Bundestagswahl 27.09.2009

Wahlergebnis der Bundestagswahl 2009 :

Bundestagswahl - 27.09.2009

Mein Tagebucheintrag für heute lautet:
War das ein 27. September 2009!
Kaiserwetter, pralle Sonne, wolkenloser Himmel, ganz schlechte Wahlbeteiligung. Nur 70,8% der Wahlberechtigten sahen in der Wahl einen Sinn. 

Herr Peter Gauweiler (CSU) findet das schreckliche Ergebnis seiner Partei einfach nur miserabel und will sich nicht der Politiker-Tradition anschließen und es wider besseres Wissen schöner  reden.
Ein wahrhafter Bayer. Hut ab vor diesem aufrechten Mann.
Alle anderen Parteimaßgeber – insbesondere der Generalsekretär – fühlen sich vom Wähler bestätigt, nehmen den Wählerwillen an und schauen tapfer nach vorn. Zurück wäre ja auch wirklich schlimm.

Das war knapp. Die Teilnehmer der großen Koalition haben furchtbar eins auf die Mütze bekommen.
Die CDU, hätte es beinahe knapp versaut. Schlechtestes Ergebnis seit 1949.Sie hat damit ihr zweitschlechtestes Wahlergebnis seit Bestehen der BRD hingelegt, aber Sie hat auch mehrfach Glück gehabt, dass das Wahlrecht noch nicht geändert worden ist, dass dadurch 20 Überhangsmandate errungen werden konnten und Glück gehabt, dass die erfolgreiche FDP diesmal Gewehr bei Fuß steht und ihr bestes Ergebnis verweisen kann, seit die Partei besteht. Sonst wäre eine blamable Rückkehr in eine große Koalition der letzte Ausweg gewesen.
Im Konrad-Adenauerhaus (seit Juli 200 in Berlin) wird gestrahlt was das Zeug hält, dabei wird sich der standfeste und taffe Kanzlermacher Westerwelle seine Hilfe noch teuer bezahlen lassen. Sehr teuer, wenn es nach seinem Gefolge geht. Er hat wirklich allen Grund zur Freude und ist der eigentliche Gewinner dieser Wahl.
Wir erwarten vom neuen Bündnis einen Kraftakt zur Regeneration unserer BRD. Ich hoffe, dass uns das Lächeln nicht vergeht, wenn wir erfahren, dass Herr Brüderle an die Spitze des Finanzministeriums wechselt und Herr Niebel den Stuhl von Schäuble erklimmt. Herr Guido Westerwelle wird auf jeden Fall Vizekanzler und damit traditionsgemäß Außenminister.
Unsere ehemalige Familienminsterin  v.d.Leyen hat ihr Direktmandat nicht halten können. Ganz übel.

Die SPD hat es ganz schlimm und vollkommen überraschend erwischt. Erst hat sie – sich selbst kasteiend – bis zum Abwinken jahrelang einen selbstverliebten Medienkanzler und unermüdlichen Parteiumkrempler ertragen und sich durch ihn und seine Freunde (ich nenne einmal die, die am bekanntesten geworden sind: Hartz und v.Pierer) um das Recht des Regierens gebracht, dann haben seine frühere Kumpels Herr Clement und Herr Müntefering der Arbeiterpartei den absoluten Rest gegeben und mit Herrn Steinmeier (z.B. vor den Arbeitnehmern bei Opel und mit seinem Zukunftsgerede von 4 Millionen neuen Arbeitsplätzen) jede Glaubwürdigkeit an eine Regierungsfähigkeit zerstört.
Wie muss ein SPD-Mitglied eigentlich ticken, wenn er sich, vollkommen realitätsfremd, für die einstmals hoch angesehene Arbeiterpartei solche Clanchefs leistet und mit ungläubigen Augen und offenem Mund zusieht, wie die alles in die Dutten gehen lassen?
Im Mai 2010 geht es bei den Landtagswahlen in NRW weiter. Mit dem Abstieg?
Und wenn man sieht wer alles seinen Wahlkreis verloren hat. Unheimlich. Nales! Schreiber! Steinbrück!Struck auch?

Wenn jetzt nicht ein massenhaftes Austreten aus dieser Partei einsetzt, weiß ich gar nichts mehr. Für so einen abgehalfterten Verein kann man sich doch eigentlich keinen Monatsbeitrag mehr leisten, um solche Parteiführer zu alimentieren. Das SPD-Parteibuch ist inzwischen wahrscheinlich keinen Pfifferling mehr wert. Eine unglaubliche Inflation.
Wo doch das Wahlkampf-Duell so toll zu Gunsten der SPD ausgegangen sein soll.
Da hatte Pedro aus Ottstedt das richtige Gefühl.
Müntefering packt es nicht mehr und Kajo Wasserhövel war als Wahlkampfmanager wohl auch eher „ein Schuss in den Ofen“.
Frage an den gesammelten Parteivorstand: Wie kann eine sozialdemokratische Arbeiterpartei so tief sinken, dass ihre Arbeiter lieber die FDP wählen, als ihre Stimme den Sozis zu geben und dass die Gewerkschaft ihren Mitgliedern vorsichtshalber keine Wahlempfehlung gibt.
Tritt der Vorstand endlich geschlossen zurück und macht Platz für neue Leute aus der Arbeitergesellschaft?

