Verhinderungspflege (1) praktisch

Ersatzpflege, Verhinderungspflege, Pflegeperson, pflegebedürftig, Pflegehaushalt, gewerbsmäßige Pflege im Sinne der Unfallversicherung.
Was ist das?
Und wie funktioniert das eigentlich mit der Unfallversicherung bei der Pflege?

Vorweg diese Bemerkung:
Bitte helfen Sie, die Verhinderungspflege aus der Praxis heraus zu beschreiben und möglichst ausführlich mit Beispielen aus der Praxis zu schildern.
Ich z.B. pflege meine demenzkranke Mutter inzwischen seit mehr als 15 Jahren.
Seit knapp 2 Jahren nehme ich die Hilfe einer Verhinderungspflege in Anspruch.
Jede Hilfe ist „Gold wert“.

Als ich das erste Mal Bedarf nach einigen Stunden Auszeit spürte, habe ich mich  mit der Pflegekasse telefonisch in Verbindung gesetzt, habe nachgefragt, ob ich dazu berechtigt wäre, was zu tun sei, wie es rechtlich aussieht usw.
Ich erhielt Unterlagen und Formulare mit amtlichem Kauderwelsch.
Die schriftlichen Auskünfte waren wenig transparent und man spürte, dass hier ein verklärter Hochschulabsolvent sein qualifiziertes Fachwissen vortragen wollte.
Soll der Text Hilfesuchende vielleicht gleich abschrecken?
Geht das nicht einfacher?
Die häusliche Pflege wird doch überwiegend von einfachen Menschen durchgeführt, die nicht einmal eben ratsuchend in die Rechtsabteilung gehen können. In deren Küche sitzt in der Tat ein Jurist und das Geld um einen zu fragen, muss bei unserem bundesdeutschen Lohn- und Rentenniveau auch erst einmal übrig sein.

Aus den Unterlagen geht im wesentlichen hervor, dass seit 01.04.1995 die pflegende Person (“Pflegeperson“ genannt) über die „Pflege-Unfallversicherung“  auf Kosten der Gemeinde versichert ist, in welcher der Pflegehaushalt liegt („gemeindliche Unfallversicherung“ genannt).

Natürlich muss die zu pflegende Person auch tatsächlich  „pflegebedürftig“ sein. Das heißt, sie muss wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderungen bei der Verrichtung wiederkehrender Tätigkeiten im Ablauf des täglichen Lebens für mindestens 6 Monate oder schlimmstenfalls für immer erhebliche Hilfe benötigen.

Um gemeindlich unfallversichert werden zu können, darf man nicht gewerbsmäßig tätig werden.
D.h. im Sinne der Unfallversicherung, dass die Verhinderungspflege nicht beruflich oder gar hauptberuflich ausgeübt wird. Denn dann wäre man über seinen Arbeitgeber oder die berufsständische Unfallversicherung bereits versorgt.

Nicht gewerbsmäßig ist z.B.  jemand tätig, der für diese Tätigkeit nicht mehr Geld erhält, als das gesetzliche Pflegegeld. In diesem Fall ist das offenbar so zu verstehen, dass die Pflegeperson maximal das Geld erhält, dass für die Verhinderungspflege gezahlt wird,  aus der Verhinderungspflege keine gewerbliche oder berufliche Tätigkeit macht und der zu pflegenden Person für die Arbeiten keine höhere Rechnung stellt.

Mit „häuslicher Umgebung“ ist der Haushalt der zu pflegenden Person gemeint. Der kann allerdings auch im Alten- / Pflegeheim sein. Auch kann die zu pflegende Person natürlich bei der Pflegeperson oder mit anderen zusammen in einem Haushalt wohnen.

Aber Achtung !
Nicht vergessen, hier geht es um die immer wieder unterschätzte Unfallversicherung.
Natürlich kann eine Verhinderungspflege auch mehr Geld erhalten.
Aber dann muss die Frage einer Unfallversicherung vorher geregelt werden. Denn diese muss ja für die Pflegeperson nicht mehr automatisch existieren, wenn gegen die Regeln verstoßen wurde.
Wehe es geschieht ein Unfall und die Versicherung teilt mit, dass sei ein nicht versicherter Fall.
Das kann bösen Ärger geben.

Die von der gemeindlichen Unfallversicherung in ihrer ausführlichen Beschreibung hierzu aufgelisteten Tätigkeiten für die Pflege, können auch gleich als Definition zu Art und Umfang der Verhinderungspflege genommen werden.
Die detaillierte Beschreibung gibt es bei der Pflegekasse und umfasst folgende Arbeiten (meine private Aufzählung ist individuell, sicherlich nicht vollständig und daher nicht rechtsverbindlich):

Körperpflege
= Zahnpflege, Baden, Duschen, Waschen

Ernährung
(hierzu schreibt die Pflegekasse, dass darunter das Vor- und Zubereiten, auch Kochen der Nahrung zu verstehen ist. Natürlich gehört die Hilfe beim Essen und Trinken auch dazu).

Arbeiten im Haushalt gehören ebenfalls zur versicherten Verhinderungspflege. Darunter sind zu verstehen: Einkaufen, Säubern der Wohnung, Abwasch, Reinigen und Pflegen der Bekleidung, Bett-  und Haushaltswäsche. Auch das Beheizen gehört zur Verhinderungspflege.
Falls zur Beheizung auch das Hacken von Holz gehört, sollte vorher unbedingt mit der Unfallversicherung gesprochen werden. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass es Probleme gäbe, wenn sich die Pflegeperson ins Bein hackt oder einen Daumen opfert.

