Montis Vision vom parlamentsfreien Europa

Das leider weitgehend durch stupide TV-Shows und subjektive Nachrichten fernsehgebildete Italien hatte insgesamt 10 Jahre Silvio Berlusconi, den Macher dieser trüben, suggestiven Unterhaltungskost und als Retter aus der Not gewählten leader massimo am Halse.
Als das dicke Ende seiner Regentschaft langsam sichtbar wurde und selbst der verschlafenste Süd-Italiener endlich aus seinem Bunga-Trauma erwachte, musste Mario Monti dem italienischen Staatspräsidenten und seinem Volk zwangsläufig als erlösender Erzengel vorkommen.
Zumal die Auswahl beim Präsidenten-Casting verflixt mager war.

Zur Wiederauferstehung Italiens und Reanimation der Wähler gab der amtierende Staatspräsident die schmackhafte Devise aus:
„Die nächste Regierung soll nicht aus der Politik stammen.“

 

Staatspräsident Giorgio Napolitano (greisenhafte 87 Jahre alt und auch erst im 4. Wahlgang ins Amt gewählt), gab dem parteilosen Mario Monti,  Berater bei Goldman Sachs und Coca Cola, EU-Kommissar unter Berlusconi, den Auftrag eine Expertenregierung zu bilden.
Irgendwie verstehe ich das nicht, denn wo war denn in der Berlusconi-Regierung etwas anderes als purer Egoismus und nacktes Interesse der Experten aus der Wirtschaft zu spüren gewesen?
Experten gab es rund um Berlusconi herum doch zu genüge.
Italien wurde doch gerade von Berlusconi längst politikfrei regiert.
Oder hatte jemals irgendein Europäer auch nur eine Sekunde lang die Vermutung, dass Berlusconi Politik für die Italiener machen würde?

Wäre da nicht der Vorschlag besser angebracht gewesen, endlich wieder Politik machen zu wollen?

Was hat’s gebracht?

Mario Monti – an seinen anspruchsvollen Spar-Versprechern inzwischen endgültig gescheitert – hat jetzt DIE super Idee um den italienischen EURO und den Rest EUROPAs zu sanieren:
Er findet es an der Zeit, dass zumindest die Parlamente der EURO-Staaten ihre jeweils grundrechtlich verbriefte Handlungsfreiheit zugunsten ihrer regierenden Chefs einschränken sollten.

Den Demokraten der EURO-Zone stehen die Haare zu Berge!
Europaweit heben nicht nur die politisch interessierten Bürger die Köpfe und horchen auf.

Das hatten wir doch schon einmal!

Sogar in Italien soll es Bürger geben, die das so verstehen, als ob Herr Monti sich anschickt endlich Berlusconis Erbe anzutreten und wieder die in ganz Europa bekannten italienischen Verhältnisse herzustellen.

Ich musste etwas im Netz herumsuchen, aber ich habe etwas gefunden, was uns den Monti und seine Absichten erklären kann.
In seinem Pressestatement zur 29. deutsch-italienischen Regierungskonsultation vor einem Monat, am 04.07.2012  Lesen? Hier klicken!, sagte Monti in Rom:

Ich zitiere:
Ich glaube, unsere beiden Staaten gehören zu den Ländern der Europäischen Union, die am besten dazu imstande sind, Souveränität gemeinsam zu tragen und abzutreten an die Europäische Union, falls dies bedeutet, politische und wirtschaftspolitische Instrumente zu garantieren, die wirkungsvoller und wirksamer sind, um das gesamte Europa weiter voranzutreiben unbeschadet der Tatsache, dass natürlich alle weiterhin ihre Hausaufgaben erledigen müssen. Aber wie gesagt, geht es dabei um Wirtschaftspolitik, die es der Europäischen Union ermöglicht, wettbewerbsfähiger zu werden. Deutschland ist ja ein sehr gutes Beispiel dafür, wie wettbewerbsfähig man sein kann und wie positiv sich das dann auch am Weltmarkt auswirkt. All dies wäre auch positiv für die europäischen Bürger. Das würde uns auch helfen, die Gemeinplätze und Vorurteile zu überwinden, die im kollektiven Bewusstsein immer vorhanden sind und die sich am Ende auch negativ auf den zukünftigen Fortschritt bei der europäischen Integration auswirken könnten.
Ende des Zitats

Er meint es offenbar ernst.
Bürger's BeitragIch frage mich:
Von welcher italienischen Produktivität geht er aus?
Unsere Wirtschaft führt reichlich nach Italien aus, mit Bürgschaften und auf Kosten deutscher Steuerzahler, was dem italienischen Staat seit Jahren regelrecht mundet.
Was will Monti denn noch von uns?
Welche Souveränität will er für Italien abgeben, seine nicht vorhandene Unabhängigkeit von Rettungsschirmen?

