Ich gehe trotzdem zur Wahl!

Ich schreib Euch einmal was ich so denke.

Heute wird in Sachsen, Thüringen und im Saarland gewählt.
Landtagswahlen.
Test für die Bürgerbeteiligung an der Bundestagswahl?


Immer wieder gab es in den letzten Wochen Mahnungen an uns, ja zur Wahl zu gehen und unser demokratisches Stimmrecht um jeden Preis wahrzunehmen.

Das Wahlrecht ist ebenso wenig selbstverständlich wie Demokratie.
Jede verschlafene Stimmabgabe ist eine Schwächung der „big 5“, die sich uns gegenüber als Volksparteien bezeichnen.
Jede unterlassene Stimmabgabe ist eine prozentuale Stärkung ungeliebter, ungewollter aber dennoch demokratisch zugelassener Gegenparteien.
Jeder gültige  Wahlzettel zählt.
Das Wahlrecht auszuüben sollte Pflicht eines jeden Bürgers sein. Die „richtige“ Partei zu wählen natürlich auch. Ja keine Abweichler! Die sind zwar da, aber der wählende Bürger sollte sie tunlichst übersehen.
Die Bürger sollen ihr Wahlrecht zukünftig schon ab 16 ausüben dürfen? Beträgt das Mindestalter für den Grundwehrdienst unter Waffen tatsächlich 15 Jahre?

Nichts scheint den Politikern im Moment dringlicher zu sein, als die Teilnahme der Bürger an den Wahlen und insbesondere an der Bundestagswahl.
Bangen sie um ihren Job?
Fürchten sie wieder regelmäßig von 8 Uhr bis 17 Uhr arbeiten gehen zu müssen?
Womöglich im Schichtdienst  oder an einer Supermarktkasse?
Ich verstehe die Panik, die sich im Reichstagsgebäude ausbreitet, wenn ich mir die Tendenz der Wahlmüdigkeit ansehe.

Das Wahlrecht ist ein heiliges Gut unserer Gesellschaft.

Wir senden sogar Soldaten in andere Länder, um den Menschen dort Zivilisation zu bringen, beizubringen und ihnen demokratische Wahlen zu ermöglichen.
Wir riskieren dafür im Ausland das Leben unserer Soldaten (aktuell in Afghanistan).
Wir führen dafür aber keinen Krieg.
Frieden auf Erden.
Kann die Welt am gutmütigen deutschen Wesen womöglich noch immer genesen?

Unter uns gesagt:
Hierzulande sind mal gerade so etwas mehr als 40% der Wähler zur Europawahl gegangen und maximal zwei Drittel der Wahlberechtigten nehmen überhaupt an einer Bundestagswahl teil?
Glauben wir, dass sich unsere jungen Soldaten im Ausland anders verhalten?
Werden sie, benommen vom Eindruck ihrer guten Taten, stolz zur Stimmabgabe für ihre eigene Demokratie schreiten?
Glauben wir das?

Alle rätseln über die Gründe der Wählerverweigerung.
Wissenschaftler setzen sich zusammen, grübeln vor sich hin und schreiben dann hunderte von Seiten in teuer zu bezahlende Gutachten, die keiner versteht und die meiner Meinung nach eigentlich nur den Sinn haben, ein Folgegutachten zu erzwingen.

Wäre es anders und gäbe es den wahrheitsliebenden statt selbstverliebten Politiker.  So einer käme ganz bestimmt sehr fix von allein zu der Selbsterkenntnis, dass er an uns Bürgern vorbei regiert und sich zwischen den Bundestagswahlterminen lieber mit möglichst vielen Landtagswahlen und sich selbst beschäftigt.
Wichtige gesetzgeberische Arbeiten werden daher aus Zeitgründen ausgelagert und von externen, besser geschulten Kräften erledigt.
Deren Blick ist nun aber gar nicht auf Vorteile der Bürger gerichtet. Dafür wurde bereits beim Casting der Externen gesorgt. Bürgernähe und Bürgerinteressen sind tabu und konterproduktiv für deren Karrieren.

Politiker glauben tatsächlich, sie würden sich für uns aufopfern.

Unser ehemaliger grüner Außenminister, der am Ende seiner Amtszeit sogar noch den Visa-Ausschuss am Hals hatte, soll ernsthaft und überzeugt der Ansicht gewesen sein, dass er als Repräsentant unserer BRD immer im Dienst sei und alles was er tat oder unterließ allein unter diesem Gesichtspunkt zu sehen war.
Er ging weder privat essen noch hatte er private Freizeit.
Selbst seinen Schlaf soll er als Dienst am Volke angesehen haben. Seine Träume auch?
So bekommen ganz menschliche Bedürfnisse einen staatstragenden Anstrich und stinknormale Verrichtungen werden zu hoher Politik.

Ich gehe zur Wahl!
Schon aus Trotz und um dabei zu helfen, uns solche Politiker zukünftig zu ersparen.
Meine Freundin Vera, die diesen Text mit mir zusammen verfasst hat, übrigens auch.
Politiker wir kommen!

2 Gedanken zu „Ich gehe trotzdem zur Wahl!

  1. Man sollte wählen nicht als Pflicht sehen, sondern die Chance etwas im eigenen Sinn zu verändern.

    Die Kritik an den Politikern ist aber ein wenig unfair. Jeder versucht seine Existenz zu sichern, ich, du und auch ein Politiker. Außerdem muss man in der Politik die verschiedensten Interessen ausgleichen und steht immer als Buhmann da… kein schöner Job, oder?
    Die Fragestellung mit den externen Beratern schätze ich ganz anders ein, die Erklärung würde aber das Kommentarfeld sprengen. Wenn es dich interessiert, kannst du meinen Blogeintrag zu dem Thema ja mal durchschauen.
    http://worldturnsgreen.blogspot.com/2009/08/wer-macht-die-gesetze-das-parlament.html

    gruß
    Christoph

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