„American way of life“ dank weiterer US-Exporte?


Mr. Obama sagte ins Mikrophon von CNN:
„Wir können nicht mehr in die Ära zurückkehren, in der die Chinesen und Deutschen oder andere Staaten uns einfach nur alles verkaufen, wir dagegen einen Haufen Kreditkartenschulden oder Hypotheken aufnehmen, aber ihnen nichts verkaufen“

Deswegen will er die Exportweltmeister an die Kandare legen und ihnen eine Grenze für ihren Leistungsbilanzüberschuss setzen. Diese zu überschreiten sei dann streng untersagt, solle zu Sanktionen führen und der Überschuss müsste auf ein niedrigeres Niveau zurückgeführt werden.

Unser Leistungsbilanzüberschuss vor der Krise belief sich auf etwa 7%.
War eigentlich gar nicht übel.

Aus den USA bekamen wir für unseren Export Gegenleistungen in Form eines schwächelnden Dollars, Coca Cola, Mc Donalds, Windows, faule Kredite, Hedgefonds, Rechnungen für die Nichtteilnahme an der Befreiung des Iraks von der Achse des Bösen,  Rechnungen für die Teilnahme an der Demokratisierung Afghanistans und tolle Tipps wie man sich hoch verschuldet, um auch zukünftig an Geld zu kommen, ohne dafür einen Gegenwert zu bieten. Ich möchte anmerken, dass meine Aufführung nicht vollständig ist.
Es gibt tatsächlich noch jede Menge mehr Dinge, die wir erhalten haben.
Aber entweder waren es zu wenig, um die Leistungsbilanzüberschuss auszugleichen oder sie kosteten mehr als sie bei genauerem Betrachten wert waren.

Aber wir bekamen dennoch etwas aus den vorbildlichen USA. Zuerst eine kaum fassbare Immobilienkrise, dann über Nacht eine Bankenkrise, der folgte eine internationale Börsen- und Finanzkrise und darauf kam jene saftige, noch nie dagewesene Weltwirtschaftskrise, die sich gewaschen hat, sogar kleine Länder in die Zahlungsfähigkeit stürzte und an den Rand des Staatsbankrotts führte.
Amerikanische Zukunftsversprechen und Kreditpakte lösten sich weltweit einfach in Luft auf.
Der US-Pleitegeier war pausenlos rund um den Globus  unterwegs und führte uns dramatisch vor Augen wie toll das US-Banken- und Wirtschaftssystem funktioniert, dem nachzueifern unseren Bankern und Vorständen stets sehr am Herzen lag.
Er fliegt noch immer kreuz und quer und macht hier und dort seine Stippvisite.

Ich finde, wir haben reichlich genug aus den USA importiert und Herr Obama klagt jetzt etwas an, was er  bei sich zu Hause, vor seiner eigenen Haustür, in seinem eigenen Garten in Ordnung bringen muss. Ohne andere dafür mit Strafe zu belegen, weil sie besser sind als seine good old boys.
Doch wir müssen auch vorsichtig sein. Die US-Normal-Verbraucher sehen das natürlich komplett anders und ihr Mr. President führt für ihre Sache gerne auch einmal einen Krieg. Da ist z.B. ein Wirtschaftskrieg mit Schutzzöllen und Einfuhrverboten absolut nicht unüblich. Das macht ein wirklich amerikanischer Präsident mit links. Macht Herr Obama das nicht bereits schon?

Wir haben mit Herrn Obama noch gar nicht darüber gesprochen, welche Forderungen wir an die USA dafür stellen können, dass sein heutiger Finanzminister seinerzeit unter seinem Amtsvorgänger – da war er auch Finanzminister – aus einer Trotzhaltung heraus nicht durchgeblickt hat und Lehman Brothers einfach mal so eben über die Klinge springen ließ.
Macht doch nichts, mag er sich gedacht haben. Die mag ich sowie so nicht und das merkt doch keiner.

Will Herr Obama sich bereit erklären für die Verluste der entsetzten Rentner/-innen, verstörten Hausfrauen, ruinierten Kleinanleger/-innen  unserer BRD aufzukommen, die das U.S.-Government hätte vermeiden können, statt sie leichtfertig einer privaten Animosität seines Finanzminszters zu opfern?
Will er den Arbeitnehmern unserer BRD, die durch die von den USA angezettelten Wirtschaftskrise neben ihren Jobs auch Haus und Hof verlieren, hilfreich unter die Arme greifen und nicht noch verlangen, dass deren Söhne und Töchter nun noch nach Süd-Afghanistan ziehen und dort unter US-Befehl ihre Haut zu Markte tragen müssen?

