selbst der Nächste. Gedanken an die Lage der Mitbürger hat er bestimmt nicht gehegt.

Soll der Staatsbürger „ICH“ jetzt für ihn und seine Dämlichkeit bezahlen?
Also nicht mit mir geht das so nicht.
Gern helfe ich den Flutbürgern aus der Patsche, aber es muss gerecht zugehen.
Nicht die gesamte Gesellschaft ist dafür verantwortlich, dass wieder einmal Milliarden ins Wasser gefallen sind. Erst einmal muss festgestellt werden, dass diejenigen, die in solchen Gebieten neu bauen und gebaut haben zu einer Gemeinschaftsversicherung gegen Elementarschäden verpflichtet werden. Diese Versicherung als Eigenbeitrag zur Schadensvorsorge darf ruhig richtig teuer sein.

Dafür erhalten sie aber das Recht sich an denen schadlos zu halten, die ihnen diese Grundstücke ohne Warnung angedreht haben.
Und sie können auch diejenigen zu Schadenersatzleistungen heranziehen, die an den Flussoberläufen durch Baumaßnahmen des Gewässerschutzes dafür gesorgt haben, dass bislang nicht betroffene Gebiete plötzlich zu hochwassergefährdeten Gebieten geworden sind und die bisher wertvollen Grundstücke nun nichts mehr wert sein werden.
Wer will denn so ein Haus kaufen, das alle dutzend Jahre untergeht und voller Schlamm und Dreck gespült wird.
Eine Altersvorsorge durch Immobilienbesitz sieht anders aus.

Wenn wir allerdings eine Gemeinschaftsabgabe alle Grundstücksbesitzer zur Begleichung von Elementarschäden einführen, dann bitte nicht nur gegen Hochwasser. Dann gegen alle Arten von Elementarschäden, verbunden mit einer Liste der von den Grundstückseigentümern selbst zu leistenden Schutz- und Vorsorgemaßnahmen
Diese sollten von den örtlichen Baubehörden überprüft werden.

Dazu zähle ich z.B. Rückstauklappen, die waagerecht oder senkrecht in die Abwasserleitungen der Gebäude oder der Ableitungen des Grundstücks einzubauen sind. In alle Gebäude bzw. Grundstücke. Nicht nur in Neubauten, auch und ganz besonders in den Gebäudebestand und die Altbauten.

Dächer müssen so saniert werden, dass sie sturmsicher sind und alle Gas- und Öltanks, speziell die in Kellergeschossen, müssen auftriebssicher befestigt sein.

Ich denke es gibt Fachleute, die meinen Beitrag allgemein und im besonderen ergänzen und kommentieren können.
Sicher gibt es zu diesem Thema weit auseinandergehende Ansichten und etliche differierenden Meinungen, aber im Grundsatz steht sicher für alle Bürger unserer BRD fest, dass unbedingt etwas getan werden muss, und dass das was getan wird nicht dafür sorgen darf, dass die Schäden von der einen Gemeinde in eine andere verlagert und dort ggf. sogar erhöht werden.
Das geht gar nicht und sollte – wenn keine ordentliche, länderübergreifende  Abstimmung auf der gesamten Flusslänge erfolgt  – unter Strafe gestellt und mit der Verpflichtung zur schnellen wirklich unkomplizierten Schadensersatzleistung belegt werden.

Politiker, die sich in Hochwassergebieten tummeln und ihr Mitgefühl ausdrücken sollten auf der Stelle in die Reihe derer gestellt werden, die Sandsäcke weiterreichen und dort bei Hitze, Schweiß, Durst, lästigen Fliegen und Mückenplage einige Schichten abreißen.
Das ist gelebte Solidarität und das ist Strafe dafür, dass das Geschwätz aus der Vergangenheit nichts als heiße Luft war.
Gemeinwohl geht vor Einzelinteresse. So ist es beim Schienenbau, beim Straßenbau und bei Weser- und Elbvertiefung und bei der Schaffung neuer Abgaben.
Bei der Hochwasservorsorge und der Schaffung von schützenden Überflutungsgebieten geht immer noch das Interesse des Einzelnen vor dem Gemeinwohl.
So kann und darf es nicht weitergehen.
Einige wenige tragen so für unendliches Leid und Milliarden Euro hohe Schäden bei.

