Was wird bloß aus unserer guten alten SPD?

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Was passiert eigentlich, wenn die SPD weiterhin – wie seit 2009 – ohne rechten Wegweiser durch die Politik irrt, krampfhaft nach populären Zielen sucht und sich ihren ursprünglichen Stammwählern aus der Arbeiterpartei nur zögerlich nähert?
Gabriel und Nahles haben sich eine echte Aufgabe gestellt.
Sie müssen der Partei erklären: Wer soll zukünftig von der SPD angesprochen werden und wer soll sie eigentlich wählen?
Aktuell scheinen die Mitglieder überwiegend kurz vor der Rente zu stehen oder diese bereits zu erhalten, Nachwuchs ist nicht ausreichend in Sicht und die politischen Ziele offenbaren auch nicht das Hosianna, welches neue Wählerschichten ansprechen könnte.
Zu sehr sind der Basta-Kanzler (Zigarre, Job in Russland), sein Wirtschafts-/ Arbeitsminister Clement (Gesetz f. Leiharbeit. Jetzt Chef einer solchen Firma), Finanzminister Eichel (Zulassung der Hedgefonds) und der Schalträger Müntefering, der nach der Wahl etwas anderes „machen dürfen“ wollte, als er es den Wählern vorher versprochen hat (weil gottlob eine Koalition die knallharten Ziele aufweicht – wie z.B. bei der Mehrwertsteuer).

Hartz IV, dessen Konsequenzen den meisten einfachen SPD-Mitgliedern eigentlich niemals richtig klar geworden war, wurde gegen auffällig spärlichen Widerstand von der SPD-Mehrheit einfach durchgewunken. Die ersten wahren Erfahrungen machte sie erst, als der Kanzler das einschneidende Programm dem Bundestag vorstellte.

Die „Macheretage“ der Partei, längst von der Basis so weit entfernt, wie Kaiser August von seinen Römern, hatte beschlossen, unsere BRD zu modernisieren und umzukrempeln. Argumente waren schnell gefunden und ihre Wahrheit wurde von den Erfindern verbal so präsentiert, dass der Nichtverstehende eben einfach nur dumm und der Ablehnende schnell einmal ein Sozialschmarotzer war. So unter Beweis gestellt und wissenschaftlich untermauert ging alles glatt über die Bühne.  Für alles gab es irgendwo immer ein passendes Argument. Wer sollte der Leitungsclique das Gegenteil vorhalten?

Erinnern wir uns. Die paar verbliebenen, standfesten SPD-Traditionalisten wurden vom neuen Geist einfach beiseite gefegt-. Ihnen wurde sogar mehr oder weniger unverhohlen nahegelegt doch gleich zur Gysi-Lafontain-Truppe überzuwechseln und das eigene Nest nicht länger zu beschmutzen.

Vergessen ist auch nicht die Wahnsinnsidee von Schröder, die Industriegesellschaft unserer BRD zusammen mit Tony Blair und dessen Insel in Dienstleistungsgesellschaften umzugestalten. Wer kann sich das Elend vorstellen, das uns getroffen hätte, wenn wir statt mit einem Exportüberschuss mit einem Überschuss an Dienstleistungen von der Wirtschaftskrise erfasst worden wären.

Der Verrat, der durch Einführung von Hartz IV an den ehedem heeren Zielen der konservativen SPD-Wähler begangen wurde, hat die Partei ins Mark getroffen und sie quasi von der politischen Bühne weggewischt.

Nur noch 23% Wählerzustimmung! 11% Stimmverlust. Und dies kam nicht einmal von heute auf morgen oder heimlich von hinten herangeschlichen. Die SPD-Kumpels des Kanzlers der Bosse haben es zwar gesehen, aber wie geblendet von ihrem überlebensgroßen ICH nicht wahrhaben wollen. Die Devise lautete: „Was für Sie gut ist, wissen wir am besten.  Augen zu und durch!“

Ein deutlicheres „Wir-wollen-Euch-nicht-mehr!“ haben Wähler in unserer BRD bisher keiner Partei gegeben. Schon gar nicht einer,  die den Anspruch hat Volkspartei zu sein.

Welches Volk meint die SPD nach diesem Wahltag noch vertreten zu dürfen?
Welche Gruppe unserer Bürger könnte sich von ihr vertreten fühlen?

Vielleicht Arbeiter und Angestellten?
Womöglich die Rentner?
Etwa die Arbeitslosen?

Bald sind Landtagswahlen in NRW und noch immer gibt es kein klares Bild der SPD. Was will sie? Ist sie immer noch gegen die Arbeiter? Will sie Hartzer weiter ohne Entgelt arbeiten lassen? Nichts deutet auf ein echtes Programm auf eine erkennbare Politikwende hin. Deshalb kommt jeder Ausrutscher des politischen Gegners recht. Aber darauf herumzuhacken heißt loch lange noch nicht, ein eigenes Programm vorzustellen.

Ich fürchte, diese Partei müssen wir für die kommenden Jahrzehnte vergessen.

Was mich aber richtig beunruhigt, dass ist die Frage, was wählen die nun vertretungslosen, ehemaligen SPD-Wähler denn dann?

Gehen Sie noch weiter links und hoffen auf eine BRD mit hohen Steuern für die Vermögenden, eine BRD ohne Hartz IV? Oder trauen sie dem verlockenden Braten dieser Seite doch nicht so recht?

Vielleicht geschieht in unserer BRD aber auch das, was in den Ländern rings um uns  herum gerade passiert. Auch dort zeigt die Globalisierung ihr Gesicht, das zügellose Zocken der Banken zeigt  die harten wirtschaftlichen Folgen und die Politik zeigt ihre Rat- und Entschlusslosigkeit.
Überall dort bieten die Parteien vom rechten Politikflügel den zielsuchenden, parteilosen  Wählern Ziele für ihre Hoffnung.
Holland, Skandinavien, Österreich und nicht zu vergessen Frankreich.
Die Zahl der rechte Wähler wird immer größer, in immer mehr europäischen Ländern.

Das phänomen ist auch in unserer BRD seit Jahrzehnten bestens bekannt. Das haben wir schon mehrfach durchlebt. Immer wenn es uns Bürgern schlecht ging und die Zahl der Arbeitslosen hochschnellte, waren in den Augen den gefühlten Verlierer „die Anderen“ an der Misere schuld – was ja auch zutraf, bloß saßen die Anderen meistens am Ölhahn oder in unerreichbaren Chefetagen. Das führte dazu,  dass das Interesse an rechter Politik deutlich messbar zunahm. Den linkslastigen Volksparteien wurde Schwäche untertsellt und die Kompetenz einer erfolgreichen Führung abgesprochen, denn gerade ihre Versprechungen lösten sich ja gerade in Luft auf.

Heute kommt noch die düstere Zukunft aufgrund niedriger Geburten hinzu und erkennbar nimmt die Sorge vor islamischer Übervölkerung zu, wie die Angst vor dem wirtschaftlichen und politischen Erstarken der asiatischen Tigerstaaten und dem Verlust früherer industrieller Vormacht.

So sehr ich der SPD die harte Watsche der verlorenen Wahl auch ausdrücklich gönne (sie war schon lange fällig), ihr wegen Schröder und seiner SPD-Kumpels sogar von Herzen gewünscht habe (da möchte ich ganz ehrlich sein), bin ich allerdings doch der Ansicht, dass wir auf eine zweite Volkspartei, z.B. eine funktionierende SPD,  nicht wirklich verzichten können.

Per Mail von   Fynn aus Syrau im Vogtland

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