BER-Skandal: Klaus Wowereit und die Brandschutz-Lizenz zum Töten…

Foto: ddp „BSR im Verzug-Wowereit besuchte Reinickendorf“, BZ 14. Juli 2010, Gunnar Schupelius

Jetzt ist die Katze aus dem Sack!

Der (noch?) Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD) wusste über alles Bescheid!

„Obwohl der dem Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft vorsitzt, will er an dem Schlamassel keine Schuld tragen. Dabei offenbart ein Blick in Prüfberichte, die der SZ vorliegen: Die Aufseher wussten frühzeitig von großen Problemen„, so die SZ in den gerade erschienenen detaillierten Bericht „Blamage mit Ansage„.

Wowereit war also unterrichtet und zwar nicht nur über die Kostenexplosion beim Flughafen Berlin-Brandenburg in Schönefeld (Schätzung für zusätzliche „lost-cost“ z.Zt. bei ca. eine Milliarde Euro!), sondern auch über den dramatischen Zeitverzug und das Tohuwabohu beim diffizilen Brandschutz auf Flughäfen.

Der – und damit auch Menschenleben – waren den Verantwortlich offenbar nicht wichtig. Wie gar nicht so selten im deutschen Bau-Unwesen sollten Kosten und Termine gehalten werden, „koste es wen oder was es wolle“. Von publicitysüchtigen Lokalpolitikern (Kategorie 1 ) und karrieregeilen Gebäudemanagern (Kategorie 2) wird dabei vergessen bzw. unterschlagen, dass oberstes Ziel die Errichtung eines mängelfreien Gebäudes ist, unter Berücksichtigung von Kosten und Terminen!

Diese Pervertierung von Berufethos und der daraus resultierende Zielkonflikt werden  deutlich am Zitat eines Insiders und Mitläufers des Berliner Flughafen-Bauskandals im zweiten Teil des Online-Berichtes der SZ „Viele Ampeln standen auf Gelb„:

„Der Eröffnungstermin war sakrosankt. Dem wurde alles untergeordnet.“

Nachdem die ausufernden Kosten nicht mehr zu halten waren, sollte – so ist anzunehmen – wenigstens der Termin für den großen Auftritt von „FeierbiestWowereit nicht platzen. Immerhin, die Einweihung des A-380 brachte der SPD-Spitzenpolitiker gekonnt über die Bühne. Allerdings wurde daraus nun ein Ablenkungsmanöver.

Kernpunkt der Kritik am Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzenden Wowereit und allen übrigen Mitverantwortlichen in Politik und Verwaltung ist nach den Recherchen der SZ eigentlich nicht mehr die Mega-Kostenexplosion, sondern die wissentliche und damit vorsätzlich geplante Gefährdung von Menschenleben!

Das Konstrukt einer temporären „Mensch-Maschine Konstruktion“ um die Brandschutzzulassung zu umgehen ist aberwitzig und spottet jeder Beschreibung. Dass  in einem komplexen Multifunktionsgebilde wie in dem eines Flughafens, so etwas weder funktionieren kann, noch durch bauaufsichtliche Zulassungsverfahren gedeckt ist, scheint weder die Techniker, noch die Bauaufsicht und schon gar nicht die Manager und die Politiker interessiert zu haben!  Dieser unglaubliche  Controlling-Skandal erschliesst sich beim Lesen folgender Passage der SZ-Redakteure Ott und von Bullion:

Kampf der Ingenieure

Weit gravierender gestaltet sich bald die Steuerung des kilometerlangen Kanalsystems, das bei Feuer den Rauch aus dem Terminal absaugen und durch Tausende Öffnungen ins Freie befördern soll. Die Koordination der Anlagenteile klappt nicht. Gleichzeitig werden in der Haupthalle die Sicherheitsschleusen umgebaut, weil jetzt breitere Flüssigkeitsscanner vorgeschrieben sind. Die Halle im Stockwerk darunter muss ebenfalls umgeplant werden – was dazu führt, dass die Deckenabhängung mit der Sprinkleranlage und den zu verlegenden Kabeln nicht vorankommt.

Die Ingenieure kämpfen jetzt. Ihnen werden „fortwährend Planungsunterlagen nachgereicht“, heißt es im Controllingbericht. Die Entrauchungsanlage liegt schon zwölf Wochen hinter dem Zeitplan, weshalb man nun „Interimsmaßnahmen“ anstrebt. Wie die aussehen, wird nicht verraten.

Wowereit hat inzwischen bestätigt, dass 700 Helfer in drei Schichten an Brandschutztüren gestellt werden sollten, die sich womöglich nicht öffnen.

