Wird mir gerade einer vorgegauckelt?

Wo immer ich hinhöre und hinsehe, wird der protestantische Gottesmann und ehemalige Prediger Joachim Gauck als unser zukünftiger Bundespräsident gehandelt.
Alle Bundesparteien, die Linken ausgenommen, überbieten sich geradezu mit Huldigungen und sind voller Hinweise, dass sie das ja schon immer so gewollt hätten.
Seine Bestimmung zum ersten Mann unserer BRD durch die Bundesversammlung steht quasi unumstößlich fest.

Ist das aber wirklich eine demokratische Wahl, wenn durch die Bundesversammlung gar keine echte Auswahl stattfindet, weil sie doch tatsächlich gar keine Wahl hat?

Und wer wählt eigentlich die nicht im Bundestag vertretene Hälfte der Bundesversammlung?

Dazu lohnt sich ein Blick auf die Website „Wahlrecht“ und den Beitrag  „Zusammensetzung der 15. Bundesversammlung“.
Ich kann hieran erkennen, dass die Zusammenstellung der Bundesversammlung längst begonnen hat.
Am 23.02. legten sich die Bundesländer Brandenburg, Bremen und Berlin fest, am 24.02. folgten Niedersachsen, Thüringen und Schleswig-Holstein mit der demokratischen Festlegung der ehrbaren Männer und Frauen für die Versammlung des Bundes.
Mich hat leider niemand angerufen, um Rat gefragt oder um ein Votum gebeten.
Bin ich eine zu kleine Nummer?
Bin ich zu unwichtig?

Meiner Ansicht nach sind wir bereits mitten drin in der allgemeinen „Vergauckelung“, die ihren Höhepunkt am 18.03. findet, wenn der ehemalige Bürgerrechtler und heutige Vollzeit-Rentner Gauck ins höchste Amt des Staates bestimmt wird.

Gegen den deutlichen Willen unser aller Kanzlerin soll Philipp Rösler dafür gesorgt haben, dass es der Gauck wird.
Es geht das Gerücht, dass unsere Kanzlerin ihren kleinen Kabinettskollegen einer nominell nicht mehr existierenden Politgruppe vor Zorn „angebrüllt“ haben soll.
Das hätte ich zu gern gehört.
Das vergisst sie dem rührigen Phillip nie. Dafür wird sie ihn noch mal richtig zappeln lassen.

Wie orakelte Volker Pispers bei einem seiner hervorragenden TV-Auftritte?
Eine Wahl ist es dann, wenn 1 Person antritt, von einer Kampfabstimmung spricht man aber, wenn mehr als 1 Person zur Auswahl steht.

Wäre es nicht demokratischer, wenn wir sogar selbst die Wahl hätten, wer unser erster Mann im Staate sein darf?
Auch wenn es womöglich eine echte Qual werden sollte.
Und vielleicht hätte daraus sogar eine Bundespräsidentin werden können.
Wäre doch mal was.
Zwei Frauen, die das Rad unserer BRD drehen.

Irgendwie hätte ich lieber 3 über 9 Stunden dauernde demokratische Wählgänge, als lediglich einen einzigen. Zumal unter solchen Bedingungen. Das hat so ein seltsames Geschmäkle und wir alle kennen solches nur zu gut von Parteitagsergebnissen aus West und Ost.
Und Wahlen, mit denen nur 1 Person bestätigt werden kann, haben unsere Brüder und Schwestern aus dem Osten doch wahrlich genug über sich ergehen lassen müssen.
Übernehmen wir dieses WEahlsystem jetzt?

Wenn mir durch die pflichtgemäße Einberufung eines Verfassungsorgans eine echte Wahl vorgegauckelt werden soll und ich einen Bundespräsidenten auf diese Hinterzimmerart und –weise vorgesetzt bekomme, fühle mich in gewisser Weise doch schon verschauckelt.

Ich kann gegen Herrn Gauck ehrlich nichts vorbringen. Bin zu jung.
Er hat bei mir zwar irgendwie den Eindruck erweckt, er habe von der Ostseite her  den antiimperialistischen Schutzwall ganz allein zum Einsturz gebracht und ich wurde auch den Eindruck nicht los, dass er Gorbatschow gern als einen Mitarbeiter seiner 5. Kolonne ausgewiesen hätte.
Aber obwohl er grundsätzlich alles besser weiß als andere und dieses aller Welt gern wortgewaltig und vollumfänglich erklärt, habe ich noch nichts gegen ihn.
Das ist im Politgeschäft wohl ganz allgemein so Standard und Gottesmännern liegt das Rechthaben sowieso im Blut.
Reden kann er ja. Das muss man ihm lassen.
Musste er ja auch schon früher können und wenn er da in seiner Kirche so auf der Kanzel ungehindert predigte, musste er ja sowieso nicht mit Widersprüchen aus den Reihen seiner andächtigen Zuhörer rechnen.
Das macht dann schon glauben, dass man Recht haben muss, mit dem was man da so alles plaudert.
Und später, als er dann mal so richtig Chef wurde, konnte er seine Meinung sogar im Fernsehen immer wieder selbst sehen. Notfalls hatte er seine Auftritte sicherlich auf  Video aufzeichnen lassen.

Also, als Chef der Gauckbehörde hatte er es wohl überwiegend mit heftigen Sündern zu tun und fühlte sich schon aufgrund seiner beruflichen Vergangenheit mit allem im Recht, was er nun wieder zu diesen und über diese zu sagen hatte. Er bekam ja für diesen Ehrendienst an unserer Gesellschaft auch jede Menge Lob und Anerkennung.
Das stärkt und gibt der eigenen Überzeugung ein festes Fundament.
Dies wiederum befähigt den gestandenen Mann dann ganz sicher zu höchsten Ämtern.
Hat er nicht selbst das Bundesverdienstkreuz erhalten? Bestimmt!
Jetzt kann er diese selbst überreichen oder sogar anheften.

Hoffentlich übertreibt er seine Weisheit nicht, wenn er als betagter Ehrenmann unser Präsident wird.
Alte Herren haben so ihre Ansichten und der Spielraum für Toleranzen wird bekanntlich mit zunehmender Anzahl überstandener Geburtstage immer enger.

Wird er uns seine Thesen an die Tür des Schlosses Bellevue nageln?
Ich bin wirklich sehr gespannt.
Irgendwie finde ich das auch nicht „uncool“.
Bestimmt sind die Ansichten eines Bürgers, der mein Urgroßvater sein könnte, hörenswert.
Ob ich davon allerdings etwas für mich habe, das bezweifele ich dann aber noch.

Aus einem Gauck kann man einfach keinen Heuß machen.

Ein Gedanke zu „Wird mir gerade einer vorgegauckelt?

  1. Ich glaube gern, dass Herr Gauck ein netter Kerl sein mag. Als gewählten Bundespräsidenten sehe ich ihn allerdings ebenfalls nicht. Höchstens als gesalbten. Ist er das Sinnbild unserer alternden Gesellschaft?

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