2 BRD-Bürger zum „Umbruch in Ägypten“

Wer hofft, dass Mubarak und die neben und hinter ihm stehende Clique aufgeben würde, der glaubt bestimmt auch an den Weihnachtsmann.
Aus ihrer Sicht sind die Demonstranten von Aufrührern, Verbrechern, Terroristen aufgestachelt und inzwischen selbst zu solchen geworden.
Versetzen wir uns in ihre  Lage und vergegenwärtigen wir uns, dass sie keinerlei Unrechtsbewusstsein für irgend etwas verspüren, was sie bisher getan haben. Sie glauben bestimmt sogar, dass sie im Interesse jedes Ägypters gehandelt haben.
Wenn sich der einfache Ägypter in das System fügte gaben Sie ihm Arbeit und ließen ihn in Ruhe.
Nur wer nicht parierte, der wurde eben mal kurz gefoltert und wieder auf die richtige Spur gebracht. Das geschah ja schließlich nur bei denen, die nicht gehorchen wollten und gehörte eigentlich zur verantwortungsbewussten elterlichen Erziehung von Papa Staat. Wie die Maßregelung einer ungeratenen Göre.
Eigentlich sollte das ägyptische Volk seiner Elite dafür dankbar sein.
Das System hat doch jahrzehntelang bestens funktioniert.

Sogar der Westen war stolz auf die Zusammenarbeit mit dem Land am Nil und selbst Israel sah in der politischen Führung eine Garantie für Verlässlichkeit.
Dass die Herrschenden und Regierenden sich dafür bezahlen ließen ist doch wohl klar.
Frieden und Wohlstand gibt es nun einmal nicht umsonst.

Und nun diese plötzliche Undankbarkeit.

Da wollen einige charismatische Verführer das Volk zum Widerstand gegen ihren Wohlstand aufwiegeln.
Das geht ja nun gar nicht.

Da die Aufständischen immer mehr geworden sind und sich am Eigentum der Reichen vergreifen, musste etwas geschehen, was die Kriminalität dieses Tuns jedermann deutlich macht. Verbrecher sollen sie sein und auch als solche angeprangert werden können.
Da die eindeutig zurechenbaren Schwerverbrecher aber noch fehlten, öffnete der Geheimdenst einfach Gefängnisse mit den allerübelsten Kriminellen, ließ diese auf das meuternde Volk los und die zögerliche Armee diskriminierte man dadurch, dass man Soldatenuniformen stahl, die Gangster samt ihrer Anführer aus dem Geheimdienst damit einkleidet und auf den Straßen Kairos randalieren und Verbrechen (Überfälle, Mord, Einbrüche, Vergewaltigungen) begehen ließ.
So etwas schürt den Zorn und setzt bei der Bevölkerung Furcht, Wut, Hass und Gewalt frei.
Die nicht genehmigten Versammlungen gehen dann trotz Verbot weiter und sogar die Armee wird ungeduldig.
Der Staatschef redet seinem Volk ins Gewissen und verspricht Entgegenkommen, Recht und Ordnung. Niemand glaubt ihm mehr, doch die Armeeführung beschließt, dass dies ein fairer Vorschlag wäre, der angenommen werden könne und Grund genug darstelle, die ungenehmigten Demonstrationen jetzt zu beenden.

Die Demonstranten stehen wie im Rausch unter dem Eindruck der tunesischen Entwicklung und hoffen, dass es bei Ihnen ebenso einfach klappt.
Was nährt diese Fata Morgana?

Woher nimmt der ägyptische Bürger den Glauben daran, dass die Armee zuschaut wie ein für sie optimal funktionierendes, anerkanntes Machtsystem zugrunde geht und ihr lediglich den Blick in eine höchst ungewisse Zukunft bieten kann.
Glaubt der Rest der Welt auch an 1000 und 1 Nacht?
Hält der Rest der Welt die Militärs Ägyptens für einfältig?

Und was sollte die Rede von US-Präsident und Friedensnobelpreisträger Obama eigentlich bewirken?
An welche Adresse war sie gerichtet?
Gab es überhaupt eine Adresse?
Wir sind uns nicht sicher.

Der gesamte Westen, samt Urlauber, wäre doch heilfroh, wenn am Mittelmeer alles bliebe wie es bislang war.
Alles lief doch wie geschmiert. Insbesondere die zunehmende Verschuldung der islamischen Staaten beim Westen und die zur Bezahlung erforderlichen Geschäfte mit dem Westen standen auf sicheren Füßen.