Hilfeleistungen bei der Mobilität sind natürlich ebenfalls von der Unfallversicherung abgesichert.
Darunter ist die Hilfe beim Aufstehen und Zubettgehen, Wege zur  und von der Toilette natürlich auch, Hilfe beim Ankleiden und Auskleiden, Hilfen bei Gehen, Stehen, Treppensteigen und das Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung.
Sie sollten sich genau erkundigen, ob und welche Wege zum Arzt versichert sind. Ob Sie Ihr eigenes Fahrzeug verwenden dürfen, um die pflegebedürftige Person zu transportieren oder ob nur Fußmärsche, Rollstuhlfahrten udgl.  im Unfallschutz einer Verhinderungspflege berücksichtigt sind.

Die gemeindliche Unfallversicherung leistet bei Arbeitsunfällen, die bei der Pflegetätigkeit geschehen (ich möchte nochmals auf das Holzhacken hinweisen und die Gefahren beim Putzen der Fenster zu bedenken geben).

Die gemeindliche Unfallversicherung tritt auch bei Unfällen ein, die auf dem Hin- und Rückweg von der Pflegetätigkeit passieren.
Mein Ratschlag:  Bei solchen Formulierungen muss man sehr vorsichtig sein. Garantieret endet der Unfallschutz in dem Moment, in welchem die Hin- oder Rückweg nicht mehr direkt ist und z.B. für einen eigenen Einkauf genutzt wird.

Natürlich leistete die gemeindliche Unfallversicherung auch bei Berufskrankheiten.
Diese speziellen Erkrankungen müssen aber durch die Pflegetätigkeit entstanden sein.
Ich würde hier nicht allzu große Hoffnungen dran knüpfen, dass es in einem solchen Falle „reibungslos“ zu einer so ausreichenden Leistung kommt, wie die Pflegeperson es sich wünscht.

Die Bürger unserer BRD haben da ja ihre Erfahrungen oder von derartigen Fällen gehört. Ich kenne niemanden, der sich „noch lebend“ binnen 3 Tagen bei seiner Unfallversicherung wegen eines Leistungsanspruchs gemeldet hat und zufrieden zurückgekommen ist. Wenn Sie bei der Pflege tödlich verunfallen, müssen Sie das nicht unverzüglich, sondern sofort melden.

Alles erhalten Sie im Detail und ganz ausführlich von der Pflegekasse schriftlich und auf Nachfrage auch telefonisch bzw. persönlich erklärt.

Lesen Sie sich die Unterlagen hierzu genau durch und wenn Sie etwas nicht verstehen, das geht bei amtlichen Unterlagen schneller als das Luftholen, dann fragen Sie, fragen Sie, fragen Sie.

Häusliche Pflege ist nichts für Zartbesaitete und wenn Sie einen Schwerstpflegefall zu betreuen haben, geht die eintönige Pflege rund um die Uhr, Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr  nicht nur auf den Rücken.
Wenn Sie eine Verhinderungspflege beschäftigen wollen oder wenn Sie selbst eine solche Tätigkeit zu übernehmen beabsichtigen, sollten Sie sich auf jeden Fall nicht nur über die damit verbundenen Tätigkeiten unterrichten lassen, sondern alle Beteiligten müssen sich über die Unfallversicherung informieren.

Die meisten Unfälle passieren bekanntlich im Haushalt.
Und schnell geht etwas daneben. Schlimmstenfalls sogar ins Auge.

Helfen wir uns gegenseitig.
Schreiben Sie über Ihre eigenen Erfahrungen.

Oder schicken Sie mir ein E-Mail an
Autorin:yes-i-can.
Alle Mails werden an mich weitergeleitet.
Ich antworte persönlich per Rückmail und über diesen Blog.


Yesica
Das nächste Mal berichte ich über die Bedingungen, die an die Pflegeperson, welche die Verhinderungspflege durchführen soll, gestellt werden.

Red.: :arrow: Yesicas zweiten Artikel [ gibt es hier ]

2 Gedanken zu „Verhinderungspflege (1) praktisch

  1. Hallo,

    ich habe in naher Zukunft vor eine ältere Dame im Rahmen einer Ersatzpflege zu betreuen.

    Die Dame ist an Demenz erkrankt und hat bereits Pflegestufe 3.

    Ich arbeite bereits Freiberuflich als Intensivpfleger und möchte diese Verhinderungspflege nur nebenbei durchführen. Es sind ca. 5-8std. im Monat zu je 25Euro/std.

    Meine Frage ist nun wie es sich mit der Unfallversicherung verhält. Ich bin ja bei der BG angemeldet als Freiberufler. Die Ersatzpflege wird aber nicht berufsmäßig ausgeübt. Gibt es dann überhaupt einen Schutz?

    Wie ist das mit der Haftpflichtversicherung, ich habe zwar eine Berufshaftpflichtversicherung aber springt sie überhaupt ein wenn ich Verhinderungspflege durchführe und es zu einem Schaden kommt.

     

    Mit besten Grüßen

    Ben

     

  2. Pingback: Wieviel Geld bekommt eine Verhinderungspflege? | Deine - Meine - Unsere BRD

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