Bei Feuer sollten sie einen Hebel umlegen und Alarm schlagen. Was aber, wenn es brennt und die Helfer rennen weg? Dann könnte Tausenden von Menschen der Fluchtweg versperrt sein. „Die Helfer dürfen nicht weglaufen“, sagt ein Ingenieur dazu.

Ein Aufsichtsrat verweist auf „externe Fachleute“, die man gefragt habe. Ob solch eine „Mensch-Maschine-Lösung denn machbar und verantwortbar“ sei? Ja, habe der Experte geantwortet. Also nickte der Aufsichtsrat den Plan ab. Eine genauere Analyse der Probleme beim Brandschutz forderte keiner. Hätte man tun können, „das kann man so sehen“, sagt der Aufsichtsrat. Hat man aber nicht.

Wenn stimmt, was im Controllingbericht vom April 2012 steht, signalisierte das Bauordnungsamt sogar Bereitschaft, die „Mensch-Maschine-Lösung“ mitzutragen, sofern Sicherheitsnachweise erbracht werden. Sie wurden nie erbracht.“

Damit ergibt sich, oh Graus, erneut eine Analogie zu den Skandalen in der Bundesstadt Bonn. Wie Bärbel Dieckmann aus dem WCCB-Skandal, so hat sich Wowereit versucht aus dem BER-Skandal herauszumogeln. Das gelang aber nicht und könnte langfristig, wenn der gesamtwirtschaftliche Schaden begreifbar wird, das AUS für den Regierenden Bürgermeister bedeuten.

Selbst ein rechtzeitiger Abgang nach politischem Versagen, bei der Bonner Ex-OB als „politischen Generationenwechsel“ getarnt,  kann schief gehen. Nach der (vorläufigen?) Einstellung der strafrechtlichen Ermittlungsverfahren mangels hinreichender Beweise möchten viele Bürger und Lokalpolitiker der WHH-Präsidentin Dieckmann ans disziplinarrechtliche Leder.

Was in der tiefsten rheinischen Klüngel-Provinz, im Raum Köln-Bonn noch möglich ist, nämlich mit Hilfe von kriminellen Machenschaften unter Leitung des SGB Leiters Friedhelm Naujoks (SPD) eine ca.  500 qm große Brandschutzdecke ohne bauaufsichtliches Prüfzeugnis in der Schulaula des KAG seit 2006 bis heute an der Staatsanwaltschaft und an der Oberen Bauaufsicht vorbeizumogeln, sollte im Kernland Preußens eigentlich nicht passieren.

Auch in Wowereits Berlin („arm aber sexy“) gab es politischen Klüngelalarm mit „Korruptionsansage“ („Anstatt, dass sich unsere Politiker ausschließlich auf die Wahrnehmung ihres Mandats im Berliner Abgeordnetenhaus und ihrer politischen Verantwortung konzentrieren, häufen sie Nebentätigkeiten in Aufsichtsräten, Vorständen, Stiftungen oder Kuratorien an und spinnen so ein feines Beziehungsgeflecht (weiter), was immer wieder Staatsanwälte veranlasst, tätig zu werden [siehe z. B auch: ‚World Socialist Web Site‘)].“ und der üblichen Unterlassungserklärung, aber die Erfindung einer „Mensch-Brandschutz-Maschinerie“ um das politische Image nicht zu beschädigen, dürfte ein Novum sein“

Haben sich in der Hauptstadt in Anlehnung an das Bonner Strickmuster eines „Saumäßigen Gebäudemangements“ (SGB) Ausschüsse, Politiker und gestandene Fachleute durch technische Gefälligkeitsgutachten und Umdeutung von eindeutigen Ablehnungsbescheiden beeindrucken lassen um das große Ereignis, die Eröffnungfeier, nicht zu gefährden?

Haben etwa, wie in Bonn, ein verstorbener Prüfstatiker oder ein Brandschutzexperte nachträglich eine „Persilschein-Genehmigung“ erteilt, die nie hätte erteilt werden dürfen? Haben sich in Berlin nach dem Unzug der Regierung aus Bonn rheinische Schlitzohrigkeit und unrechtmäßiges Verwaltungshandelnbreitgemacht?

War der Rausschmiss der Flughafenplaner ähnlich wie in Bonn die Kündigung des Architekten der Brandschutzdecke nur die erste Vertuschungsaktion der eigentlich Verantwortlichen?  In beiden Fällen hat das nicht geholfen: der selbsternannte „Gebäudemanager“ und Seminarleiter Friedhelm Naujoks wurde schlussendlich, trotz Gegenwehr des Bonner SPD-Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch vom Rat gefeuert.

