Zukunftsweisende Verbindung „Hamburg – Celle“ durch Europas größte Heide

Morgen ist es soweit:
Der Norddeutsche muss nicht mehr zu Fuß auf den Weg nach Santiago de Campostella pilgern, um sich auszupowern, an seinem Verstand zu zweifeln oder bei Durst und Hunger „Erscheinungen“ zu bekommen.
Jetzt gibt es dafür direkt vor seiner Haustüre eine nördliche Alternative: Den Heidschnuckenweg von Hamburg nach Celle. Pilger können ihn sich verklärend „Camino de Lüneburger Heide“ näher bringen.
223 km geht es durch die niedersächsische und wegen ihres Abwechslungsreichtums legendäre Heidelandschaft an deren Südzipfel sich Celle gegründet hat. Herman Löns spukte hier anno dannemal herum und heute feiert eine unermessliche Vielzahl örtlicher Heideköniginnen und Heideböcke das flache Land.

Morgen kommt der niedersächsische Ministerpräsident McAllister und eröffnet den ZERTIFIZIERTEN Wanderweg.
Die regionalen Printmedien sind bereits außer sich vor Freude über dieses Highlight des Tourismus. Schwärmen von Lerchen und vom Kuckuck, von fröhlichen Wanderern (ich hab da so einen Film aus den 50igern im Kopf – mit Harald Juhnke und Kuhlenkampf), der Natur, der Ruhe und all dem Krams, das andere Touristenattraktionen eben auch anbieten.

Aber wirklich niemand redet darüber, ob es auch so wichtige Dinge wie z.B. Klos gibt oder ob Wanderer und Wanderinnen notdürftig vom Wege ausweichend in die pure, gesunde, heile Natur pinkeln müssen und mehr und wer einem den Dreck der Vorgänger von den Schuhen abwischt. Ich denke da an meine reichhaltigen Erfahrungen mit idyllischen Autobahnparkplätzen vollkommen ohne, mit defektem oder mit übergelaufenenem WC.

Stellt der Wanderpfad touristisch ein ernstes Bollwerk gegen des Urlaubers Gelüste Richtung Ballermann dar, bringt er zudem natürlich auch die Wirtschaft um die Gästeversorung und den dadurch aufgerufenen heimischen Handwerker so richtig auf Touren. In den Anrainergemeinden werden ganz bestimmt das Bildungsniveau gehoben und die strukturelle Arbeitslosigkeit gesenkt.
In weiser Voraussicht hatte die FDP ja bereits die Umsatzsteuer auf Übernachtungen gesenkt. Gut, dass es sie gibt.
Fehlte bislang jedoch noch die Möglichkeit, Leute so müde zu machen, dass sie schlafen wollen.
Nun ist auch diese geschaffen.
Eine Investition, die sich auszahlt. Man muss eben nur idyllisch planen und wirtschaftlich rechnen können. Das könne dien Hanseaten und die sturmfesten, erdverwachsenen Niedersachsen.
„Da kannst’e aber einen drauf lassen! Du.“

Eben gerade wurde mir ein weiterer Grund deutlich, warum so viele Menschen aus Hamburg, Niedersachsen und der EU-Administration an diesem Projekt interessiert waren und sind:
Eine erste direkte Verbindung zwischen der City Hamburg und Boomtown Celle, die auch in Zeiten der auf uns unweigerlich zukommenden Benzinknappheit funktioniert und sogar bei einer möglichen EU-Auflösung in Einzel- und Kleinststaaten hätte der Heidschnuckenweg eine weittragende Funktion: Tags als Versorgungsroute und nachts als Schmugglerpfad.

