Rücktrittsrede Bundespräsident Christian Wulff – 17.02.2012

Red@„Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Bürgerinnen und Bürger,
gern habe ich die Wahl zum Bundespräsidenten angenommen und mich mit ganzer Kraft dem Amt gewidmet.
Es war mir ein Herzensanliegen den Zusammenhalt unserer Gesellschaft zu stärken.
Alle sollen sich zugehörig fühlen, die hier bei uns in Deutschland leben, ein Ausbildung machen, studieren und arbeiten, ganz gleich welche Wurzeln sie haben.
Wir gestalten unsere Zukunft gemeinsam.

Ich bin davon überzeugt, dass Deutschland seine wirtschaftliche und gesellschaftliche Kraft am besten entfalten und einen guten Beitrag zur europäischen Einigung leisten kann, wenn die Integration auch nach innen gelingt.
Unser Land, die Bundesrepublik Deutschland braucht einen Präsidenten, der sich uneingeschränkt diesen und anderen nationalen, sowie den gewaltigen internationalen Herausforderungen widmen kann.

Einen Präsidenten, der vom Vertrauen, nicht nur einer Mehrheit, sondern einer breiten Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger getragen wird.

Die Entwicklung der vergangenen Tage und Wochen hat gezeigt, dass dieses Vertrauen und damit meine Wirkungsmöglichkeiten nachhaltig beeinträchtigt sind.

Aus diesem Grunde wird es mir nicht mehr möglich, das Amt des Bundespräsidenten nach innen und nach außen so wahrzunehmen wie es notwendig ist.
Ich trete deshalb heute vom Amt des Bundespräsidenten zurück, um den Weg zügig für die Nachfolge freizumachen.

Bundesratspräsident Horst Seehofer wird die Vertretung übernehmen, Bundeskanzlerin Angela Merkel wird auf der so wichtigen Gedenkveranstaltung für die Opfer rechtextremistischer Gewalt am Donnerstag der kommenden Woche sprechen.

Was die anstehende rechtliche Klärung angeht, bin ich davon überzeugt, dass sie zu einer vollständigen Entlastung führen wird.

Ich habe in meinen Ämtern stets rechtlich korrekt mich verhalten.
Ich habe Fehler gemacht, aber ich war immer aufrichtig.

Die Berichterstattungen, die wir in den vergangenen zwei Monaten erlebt haben, haben meine Frau und mich verletzt.
Ich danke den Bürgerinnen und Bürgern, die sich für unser Land engagieren.
Ich danke den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Bundespräsidialamt und allen anderen Behörden, die ich als exzellente Teams erlebt habe.
Ich danke meiner Familie.
Vor allem danke ich meiner Frau, die ich als eine überzeugende Repräsentantin eines menschlichen und eines modernen Deutschland wahrgenommen habe.
Sie hat mir immer, gerade auch in den vergangenen Monaten, und auch den Kindern, starken Rückhalt gegeben.

Ich wünsche unserem Land von ganzem Herzen eine politische Kultur, in der die Menschen die Demokratie als unendlich wertvoll erkennen und sich vor allem, das ist mir das Wichtigste, gerne für die Demokratie engagiert einsetzen.

Und ich wünsche allen Bürgerinnen und Bürgern, denen ich mich vor allem verantwortlich fühle, eine gute Zukunft und schließe sie alle dabei ausdrücklich mit ein.

Vielen Dank.“

Red: Die Rede dauerte 3 Minuten 46 Sekunden

2 Gedanken zu „Rücktrittsrede Bundespräsident Christian Wulff – 17.02.2012

  1. was hat herr wulff falsch gemacht?
    er ist 52 jahre alt bekommt jetzt sein ehrengehalt
    auf lebenszeit,plus dienstwagen fahrer und büro.
    das muss ersteinmal nachgemacht werden

  2. Wieder mal ein kleines Lehrstück in Sachen Demokratie:
    „Man sollte deshalb immer im Auge behalten, dass die Einleitung eines Ermittlungsverfahren gerade wegen dieser geringen Anforderungen an den Anfangsverdacht noch „nichts zu bedeuten“ hat. Wenn von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens die Rede ist – sei es in der Presse oder schlicht beim Tratsch in Bekanntenkreis des Betroffenen – wird oft der Eindruck erweckt, irgendetwas müsse an den Vorwürfen schon dran sein, sonst würde ja nicht ermittelt. Das ist aber falsch. Eben weil die Anforderungen an einen Anfangsverdacht gering sind, kann jeder, und wenn er eine noch so reine Weste hat, zum Beschuldigten in einem Ermittlungsverfahren werden. Die Einleitung eines solchen Verfahrens bedeutet aber nicht, dass der Betroffene tatsächlich eine Straftat begangen hätte. Vielmehr hat er gerade umgekehrt als unschuldig zu gelten, bis in einem rechtsstaatlichen Verfahren eine Straftat nachgewiesen wurde. Diese sogenannte Unschuldsvermutung ist in der Europäischen Menschenrechtskonvention verankert und hat in Deutschland nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes sogar Verfassungsrang.“
    Volker Hembach in:
    http://www.rechtpraktisch.de/artikel.html?id=716

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