Ich frage mich auch:
Was soll da nun schon wieder mit großen Worten und Gesten vor dem eigenen und den europäischen Parlamenten verschleiert werden?
Steckt in der letzen Berlusconi-Bilanz eine Bombe?
Hat sich der unvergessliche Silvio gar das Eigentum am italienischen Grundbesitz verschafft oder Monti endlich einen Blick hinter die Tür der italienischen (geplünderten) Schatzkammer und auf den puren Horror werfen lassen?
Zu wessen Gunsten sollen die Rechte der Parlamente beschnitten werden?
Banken, Hedgefonds, Spekulanten, Mafia, unfähige, anmaßende, korrupte Politiker?
Soll nicht besser gleich – weil unkompliziert und direkt – Goldman Sachs regieren, was Monti ohne große Anstrengung vom selben Stuhl aus wie heute erledigen könnte?

Werden wir das was sich da ankündigt verhindern?
Wird das deutsche Volk weiter widerstandslos zusehen, was mit ihm gemacht wird?
Werden wir bis zum bitteren Ende in fremde Kassen zahlen und uns dafür beschimpfen lassen, dass es nicht genug wäre?
Wann werden wir verstehen, dass uns außer dem Klimakollaps auch der Wirtschaftskollaps bevorsteht und wir beides auf gar keinen Fall überstehen oder gar abwenden können?

 

2 Gedanken zu „Montis Vision vom parlamentsfreien Europa

  1. F, was du da über die tv-sucht meiner landsleute schreibst ist leider zu großen teilen wahr. der durchschnittsitaliener scheint in der tat fernsehbesessen und vor allen dingen fernsehgläubig. damit rechnet mein namensvetter berlusconi ganz fest und rechnet sich sogar chancen einer wiederwahl als ministerpräsident aus.

    m.monti will unser land tatsächlich reformieren. das problem ist, dass er sehr schnell etwas sagt, uns nicht immer erklärt was er damit gemeint hat.

    ich bin sehr sicher, dass er für mein land gut ist. ich bin andererseits aber auch sehr froh, dass ich nicht in italien leben muss. ich unterstütze meine vaterland so, wie die bundesrepublik, das land, welches mir inzwischen zur heimat geworden ist. ich schicke so viel deutsche euro wie ich mir leisten kann nach italien zu meinen großeltern und geschwistern. denen geht es im moment nicht sehr gut und besser wird es in den kommenden monaten auch nicht werden. vielleicht dauert es jahre bis italien wieder steht. im moment kippen wir gerade aus dem stiefel.

    meine familie klagt nicht, wie ihr denken könntet. wir italiener wissen alle, wirklich alle, dass unser land in der vergangenheit über jahrzehnte sehr, sehr schlecht regiert worden ist.
    wir geben zu, dass wir schadenfroh waren, als bundeskanzler schröder hier dir bremse zog und die bundesbürger an die finanzielle kette legte. wir kennen sie ja als touristen und da das ist nicht überall immer nur mit freude verbunden. das könnt ihr euch sicherlich denken. dientsleister zu sein tut auch weh und schmerzt jeden männlichen italiener.
    aus dieser stimmung stammen auch die aktuellen kommentare und artikel in der presse. aber keine sorge, wir italiener mögen die deutschen und wissen sehr gut, dass wir die eu und sie brauchen.
    die journalisten in italien sind schlecht bezahlte freiberufler und müssen das abliefern, was von den Redakteuren bestellt wird. was dürften die zeitungen berlusconis wohl noch lieber veröffentlichen, als schmähgedichte auf deutschland? ein von einer frau geführtes land. jeder europäer weiß inzwischen, was berlusconi von und über frauen denkt. er wird sich auch nicht mehr ändern. er ist so, wie er ist, nach oben gekommen und konnte sich fast ein ganzes land aneignen. er fühlt sich mit putin auf augenhöhe.

    sorgt euch nicht mehr als wir. wenn es für den euro zu einem unrühmlichen ende kommen sollte, wird es deutschland auch dann immer noch besser ergehen, als dem land meiner großen familie.

    das mag für viele auf den ersten blick kein trost sein, steht aber für meine sicherheit, dass ich hier seit knapp 30 jahren im einzig sicheren land europas lebe und sogar meine meinung sagen darf.

  2. MM hat seine Äußerung zu diesem brisqnten Thema inzwischen dahin relativiert, dass er eigentlich das Gegenteil von dem gemeint habe, was er gesagt hat.

    Ah, capito Monti!
    Na siehste. Wußten wir es doch oder haben es zumindest geahnt.

    Woher sollte er auch wissen wissen was er redete, bevor er es nicht selbst gehört hatte ????

    Solche Leute waren Berlusconis EU-Kommissare und stehen jetzt einem EU-Staat als Ministerpräsidenten vor und im Rampenlicht?

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