Wie Friedhelm Naujoks, der sich mit SPD-Parteibuch von „Fritz dem Schlosser“ zum „Gebäudemanager“ mauserte gerät nun auch Flughafenmanager Dr. rer. Pol. Rainer Schwarz, obwohl anerkannter Fachmann, in schwere Turbulenzen. Als „Professor Ratlos“ muss er sich der Kritik von Kollegen stellen.

Anlässlich des 20 jährigen Jubiläums von MUC äußerte sich der 1992 für den Münchner Umzug verantwortliche Flughafenchef Willi Hermsen zum Berliner Flughafenfiasko: „Die Verantwortlichen für ein solches Projekt müssten sich persönlich um die Dinge kümmern, statt sich auf Berichte von Projektmanagern zu verlassen: „Die erzählen einem das Blaue vom Himmel.“

Inzwischen „droht der Skandal nach der Entlassung von Chefplaner Körtgen der Politik ins Gesicht zu fliegen“. Die beliebte Suche nach den Schuldigen kann aber nicht davon ablenken, dass Herr Wowereit, die Aufsichtsratsmitglieder und alle üblichen Verdächtigen auf jeden Fall das wussten, was jeder Normalsterbliche wissen muss: die meisten Menschen sterben bei Bränden und danach an Rauchvergiftung und nicht durch die Flammen!

Menschliche Brandschutztürschliesser sind also schlicht undenkbar!

Die Weigerung von Chefarchitekt Hans-Joachim Paap vom Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner (GMP), die geplante Interimslösung abzunicken, wonach zusätzliches Personal Türen per Hand hätten öffnen sollen, geschah also zu Recht. Er verweigerte einem entsprechenden Antrag die Unterschrift, worauf sich die Aufsichts-Ratlosen unter Vorsitz von Klaus Wowereit am 16.05.20012 von Paap und dessen Konsortium PG BBI „trennten“.

Die Sache bleibt spannend, denn in der BRD ist auch die versuchte Baugefährdung nach § 319 StGB strafbar. Es drohen 5 Jahre Haft. Dazu wird es sicher nicht kommen, denn wenn es bei technischen Angelegenheiten zu kompliziert wird, stehen die Chanchen gut, dass ein fachkompetenter Staatsanwalt die Deutungshoheit übernimmt.

Mit einem können Klaus Wowereit, Aufsichtsrat und die BER-Chaos-Manager allerdings rechnen: der Lehrstuhl für Planungs- und Bauökonomie der Brandenburgischen TU Cottbus plant einen Anschlag…

Keinen Kosten-Anschlag, sondern zur Eröffung des „Willy Brandtschutz-Flughafens“ (M. Söder, CSU) eine limitierte Neuauflage von „Bau des Neuen Flughafens München, Organisation und Abwicklung, ein Erfahrungsbericht“ von P. Greiner und W. Kalusche.

Mit dem Auftrag zum Buchdruck (geplant sind personalisierte Exemplare mit  gestrichenem Papier und Goldschnitt in Savannenziegenledereinband) kann man sich allerdings noch Zeit lassen. Wer von den Verantwortlichen bis dahin noch alles in die Savanne, nein, in die Wüste geschickt wird, weiß keiner und der nächste  Eröffnungstermin im März 2013 scheint Wunschdenken zu sein. Vielleicht klappt es ja im Dezember 2013 oder im Februar 2014…, aber auf jeden Fall noch vor der Eröffnung der Berliner Staatsoper!

 

Nachtrag am 09.06.2012:

„Wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung“, sagt ein altes (verballhorntes) Sprichwort. Nachdem BER-Flughafen Brandschutzexperte Klaus Wowereit die Feuerwehr alarmieren musste, weil die Matratze seines Lebensgefährten Feuer fing, kann er sich vor spöttischen Pressebeiträgen nicht mehr retten. Das mag ungerecht erscheinen,  aber wer meint beim verantwortungslosen „Publicity-Surfen“ automatisch das Obenbleiben gepachtet zu haben, den begräbt die nächste „Big Wave“, wenn es dumm läuft.

Beim Flughafenbau ist unter dem Regierenden SPD-Feuerwehrmann Klaus Wowereit  so gut wie alles dumm und schief gelaufen, technisch wie der VDI-Beitrag zeigt und managementmäßig wie GPM Chefredakteur Wagner meint.

