Bestimmt sind Kosta und Helena unschuldig

Gestern war ich in der City meiner Heimatstadt in einem Eis Cafe.
Beim Bezahlen bat ich den freundlichen Kellner, er möge mir doch bitte aus dem Menge seines Kleingeldes Münzen aus Griechenland herausgeben. Solche, die durch eine Eule aus Athen, gekennzeichnet ist.
Der höfliche junge Mann fand keine.
So etwas probiere ich bei passender Gelegenheit immer wieder einmal.
Seit einigen Wochen habe ich offenbar kein Glück mehr.
Das ist für mich der Beweis, dass das griechische Geld tatsächlich vom Markt verschwunden ist.
Versuchen Sie es auch einmal.
Gab es überhaupt jemals solches Geld :?:

Immer häufiger wird in aller Öffentlichkeit behauptet, die Griechen hätten sich nur durch Betrug und Bilanzfälschung in die EU gemogelt.
Gerade erst heute wurde erneut wieder einmal unterstellt, dass alle europäischen Beamten und Regierungen davon gewusst und die Augen vor diesen Tatsachen ganz fest verschlossen hätten.
Der Vorsatz soll gelautet haben: „Lieber das finanziell bereits über Abgrund hängende Griechenland ins Boot zerren, als die wirtschaftlich gesunden Türken.“
War das vielleicht nur eine reine Glaubensfrage, und keine von Vernunft getragene Entscheidung?

Doch was haben die einfachen griechischen Bürger, etwa Herr Kosta, Frau Helena und deren Vater Alexis S., eigentlich damit zu schaffen? Haben die etwa vorsätzlich und mit krimineller Energie die EU-Kommission, die taffen Wirtschaftsfachleute, die demokratisch gewählten Politiker, Europa und insbesondere uns Deutsche betrogen?
Sollen wir tatsächlich glauben und wirklich unterstellen, dass die griechische Bevölkerung jahrzehntelang in Saus und Braus über ihre Verhältnisse gelebt hat :?:
War da Müßiggang?
War da Party angesagt?
Wer von uns werfe den ersten Stein?
Ich kenne keinen Griechen, der so gelebt haben könnte, und ich habe auch von keinem jemals gehört.
Sicherlich gab und gibt es da den einen oder anderen weltweit agierenden, steinreichen Immobilienbesitzer, Reeder oder Spediteur, der über die Stränge schlug und sich an der Steuer vorbei gemogelt hat.
Aber hat unsere Steuerfahndung CDs aus der Schweiz, Österreich und Liechtenstein aufgekauft, um griechische Steuerstrafbestände aufzudecken? Oder ging es da um unsere eigenen Übeltäter und deren asoziales, gesellschafts- oder besser volksschädigendes Verhalten?

Machen wir es doch einmal wie der gute alte Herkules, der Conan der alten Griechen und misten zuerst einmal unseren Saustall aus, ehe wir, überzeugt von unserer bundesdeutschen Gerechtigkeit, den Stab über Adonis-Normalgrieche und seine Frau Electra brechen.
Deren einziger nachvollziehbarer Fehler es war, dass sie täglich ihrer Arbeit nachgegangen sind, nach gültigem griechischem Recht und Gesetz gelebt haben, offenbar nicht zur Wahl gegangen sind und dadurch immer wieder den falschen Politikern ins Amt geholfen haben. Statt dessen blieben sie wie die meisten Griechen zu Hause, lernten unsere Sprachen und richteten ihr Land für uns her, damit wir dort sorglos Urlaub machen, unser Geld in den Tavernen in Freuden und großzügig ausgeben und uns dabei von ihnen freundlich bedienen lassen konnten.
Ich fand es dort als Urlauber eigentlich ganz angenehm.
Waren Sie schon einmal in Griechenland?
Was in Gottes Namen ist denn da jemals auffällig moderner als bei uns zu Hause gewesen oder was um Himmel Willen hat da nach Geld gestunken? Wenn wir einmal davon absehen, dass in den Häfen Jachten aus allen Herren Ländern an den Molen vor Anker lagen und die Fischer ihnen Platz boten, weil das Mittelmeer schon seit langem leergefischt ist.

Mir ist in Griechenland nichts aufgefallen, was nach Geld, zügellosem Leben und permanentem Nichtstun aussah. Dass einige griechische Männer mittags in der Sonne in den Straßencafes kurzzeitig einem „Laissez-faire“  nachgehen, macht doch noch lange keine faulen Säcke aus ihnen, die sich nun auf meine Kosten sanieren lassen wollen.
Auch wenn es gerade in allen Mittelmeerländern, in denen diese Sitte vorherrscht, genau danach aussieht.

Der Grieche ist nicht der Stier von Kreta, er ist vielmehr der glücklos hoch hinaus fliegende Ikarus, der als armes Schwein gelandet ist.

Ich finde aber nichts Verwerfliches an seinem Lebensstil.
Jetzt wird Adonis-Normal-Grieche von uns durchs europäische Dorf getrieben. Wir sind entsetzt, wie schnell man in Armut fallen kann und sind gleichzeitig heilfroh, dass es den Griechen gibt. Können wir doch genüsslich auf ihn herabschauen und dabei unsere eignen Missstände vergessen oder, wenn es ganz toll kommt, sie ihm sogar noch anlasten.
Oh Deutschland, tut das gut!
Und unseren Politikers erst einmal. Endlich einmal meckern wir nicht über deren Unvermögen, Käuflichkeit und für jedermann sichtbare Dummheit. Endlich hat das deutsche Volk nicht nur einen Volks-Computer, einen Volkswagen, einen Volkssport, eine Volksbank, ein Volksfest, sondern wieder einen von der Realität ablenkenden Volksfeind. Und erst unsere Zeitungen, TV-Sender, Reporter, Moderatoren, Wissenden und Wissenschaftler, anerkannte und selbst ernannte, sind überglücklich, dass sie uns informieren, belehren und ihr Wissen zeigen können. Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat. Je länger es dauert, um so besser für sie.