So funktioniert heimatverbundene Wirtschaft, die Hamburg und Niedersachsen politisch und menschlich näher bringt und wegen grenzübergreifender Planungen sogar ein offenes Portemonnaie in Brüssel findet. So zeigen unsere Politiker, dass sie uns alle lieben und in ihrer unermesslichen Weitsicht selbst- und pausenlos an unsere Zukunft denken.
Hamburger Bürgervertreter können die Einwohner durch diesen hitartigen Coup vielleicht von der desaströsen Entwicklung der „Elbfühlharmonie“ ablenken und schwarz auf weiß durchschlagende Erfolge vorweisen.
Wo ich gerade indirekt die Planungsdauer dieser Wegeverbindung anspreche.
Da sollten sich die Autobahnstrategen im Verkehrsministerium des Bundes mal ein Beispiel dran nehmen.

Warum weiht eigentlich nicht die Amelinghausener Frau Jenny Elvers-Elbertzhagen diesen blütenreinen Fitnesspfad ein?
Sie war doch auch mal tugendhafte Heidekönigin und hat noch nie an einem Politskandal teilgenommen. Sie könnte durchaus symbolhaft im weißen Kleid antreten, die volle Pulle Sekt auf den Weg pfeffern und dabei rufen „Ich taufe ich auf den Namen Heidschnuckenweg“. Das würde abgelichtet und so „ein Bild ginge ganz sicher um die Welt“.
Garantiert würden sich in China und Japan auf der Stelle erste Reiseunternehmer nach Anfahrtsrouten, Übernachtungsmöglichkeiten und regionalen Einkaufsquellen für Filmmaterial erkundigen.
Neuschwanstein würde sich etwas einfallen lassen müssen, um nicht in die Bedeutungslosigkeit abzuritschen.
Statt dessen wird mal wieder ein zwar sympatisch wirkender, aber ansonsten farbloser Ministerpräsident benötigt und von seiner wirklich wichtigen Arbeit abgehalten, für die er von uns Steuerbürgern, seinem Souverän, bezahlt wird.
Oder benörtigen wir wirklich einen Ministerpräsidenten, der mit seinem benzingetriebenen Fahrzeug in die als heile gepriesene Natur der Heide brettert, um noch mehr unseres Geldes bei solchen Anlässen zu verplempern.
Hinterher reden die Politiker immer davon, sie hätte so umnendlich viel zu tun und dabei stehen die dauernd auf irgendwelchen Plätzen rum, schütteln Hände, pflanzen Bäume und schneiden Bänder
durch.
Echt schlimm.
Solche Sachen können doch die Chefs der örtlichen Gemeindereinigung auch machen, denn deren Mitarbeiter müssen nachher sowieso den ganzen Abfall der Eröffnungsfeier wieder aus der Welt schaffen und die würden diesen Festival-Müll erst gar nicht produzieren.
Ist nur so eine Idee, um so lange Geld zu sparen, bis die Griechenlandkredite wieder an uns zurückgezahlt wurden oder um nicht so viel Geld von Bayern über den horiztonalen Finanzausgleich der Länder abfordern zu müssen. Was dem Bayer Seehofer sowieso derbe stinkt.

Zurück zur Sensation Norddeutschlands, dem Heidschnuckenweg:
Wer mehr über diesen Pfad und seine Tugend wissen möchte, der sollte seine Internet-Suchmaschine mit den Suchbegriffen „Heidschnuckenweg, Heidekönigin, Jenny Elvers-Elbertzhagen, McAllister, Tourismus Niedersachsen“ füttern und schon hat er online mehr an Informationen auf dem Bildschirm, als er sich hat träumen lassen.

Und ich erspare mir die mühselige Arbeit mühsamen Verlinkens.

2 Gedanken zu „Zukunftsweisende Verbindung „Hamburg – Celle“ durch Europas größte Heide

  1. Ja genau Walentin, und der Schnuckencamino endet dann in Santiago de Cellestella, gleich neben dem beschaulichen Truppenübungsplatz Bergen. hehehe sehr witzig :wink:

  2. Schnuckencamino hört sich auch nicht übel an. Oder? Klingt doch besser als Heidschnuckenweg.

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