Cem Özdemirs grünliche Supertruppe hat ja bereits vor der Wahl endgültig das Handtuch geworfen. Sein Direktmandat aus seinem Wahlkreis ist für ihn auch futsch. Die grünen Vasallen haben es ihm nachgetan. Nun will Trittin der neuen Regierung eine muntere Opposition entgegenstellen. Er und munter!? Ausgerechnet. Er hätte doch vor der Wahl munter sein können, warum denn erst jetzt?
Seit die Grünen und ihr damaliger Boss während ihrer Regierungsbeteilung unter Schröder gezeigt haben, wer sie eigentlich sind und was vom grünen Charakter übriggeblieben ist, will doch keine maßgebliche Partei auf Bundesebene mehr etwas von ihnen wissen. Obwohl ich das gar nicht verstehe. Die sind doch praktisch und ungefährlich. Wo immer die mitregieren kommt unterm Strich nichts Grünes heraus. Alles nur Larifari.
Auf Landesebene hat man ihre Ungefährlichkeit bereits erkannt und sie sind dort ein willkommener Ministerpräsidentenmacher.
Oder habe ich eine erwähnenswerte grüne Regierungsleistung übersehen?

Lafos und Gysis „Linke Tiger“ haben es problemlos zur 4. Kraft geschafft. Ihnen glauben die Wähler das Wahlprogramm eher, als es grüne Wähler z.B. ihrer Partei abnehmen. Das ehemalige linke und kommunismusverdächtige Bündnis der Schmuddelkinder unserer BRD ist endgültig etabliert, hat die Grünen überholt, sitzt in etlichen Landesparlamenten, könnte sogar schon Jobs von Landesfürsten einfordern und steht auf dem Sprung zur Macht. Die Wachablösung für die SPD hat sich formiert und raubt ihr den Lebensnerv. Ich rechne in dieser Legislaturperiode mit einem erheblichen Zuwachs an „linken Mitgliedern“. Die Partei ist vollends im bürgerlichen Lager angekommen. Was ihr niemand zugetraut hätte und wofür unser früherer Basta-Kanzler durch sein selbstgefälliges Verhalten höchst persönlich den Grundstein gelegt hat. Es war ein Segen für DIE LINKE, dass alle, besonders aber die SPD, dem Lafo den Krieg erklärt und damit den Untergang der SPD eingeleitet haben.

3 Gedanken zu „Bundestagswahl 27.09.2009

  1. @tütü: Claudia Roth hat geäußert, die Grünen würden nie und nimmer mit jemandem in Koalitionsverhandlungen treten, geschweige den regieren(?), der die AKWs nicht abschalten wolle.
    Und was ist in Hamburg mit Ole von Beust (CDU). Will der etwa AKWs abschalten oder hat er jemals etwas ähnliches von sich gegeben?
    Der Claudia kann man auch nicht alles glauben was sie so vor sich hinredet.

  2. Ich rechne mit dem ersten Wahlbetrug.
    Heute wurde Guido Westerwelle auf der Pressekonferenz gefragt, ob er seine Koalitionsbedingung noch einmal laut ins Mikrophon sagen würde: „Mit ihm gibt es nur dann Koalitionsgespräche, wenn seine Forderung nach einem neuen Steuerrecht 1:1 umgesetzt würde.“
    Tausendfach haben wir das im Wahlkampf von ihm gehört, zusammen mit seiner Behauptung: „Es geht nicht um mich, es geht um unser Land“.
    Aber Herr Guido Westerwelle kniff und sagte seinen Standardsatz nicht auf. Statt dessen entgegnete er: „Koalitionsverhandlungen werden am runden Tisch gemacht und nicht vor laufenden Kameras.“
    Ich vermute, da wird jemand kleinlaut.
    Warten wir es einmal ab. Ich habe da einen bösen Verdacht.

  3. Eine grüne Errungenschaft ist z. B. die Ökosteuer. Ich bin kein regelmäßiger Autofahrer, also nur mittelbar betroffen. Zur Eindämmung des MIV und für die Förderung des ÖV war die Steuer aber ziemlich erfolgreich. Aber über das Für und Wider kann man sich natürlich ordentlich streiten. Ich finde die Maßnahme super… Allgemein wird den Grünen eine geringere Wirtschaftskompetenz zugesprochen. Hierin sehe ich einen Grund für den geringen Zuwachs im Vergleich zur letzen Wahl.

    Das Ergebnis der Wahl bereitet mir jedoch Sorgen. Die schwarz-gelbe Mehrheit steht vor Herausforderungen, die ich ihr persönlich nicht zutraue. Der Atomausstieg, Ausbau von regenerativen Energien, Umstrukturierung der Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit und der Kampf gegen die globale Erwärmung. Grüne Regierungsbeteiligung wäre mir bei dieser Ausgangslage lieber.

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