Der unerwartete Umschwung in Tunesien ist sogar aus westlicher Sicht fürs erste mehr als genug!
Der drohende Wandel in Ägypten, dem Jemen und Jordanien, wenn es ganz übel wird auch noch in Algerien und Marokko, macht dem freien Europa echte Bauchschmerzen. Amerika und Israel sowieso. Von den anderen ölfördernden Ländern (alles lupenreine Demokratien, wie der Westen sie so liebt) wollen wir lieber gar nicht erst reden.

Wir fürchten, der Wind wird sich gegen die Freiheitsbewegungen drehen und wir werden in Kürze eine weitere Überraschung erleben, wenn sich Totgeglaubte rappeln, zäher als gedacht erweisen, wieder auf die Beine kommen und clever das Ruder zurück in ihre Finger bekommen.

Keine weitere westlich ausgebildete arabische Armeeführung will sich seit den Tagen der Iran-Kontra-Affäre von traditionellen Religionsführern sagen lassen, wo es lang geht.
Ein System wie in der Türkei einführen?
Na ja, das hat Ägypten doch bereits. Zumindest so in etwa. Ein Armeegeneral a.D. führt das Land, der Ausnahmezustand besteht seit 30 Jahren und die Armee ist beliebt und unbestritten die Nummer 1 im Land. Was  könnte für die Militärs duch eine Änderung eigentlich noch besser werden?

Wir befürchten, dass über kurz oder lang alles wieder so wird wie es war.
Das meuternde Volk bekommt einige Freiheiten zugestanden, keine richtig großen aber doch solche, die Glauben machen, dass die Revolte ein Sieg war.
Natürlich werden die Arbeitsbedingungen  schlechter, die Löhne purzeln unter das Niveau, welches ein Pharao gezahlt hätte, denn die Betroffenen tragen daran selbst die Schuld. Warum haben sie sich unartig und undankbar gezeigt und sind falschen Propheten gefolgt. Da muss eine väterlich fürsorgliche Regierung aus erzieherischen Gründen schon einmal eine gewisse Strenge walten lassen.
Freiheit kann dem armen, unmündigen Ägypter nur in kleiner Dosierung zugemutet werden.
Er kann sonst damit gar nicht umgehen.
Soll er etwa so leben können wie es ihm die Touristen vormachen?
Bloß nicht, damit kommt Ali-Normal-Ägypter doch gar nicht zurecht.
Eine gewisse Strenge wird vorübergehend erforderlich werden, eine Verlängerung des Ausnahmezustandes wird jedem einleuchten. Dass der eine oder andere wieder etwas gefoltert werden muss, gehört sozusagen zwangsläufig dazu, sonst würden Ansehen und Disziplin leiden, niemand würde daraus eine Lehre ziehen und die Welt hat ja selbst sehen können was geschieht, wenn man nicht oder nicht ausreichend foltert.
So etwas wird der Familie Mubarak und Friends garantiert nicht noch einmal passieren. 
Zudem gibt der „verantwortungsbewußte“ Herr Mubarak anderen, befreundeten Potentaten eine Bedienungsanleitung für den Umgang mit einem aufbegehrenden Volk.
Man kennt sich untereinander, man schätzt sich und in der Not sollte man sich gegenseitig nicht nur mit Asylzusagen helfen.
Tunesien darf sich für diese Staatsführer nicht wiederholen.
Was dieses kleine Land angerichtet hat.
Unglaublich!
Jetzt ist Schluss mit dieser unerhörten Selbstbestimmung.
Wenn das Mode macht.

Wir fürchten Schlimmes für unsere Freunde in Ägypten.

Wir haben Euch einmal unsere Sorge niedergeschreiben
Renata (BRD) und Freundin Gohar (Iran).

Red.: RaGa ist jetzt „Vollautor“.

2 Gedanken zu „2 BRD-Bürger zum „Umbruch in Ägypten“

  1. Heute meinen die Mubarak-Gegner sie hätten obsiegt.
    Ich erinnere mich, dass in solchen Fällen die Sieger stets uneinig werden, über sich herfallen und sich ggenseitig zerfleischen.
    Viva Ägypten !!!

  2. Egal wer am Ende in Ägypten das Heft in der Hand halten wird, es bleibt bei hohen Lebensmittelpreisen und -knappheit, bei hoher Arbeitslosigkeit und keine der ägyptischen Plagen wird morgen oder übermorgen verflogen sein.

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