Erbaulichen Lesestoff für „verantwortungsvolle“ Stadtoberhäupter wie Klaus Wowereit und Bärbel Dieckmann oder korrupte Gebäudemanager, wie ihr von Strafverfolgung bedrohter Parteifreund Friedhelm Naujoks , bietet der WiWo-Print-Beitrag: “Der Teufel schläft nicht” (Online unter: „Willkommen bei Europas Pannenflughäfen„).

Dort werden die sieben Todsünden beim Bau eines Flughafens aufgelistet: Hochmut, Ignoranz, Ausschweifung, Geiz, Zorn sowie Eifersucht und Maßlosigkeit. Das gilt aber nicht nur beim Flughafenbau!

Frage: Politiker können sich weder Sünden noch Todsünden leisten, aber warum dauert das bei manchen gewählten VolkvertreterInnen länger als bei anderen bis sie verdientermaßen in der Hölle landen?

Antwort: sie müssen wie die Bonner Ex-OB generationenbedingt rechtzeitig „die Biege machen“, den Kopf einziehen, notfalls im Amt tricksen und die Wahrheit vor laufender Kamera deformieren, dann klappt das….

Nun ist Klaus Wowereit dran, allerdings ist es für einen politischen „Generationenwechsel“ noch zu früh!


Anmerkung d. Red.: Der Autor, Mitglied des DFJV, Diplomarbeit Flughafen Stuttgart 1975 bei M. v. Gerkan, war 1966/67 GCA-Controller in Fürstenfeldbruck, 1976 Mitarbeiter beim Flughafenwettbewerb München II und beteiligt bei der Planung des Moskauer Flughafens Scheremetjowo II .

 

 

 

6 Gedanken zu “BER-Skandal: Klaus Wowereit und die Brandschutz-Lizenz zum Töten…

  1. Die Politiker der scheiß BRD gehören alle in den Steinbruch, und das Vermögen welches sie sich zu unrecht angeeignet haben(Diäten) muß in die Hartz4 Menschen fließen!

  2. Klaus Wowereit befinde sich wegen des Flughafen-Fiaskos im Sinkflug, meint die taz heute („Der unangeneme Klaus“) und JOhnny B. kommentiert:

    „Die meisten Berliner sind einkommensschwach und haben die Schnauze voll von seinem zynischen „Arm aber sexy“- Geschwätz gepaart mit Aussagen, die steigende Mieten als wünschenswerte „Normalisierung“ beschönigt. Wowereit muss weg!“

    Was macht ein Politiker, wenn er so kritisiert wird und von seiner Verantwortung ablenken will?

    1. Er zündet eine Matratze in seiner Wohnung an (ich bin Opfer statt Täter)
    2. Er eröffnet ein Wohnprojekt für homosexuelle Männer (ich bin einer von Euch Verfolgten)

  3. Ein bundesrepublikanisches Faszinosum: Politiker die den Steuerzahler brutal melken, scheinen selbst dick mit Melkfett eingecremt zu sein, wenn man sie bei der Ehre oder in ihrer Verantwortung packen will!

  4. Lieber Udo,
    die Kritik sitzt, aber was muss der Bundesbürger feststellen? Viele unserer „Teflonpolitiker“ sind eiskalte Machtstrategen. Auch (oder gerade?) die mit einem „Sozial“ im Label. Wowereit ist unstrittig verantworlich für das Berliner Flughafenfiasko. Das beläuft sich auf über 1,o Mrd. Euro, die in den märkischen Sand gesetzt wurden! Was macht Herr Wowereit. Er versucht sich mit billigen Nummern in der Talkshow von Markus Lanz aus der Verantwortung zu schlawinern, wie z.B. „Das Bundeskanzleramt habe ein Vorauskommando für die Einweihungsfeier geschickt, aber bei der Terminabsage habe sie gekniffen…“
    Hier der Film

  5. Wowi bekommt Haue, vom Chefkommentator der „Times“:
    „Der BER ist auch die Kopfgeburt von Klaus Wowereit, einem Bürgermeister, zu dessen größten Talenten zählt, immer dann unsichtbar zu werden, wenn die nächste Krise seine schon so lange leidende Stadt erschüttert; wenn also die S-Bahn kollabiert oder sich das nächste Milliardenloch im Haushalt öffnet. Auch diesmal schien ihm nicht bewusst, dass etwas gewaltig aus dem Ruder läuft, auf seiner Baustelle, draußen vor der Stadt. Vielleicht hat es ihn aber auch gar nicht so sehr interessiert.
    Es heißt ja, statt zu fliegen geht er lieber feiern.“

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