Info von der Pflegefront

Red@In Sachen Pflege hatte ich in den letzten Tagen ein interessantes Gespräch mit einem Mitarbeiter der Pflegekasse.
Es ging um  Zuzahlungen Pflegedürftiger für Hilfs- und Pflegemittel,  die bislang kostenlos waren.

 

  • Der Gesetzgeber soll in seiner Gesundheits- oder Pflegereform festgelegt haben, dass Pflegekassen nur mit bestimmten Lieferanten zusammenarbeiten dürfen.
  • Dafür müssen sie eine öffentliche Ausschreibung machen, um es den Lieferanten zu ermöglichen, sich zu bewerben und Angebote abzugeben.
    Frage: Wer weiß, wo diese Ausschreibungen zu sehen sind?
  • Der Lieferant, der die heutige Ausschreibung gewinnen will, muss denjenigen, der die vorherige gewonnen hat, unterbieten.
    Dabei ist nur der Preis ausschlaggebend.
    Es geht um den Preis, der gegenüber der KK abgerechnet wird.
    Uninteressant sind Logistik, Management und Qualität.
  • Der „Gewinner“ setzt sich nun mit den Pflegebedürftigen in Verbindung und offenbart, dass jetzt er der Leistungserbringer sei und die Betroffenen sich mit seiner Verfahrensweise oder wenn er auch früher der Lieferant war, von nun an seiner neuen „verbesserten Regelung“ abfinden muss.
    Das heißt auf Deutsch: Die bisher gewohnte Qualität ist ab sofort kostenpflichtig und es werden Zuzahlungen fällig.

 

Irgendwie muss das bei der Ausschreibung verlorene Geld doch wieder hereinkommen!
Irgendwer muss zahlen!

Auf meinen Einwand, dass dies doch so nicht gemacht werden dürfe. Dass man auf die wirtschaftliche Situation der Pflegebedürftigen, insbesondere Demenzkranker und Betroffene mit kleiner Rente, Rücksicht nehmen müsse.
Als ich spontan erwäge das Gesundheitsministerium um Auskunft zu bitten und ggf. den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages anzuschreiben, erhielt ich noch eine

TOPP-INFO:
Mein Gesprächspartner ließ durchblicken,  dass es innerhalb des Gesundheitsministeriums Bestrebungen gäbe, die Zuzahlungspflicht auf alle bislang kostenlosen Hilfs- und Pflegemittel auszudehnen.
Kostenlos war gestern!

Ich bin wirklich sprachlos.
Ist das die Pflegereform die unser  :arrow: vorheriger Gesundheitsminister Dr. Philipp Rösler  vermeintlich angeschoben und der   :arrow: aktuelle Gesundheitsminister Daniel Bahr   gegen das Finanzministerium und dessen Griechenlandabenteuer nicht durchsetzen konnte?
Grund soll gewesen sein, dass die Reform wirtschaftlich nicht selbstfinanzierend sei. Dass der Steuerkasse dadurch Kosten in Höhe von 100 Millionen (meine Erinnerung) entstünden.
Wäre es anders herum gewesen, hätte Gesundheitsminister Daniel Bahr eine Ersparnis nachweisen können, wäre  die Pflegekasse bereits reformiert.

Wen es freut, dass hier keine Steuergelder verschwendet werden, der sei darauf hingewiesen, dass es bei der effektiven Gesundheitsindustrie als todsicher gilt, dass wir alle in die Fänge der Pflegeindustrie geraten werden.
Ich wage die Vorhersage, dass das bei ständig reduzierten Leistungen nicht lustig werden wird.
Heute ist das schon nicht drollig. Fragen Sie bei Kundigen herum. Fragen Sie auf private Weise. Sie werden sich wundern.
Über das Morgen wird Ihnen dann das Wundern vollends vergehen.

Und wer darüber lacht, dem wünsche ich bereits heute ein langes, vergnügtes Alter in prall gefüllten Billigwindeln und so weit das alterstrübe Auge schweift, keinen Pfleger in Sicht.

Wenn auch zukünftig das Geld in der Pflegekasse fehlt und eigenes aufgrund einer offenbar heute bereits eingetretenen Alltagsdemenz, gepaart mit Zukunftblindheit, gepaart mit Gegenwartsignoranz nicht zurückgelegt wurde, wird das unsere Zukunft.
Haben Sie Geld für’s Alter, für Ihr Alter, zurückgelegt?

Oder haben Sie mal wieder alles für einen Wellness-Urlaub verbucht, damit Sie das Alter möglichst gesund erreichen und schön lange genießen können?
Das könnte sich noch als ziemlich kurzsichtig herausstellen.