Alle weisen uns darauf hin, dass einen jemanden gibt, der uns das liebste nehmen will. Das sauer verdientes Geld! Das, mit dem unsere Politiker doch so sorgsam, zukunfts- und nahezu mündelsicher umgegangen sind. Das, was uns jetzt endgültig von diesen Griechen genommen wird.
Da hört nun aber alles und insbesondere bekanntlich jede Freundschaft auf. Auch mit denen, in deren Betten wir im Urlaub schlafen.
Gut , dass es die Griechenlandpleite gibt. Sie kommt gerade recht. Wie aus dem Hut wurden sie uns gezaubert.
Deren Geld ist futsch, unser Geld ist futsch.
Jetzt wissen wir aber wo es hin ist.

Ich verspüre auch keine große Lust, mein restliches Steuergeld nach Griechenland  schicken zu lassen, um dort den Banken zu helfen, dass sie ihr verliehenes Geld wiederbekommen.
Aber mal ehrlich. Ist es nicht schnuppe, ob ich der xy-Bank mein Geld über den Umweg Griechenland gebe oder ihr hierzulande in einer nächsten Bankenpleite meine Euros in den Rachen werfe.
Sie bekommt sie sowieso.

Wenn wir etwas ändern wollen, dann müssen wir alle zur nächsten Wahl gehen und die Partei und die Männer/ Frauen ins Amt wählen, die uns aus der Patsche führen. Und nicht die, die es uns seit Jahren immer wieder versprechen. Wie die Politiker es in Griechenland mit den Griechen getan haben.
Spüen Sie’s. Es kommt auch hierzulande nur auf uns an.

Nicht nur Otto und Trude Normal aus Wanne-Eickel sind einfache Leute, die vom Staat regiert, von der Wirtschaft manipuliert und von den Banken gelenkt werden. Auch Adonis und Helena aus Athen sind solche einfachen Leute. Pierre und Madeleine aus Paris sind aber auch so und Salvatore und Rita aus Pisa sind nicht anders.

Wenn wir Europäer uns untereinander nicht helfen, uns statt dessen lieber gegeneinander ausspielen lassen, aufgeregt und begierig auf die Fehler der anderen schauend über uns herfallen, uns laufend beschimpfen und lustvoll dem schwierigen Los anderer zusehen, um die eigenen Sorgen kurz einmal zu vergessen, uns selbst aber permanent bemitleiden und auf höchstem Niveau lauthals vor uns herjammern,  dann wird es nichts mit einem wirklich einigen Europa.
Wir vertun eine echte politische Chance für unsere Kinder, deren wirtschaftliche Zukunft wir schon vor langer Zeit ruiniert haben, Wir sind nämlich alle Griechen und leben alle in einem Griechenland. Nur dort, in deren Griechenland, hat es gerade geknallt.
Uns steht dieser Big Bang noch bevor.
Etwa 35.000 Euro Schulden hat der griechische Staat jedem seiner Bürger aufgehuckt.
Etwa 34.000 Euro Schulden haben die US-Präsidenten und die US-Wirtschaft jedem US-Bürger an die Backe gehängt.
Griechenland hat etwas mehr als 12 Millionen Einwohner.
Die USA haben etwa 311 Millionen Einwohner.
Können Sie rechnen?

Meine persönliche Meinung ist:
Wir sollten Griechenland schnell helfen. Ganz schnell!
Ehe es dazu zu spät ist.
Und wir sollten endlich europäische Gesetze auf den Weg bringen, die den Namen „Gesetz“ auch verdienen, wir sollten europäische Recht und gleiche Normen schaffen.
Wir sollten Politiker ausbilden und in „unser“ Parlament schicken, die sich nicht mit erstunkenen Doktor-Titeln schmücken müssen, nicht durch Quotenregelungen emporsteigen und die nicht zuvorderst einen möglichst ruhigen Job in den Blick nehmen, sondern uns und ihr Amt, welches sie auszuführen geschworen haben.
Wir  sollten wieder alle wählen gehen.
Ehe es auch dafür zu spät oder es vielleicht gar nicht mehr erforderlich ist.
Wer kommt nächstes Mal mit?

Ein Gedanke zu „Bestimmt sind Kosta und Helena unschuldig

  1. gestern war der außenminster von luxembourg bei frau illner (zdf) und stellte sich als patriotischer europäer auf die seite der griechen. eines seiner argumente: „die griechen zahlen pünktlich ihre schulden (er meint die fälligen staatsanleihen) zurück“.
    mich trifft da der schlag !!!!
    ich bin auch dafür, dass wir griechenland nicht hängen lassen, aber sein argument ist tolldreist. von welchem geld zahlen die griechen denn ihre fälligen verpflichtungen an die gläubiger?
    na klar. von unseren hundertenn milliarden, die wir bereits gezahlt haben.
    das als argument für weitere hilfe anzuführen spricht nicht für die qualität dieses befürworters, sondern er diskriminiert sich damit selbst.
    wär ja noch schöner, wennn die griechische regierung das geld kompl. einsacken würde.

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