War Lehman-Brothers Inc. nur ein Bauernopfer und womöglich unschuldig?

userlogo christaWar die in den USA gestartete Wirtschaftskrise vielleicht gar keine Lehmann-Brother-Finanzkrise, allein ausgelöst durch die Finanzierung billiger Grundstückskäufe, wie wir alle denken?
Liegt des Pudels Kern vielleicht gar nicht in der geheimnisvollen Welt der Banker verborgen, sondern liegt für jeden sichtbar ganz offen zutage?
Lag es einfach an der von freier Marktwirtschaft träumenden US-Wirtschaft?
Haben uns amerikanische Unternehmer die Suppe eingebrockt und haben wir deshalb bislang nichts gemerkt?
Nicht einmal beim Auslöffeln?

Prof. Raghurm Rajan  vertritt eine interessante These, die es in sich hat. Auch von der haben wir noch nichts gehört. Spezialisten und Wirtschaftswissenschaftler einmal ausgenommen. Dazu zähle ich unsere Wirtschaftsweisen, die die Regierung beraten sollen, nun noch weniger als vorher.

Prof. Rajan sagt, dass der Ursprung der Finanz- und Wirtschaftskrise in der ungerechten Bezahlung us-amerikanischer Arbeitnehmer begründet liegt.
Aus DIE ZEIT: „Amerika muss endlich aufwachen“.
 
Ich interpretiere den Inhalt des Artikels der ZEIT vereinfacht mit eigenen Worten:

Da die US-Bürger nichts von staatlicher Lenkung, öffentlichen Zuschüsse, Steuern und Subventionen halten, sich lieber erzählen lassen, dass man durch Arbeit und freie Marktwirtschaft „vom Tellerwäscher zum Millionär“ aufsteigen können, muss sich der gewöhnlich US-Arbeitnehmer Monat für Monat, Jahr für Jahr, Jahrzehnt für Jahrzehnt mit unterdurchschnittlichen Löhnen durchschlagen und immer mehr malochen oder riskieren, wenn er mehr verdienen möchte.
Bis zur Verwirklichung des amerikanischen Traums will der US.-Arbeitnehmer aber schon heute nicht mehr in Verhältnissen leben, die seinen zukünftigen Zielen nicht entsprechen.
Um etwas zu werden muss man auch etwas sein und wenn man das noch nicht ist, dann tut man aber so und um etwas zu werden muss man auch etwas risikieren.
Mehr Geld bekommt der Arbeitnehmer dafür nicht von seinem Boss.
Womöglich hat jener ja selbst kaum etwas.
Die Lösung für ihre hard working people hatten die früheren us-amerikanischen Regierungen schnell gefunden: „Macht Schulden. Lebt auf Pump. Wenn Ihr es auf der Karriereleiter nach oben geschafft habt, zahlt Ihr alles zurück.“
Die US-Notenbank Fed wurde angewiesen, die Zinsen niedrig zu halten, um preisgünstige Kredite zu ermöglichen und der frühere US-Präsident Georg W. Busch ermunterte die US-Amerikaner sogar ausdrücklich sich fröhlich drauflos zu verschulden, zu komsumieren und Häuser zu kaufen, die sie sich eigentlich gar nicht leisten konnten.
Er ermöglichte es durch seine Politik sogar und der „Run“ auf die Immobilien sorgte für unerhörte Wertsteigerungen. Klar kaufte Mr. Smith sich sofort ein Haus, wenn er feststellte, dass Mr. Miller sein vor einem Jahr erworbenes Grundstück heute bereits mit einem satten Gewinn wieder verkaufen konnte und schon nach dem nächsten Schnäppchen Ausschau hielt.
Da wollte er sich nicht zurückstehen und sich vor Mrs. Miller nicht blamieren.
Den Rest kennen wir bereits.

Wir stellen fest, dass es hätte anders kommen können, hätte der Präsident der damals größten Wirtschaftsmacht der Welt nicht so eine unglaublich einfältige Finanz- und Wirtschaftspolitik betrieben, hätten die Arbeiter der USA einen angemessenen Lohn erhalten und für Kredite einen angemessenen Zinssatz bezahlt.
Kein US-Banker wäre auf die Idee verfallen, billige Immobilien-Kredite in appetitliche Häppchen zu zerlegen, mit Häppchen anderer Kredite zu mischen und das bis zur Unkenntlichkeit verschnittene Ergebnis als lukrative Kapitalanlage an deutsche Landesbanken und Kommunen zu verschachern.

Kurz und gut: Die Logik, die hinter Prof. Raghuram Rajans These steht ist einfach zu verstehen und sogar ich kann Sie nachzuvollziehen. Sie ist so schlicht, dass er sie bereits 2005, lange vor der Krise, öffentlich vor der Elite von Wirtschaft und Finanzwesen vertrat.
Vergebens. Offenbar war diese „einfältige“ These den elitären „Fachleuten“ dann doch etwas zu einfach.
Schade. Hätten sie doch nur auf ihn gehört.
Wird, nach den Erfahrungen der letzten Monate, wenigstens unsere Regierung darauf hören?
Würde womöglich ein gemeinsamer EU-Wirtschaftsminister darauf hören?

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