3 Gedanken zu „Info von der Pflegefront

  1. Eine Beitragserhöhung wird zur Reform erklärt!
    Was mögen sich Herr Bahr und Herr Schäuble dabei wohl gedacht haben?
    ‚Redaktion’ hat ganz Recht. Erst lehnt Herr Schäuble eine Reform ab, weil sie die Staatskasse belastet und nun ist Friede, Freude, Eierkuchen weil es allein das Geld der Versicherten kostet.
    :evil: Das nennt sich Reform.
    Pflege ist nicht umsonst. Das weiß wohl jeder. Aber statt die Pflege zu reformieren, doktert auch Herr Bahr nur an ihr herum.
    Es liegt nicht daran, dass Herr Bahr in der FDP ist und sich und die Partei unbedingt mit irgendeinem Thema ins rechte Licht rücken will, es liegt meiner Meinung daran, dass sich niemand gegen die Pflegelobby durchsetzen will.

    Warum legt das Finanzministerium in Abstimmung mit dem FDP-Wirtschaftsminister nicht gleich noch 0,1% Beitragspunkte oben drauf und rettet auf Kosten der Versicherten und damit unbestritten solidarisch die Mitarbeiter von Schlecker? Das ist doch auch Sache der Versicherten untereinander. Die FDP wäre dafür. Das Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ steht ja stets hinter ihr und unser neuer Bundespräsident sieht dies ja auch so. Schließlich hat er es auch aus eigener Kraft geschafft.
    Ingrid aus Mainz

  2. @Ingo Schmidt, Berlin
    Nur so eine erste und vollkommen unausgegorene Idee:
    Eine denkbare Lösung wäre, dass sich ältere Semester aller Berufsgruppen zusammentuen und größere Lebensgemeinschaften z.B. auf landwirtschaftl. Betrieben udgl.bilden. Sie wären gefordert, hätten rund um die Uhr für einander zu tun und könnten sich gegenseitig helfen und unterstützen.
    Natürlich müssten sie auch wirtschaftlich eine solidarische Gemeinschaft bilden und Vermögen mit Fähigkeiten auszugleichen lernen.
    Wer nicht bereit ist, etwas von seinem Hab und Gut in eine solche Gemeinschaft einzubringen, statt dessen von anderen deren Arbeitsleistung gern annimmt, der wäre dort natürlich falsch.
    Ich habe gehört, dass es bereits Familien gibt, die eine solche Lösung gutheißen, aber auf der Suche nach Gleichgesinnten nicht weiterkommen.
    Ich habe keine Ahnung, ob es am eigenen und mangelnden Engagement liegt, ob es tatsächlich zu wenig Interessierte gibt, ob gegenseitiges Misstrauen vorherrscht oder die Sorge, man könne zu viel geben und zu wenig erhalten?
    Wir Bürger sind in solchen Momenten, wo es um eine eigene Entscheidung geht, immer sehr auf unseren Vorteil bedacht. Die Sorge, ein Anderer könne etwas mehr oder etwas von uns bekommen, ohne dafür sofort und sogleich zu leisten, ist uns angeboren. Ebenso wie der Neid anderen gegenüber. Insbesondere denen, die bessere Idee haben, als man selbst.
    Der verflixte Egoimsmus ist ein echtes Dilemma und wird wohl eine so einfache und menschliche Lösung, wie sie mir gerade eingefallen ist, komplett verhindern.
    Und ehe sich alle einig geworden sind, ist die Hälfte der Ideengeber bereits verstorben oder leidet an Alzheimer und weiß nicht einmal was die Anderen von ihnen wollen.
    Dann ist so eine einfache Idee inzwischen sicherlich auch bereits so verkomnpliziert, zerredet und von Juristen und selbsternannten Fachleuten, sich selbst zur Wahl aufgestellten Sprechern und sich plötzlich zu Wort meldenden Bundesvertretern und Schutzgemeinschaften für Immobilien alternder Mitbürger durchsetzt, dass niemand mehr weiß, um was es eigentlich wirklich ging und wenn das Geld der Alten restlos verplempter und verbrannt ist, dann sitzen diese armen, alten Tore auf dem inzwischen heruntergekommenen und rettungslos verwahrlosten Hof wieder allein und wissen nicht, wie ihnen geschah.

    Oder wäre so eine solide, gerechte und solidarische Seniorengemeinschaft für uns, wenn wir in 10 Jahren 60 werden, denkbar?
    Früher auch?
    Sollten wir vielleicht heute schon anfangen?
    Fragen über Fragen?
    Sorgen, Gedanken, Unsicherheiten.
    Keine klaren Antworten. Von wem auch?
    Wir reden ja nicht über die Zeit des Altwerdens und schon gar nicht über die Zeit danach, die Zeit des Altseins.
    Schade eigentlich.

  3. Danke für diesen erleuchtenden Artikel. Viele Hintegründe sind mir noch deutlicher jetzt klar. Aber auch du lässt die Fragen der Zukunft offen. Wie sollen alle Fragen nach der Finanzierung und der Unterbringung und der Fachkräfte beantwortet werden. Jemand aus der Politik muss doch endlich eine Systemänderunge einfallen. Ich hab keine Lust im Alter aufgrund eines Fachkräftemangels zu sterben. Wäre irgendwie unschön….

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