Schade um meinen verlorenen Frohsinn

In meiner Jugend war ich schwärmerisch, unglaublich kreativ, graphisch hoch begabt, sah die Welt in hellen Farben und träumte in den Sechzigern von einer sozial gerechten Zukunft für alle.

Mein Klassenkamerad „Bruno“ war eher nüchtern zurückhaltend, ein echter Langweiler, trug seit der 5. Klasse Tag für Tag eine Krawatte, kam im Anzug und mit polierten Schuhen zur Schule, hatte nie auch nur eine lustige Idee.

Heute bin ich auf dem unterkühlten Boden der Realität aufgeschlagen und  meine Ideen haben sich vollständig in Luft aufgelöst.
Eine grausig furchtbare Zukunftslosigkeit hat mich dieserhalb ergriffen.

Mein Klassenkamerad „Bruno“ ist inzwischen Mitarbeiter der Finanzverwaltung, kleidet sich nach wie vor konservativ mit Anzug und Krawatte, aber er strotzt vor immer neuen Ideen.
Unglaublich.
Beinahe wöchentlich er eine neue Eingebung, wie er das Nettoeinkommen der Bürger um neue, bislang noch nicht erfundene Abgaben und Steuern reduzieren oder Absetzungsmöglichkeiten von der Steuer erschweren könnte.
Er ist ein ungeheuer pfiffiges Kerlchen geworden, geht in seiner Aufgabe erkennbar freudig auf, findet in ihr seine vollkommene Erfüllung und ich betrachte voll sorgenvollem Neid seine schier unerschöpfliche Kreativität.

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