Mehr als das bereits Erlebte möchten unsere Bürger ganz sich nicht aus den USA haben und mehr zu geben sind unsere Bürger sicherlich auch nicht bereit.

Warum sollen die Bürger dieser Welt die Banken retten und nun wie selbstverständlich alles unternehmen, um durch Exportverzicht und weiteren Arbeitsplatzabbau jetzt noch dem größten Geldvernichter dieser Erde auch noch aus der selbstgegrabenen Grube heraus zu helfen?
Wenn möglich nach dessen Wünschen und Vorstellungen von Freiheit und amerikanischer Lebensart. Auf Pump! Damit die Wallstreet wieder und vor allen Dingen weiter ungestört Fahrt aufnehmen kann.

Hey, Mr. Obama, what is bloß los in your american head?

Ich möchte Ihnen einmal unter uns etwas sagen. Ganz unter uns.

“Yes wie can“ war doch nur für die US-Bürger gedacht. Nicht wahr? Da soll sich doch niemand in Ihnen täuschen. Auch nicht die, die Ihnen damals in Berlin anlässlich Ihrer Rede lauthals zujubelten, während Sie stinksauer waren, weil Sie sich dem Volke nicht präsidial am Brandenburger Tor präsentieren durften. Obwohl doch alle wissen mussten, dass nur Sie der Präsident aller Amerikaner dieser Welt sein würden.
Aber wer jubeln darf, der jubelt eben. Der denkt nicht. Das ist getestet und anerkannte Praxis.
Das haben wir jetzt davon? 

Im 1. Halbjahr 2009 hat unsere BRD 23% ihres Exportaufkommens verloren. Überwiegend ist davon der Export in andere EU-Länder betroffen.
Aber auch die Importe sind um 18% gesunken.
In unserem Lande gehen wir nach der Wahl womöglich auf 5 Millionen Arbeitslose und eine weitestgehend mit Hungerlöhnen entlohnte Arbeiterklasse zu.
Echt! Wie bei Ihnen.

Und Sie wollen weltweit unsere Exporte zum Vorteil Ihrer Leute drosseln?
Was können Sie der Welt denn an unserer Stelle vergleichbares liefern?
Was soll uns denn dann aus der Krise führen?
Wieder diese windigen Bankgeschäfte – natürlich an Ihrer Wallstreet, wo sonst – und ein Leben auf Pump?
The american way of life?

Früher hätte ich gesagt, wenn so etwas passiert, wandere ich aus.
Wohin?
Ins Outback?

Ich bin sehr in Sorge und ziemlich gespannt was daraus noch werden wird.

christa dot germany


Vielen Dank für die Mail. Schicke ein Avatar. Geht auch ein GIF? In meine Blogbeiträge füge ich es selbst ein.

Ein Gedanke zu „„American way of life“ dank weiterer US-Exporte?

  1. Ich war zufällig auf Besuch in Berlin, als etwa zweihunderttausend Obamafans den Straßenverkehr stundenlang lahmlegten und sich orgiastisch wegen dieses Mannes, seines Auftretens und ihrer Hoffnungen in die Arme fielen.
    Ich hatte das Gefühl die Mauer wäre ein zweites Mal umgeworfen worden.
    Aber Deine Meinung trifft wohl zu. Er ist „born in the USA“ und ist und bleibt ein waschechter Amerikaner. Ein waschechterer übrigens als andere, denn während seines Wahlkampfs wurde immer wieder versucht ihm nachzuweisen, dass er gar nicht in den USA geboren wäre. Dann hätte er nämlich gar kein US-Präsident werden können. So wie „Conan der Barbar“, für den es nur zum Gouverneur von Kalifornien reicht.
    Ich glaube, dass dies auch etwas dazu beträgt, dass er dem amerikanischen Volke beweist, dass er deren starker Präsident ist, der das Land wieder auf Kurs bringt und dem gebeutelten US-Bürger wieder zu bleibendem Wohlstand verhilft. Auch wenn der Rest der Welt dazu beitragen muss. Ich meine, das ist Amerika. Spendabel hier und knallhart dort und problemlos alles in einem einzigen Satz.
    Ich finde Du hast es treffend ausgedrückt.

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