Na denn, auf eine neue, eine gerechte Zukunft.
Ich bin noch jung und wenn auch nicht viel habe, Zukunft habe ich jedenfalls noch genug.

Bald ist ja wieder Wahl und wir könnten, wenn wir klug wären, dafür sorgen, dass uns die nächsten 4 Jahre Bürger vertreten, die unsere Bedürfnisse erkennbar ernst nehmen und unsere Interesse deutlich ausgewogen vertreten. Ich tu's. Ganz bestimmt. Und ich fange noch heute damit an, mich darum zu kümmern wem ich meine Stimme geben werde. Wenn ich niemanden finde, überlege ich, ob ich mich nicht besser selbst der aktiven Politik zuwende und den Versuch unternehme, etwas zum Positiven zu ändern.

5 Gedanken zu „Flut + Wut 2013

  1. Meine ganz persönliche Rechnung:
    Ich bin ganz sicher, dass die 2013-Überschwemmungen auch dadurch diese dramatischen Ausmaße angenommen haben, weil die Stauseen im Harz vor der Flut ABSICHTLICH nicht mehr rechtzeitg abgelassen worden sind.
    Früher wurden die Stauseen staatlich betrieben. Heutzutage sind sie privatisiert und müssen Energie erzeugen. Koste es was es soll. Da kann man die Energieerzeugung nicht einfach mal eben stoppen und man kann sie vor einer Flut nicht einfach mal leeren, um neues Hochwasser aufzunehmen.
    Die Aktionäre hätten dafür keinerlei Verständnis.
    Besser für die Bilanz wäre es, das ganze Land säuft ab. Denn nach der Flut brauchen alle Strom, um ihre nassen Klamotten und Hütten zu trocken.

  2. Ich würde echt gern sehen, dass die elenden Verkäufer dran kommen, die mit Absicht Ufergebiete in Überschwemmungsgegenden verkauft haben. Mit dem Geld haben die sich längst verdünnisiert und lachen sich heute sogar bestimmt ins Fäustchen. Weil sie niemand wegen vorsätzlicher Schandtaten drankriegt. Dazu darf man doch nicht gerecht sagen. Das kann man nicht auf sich beruhen lassen.

  3. Richtig. Wir müssen leere Versprechungen der Politiker ablehnen und uns mit den Tatsachen beschäftigen:
    Fehlender oder stümper- bis mangelhafter Hochwasserschutz;
    jahrzehntelange Planungsverfahren, die erst umgesetzt werden, wenn sich die Realitäten bereits wieder verschoben haben;
    egoistische Interessen einzelner Interessen und Masseneinsprüche;
    als Schutzmaßnahmen ausgewiesene Deiche, die andere, bislang nicht betroffene  Bürger ins Unglück stoßen;
    Geldverschwendung für Fehlplanung und schlechte Bauausführung;
    Jahrhundertelang als Überflutungsgebiete bekannte Ländereien in Bauland umzuwidmen:
    Kürzung bereitgestellter Finanzen oder deren Umleitung an andere Kostenstellen;
    Ignorieren und Wegwischen mahnender Hinweise auf immer häufiger auftretende negative Wetterphänomene;
    Vergesslichkeit der nicht betroffenen Bürger;
    jährlich immer wieder neu maximiertes Gewinnstreben der Versicherungsunternehmen und ihrer Aktionäre

  4. Tachchen LouLou!
    Ich würde Dich wählen, wenn Du in die Politk einträtest und auf der Liste stündest. Meine Stimme wäre Dir 100% sicher.

  5. Liebe LouLou, wir freuen uns von Dir wieder einen Beitrag zu lesen. Du warst sehr fleißig wie ich sehe. Danke.
    Ich soll Grüße von Sarah Thustra ausrichten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

:D :-) :( :o 8O :? 8) :lol: :x :P :oops: :cry: :evil: :twisted: :roll: :wink: :!: :?: :idea: :arrow: :| :mrgreen: