Morgen ist Wahl in Afghanistan!

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Der Verlobte der besten Freundin meiner älteren Schwester ist als Soldat der Bundeswehr in Afghanistan. Er soll dort am Hindukusch die deutschen Interessen notfalls mit Waffengewalt verteidigen. Ich kenne dieses Land lediglich aus meiner sehr kurzen „Karl May-Phase“ und ansonsten nur aus den Tagesnachrichten des Fernsehens. Aber diese sind für uns Zuschauer inhaltlich vorsortiert, um nicht vom Ziel des jeweiligen Senders abzulenken, sagt mein Sozial- und Gemeinschaftskundelehrer.

Ich bin mir nicht sicher, aber gestern hörte ich, dass der heutige Ministerpräsident von Afghanistan, ein Herr Karsei, der immer mit so einem Tuch um die Hüfte und einer randlosen Fellmütze auf dem Kopf herumläuft, vom früheren amerikanischen Präsidenten eingesetzt und durch die erste Wahl gepaukt wurde; also, dass dieser Herr Karsei morgen vom afghanischen Volk wieder gewählt werden soll.

Ist das nicht der Ministerpräsident, der bei seinem Amtsantritt zugesagt hatte, dass er den Drogen- und insbesondere den Opiumhandel in Afghanistan unter Kontrolle bringen wollte?

Wenn ich die letzten Nachrichten hierzu richtig verstanden habe, dann hat er das doch wohl auch ziemlich gut hinbekommen.

Afghanistan ist zwar immer noch Spitzenreiter in der Produktion des Opiums, produziert nicht mehr ganz so viel wie früher und hat damit für die Abhängigen die Preise in die Höhe getrieben.
Die müssen jetzt bei sich zu Hause eben einfach mehr Beschaffungskriminalität einsetzen und mal eben in eine Wohnung mehr als früher einbrechen.

Außerdem hat er den Opiummarkt wohl auch wirklich teilweise vollständig unter seine Kontrolle bekommen. Produktion und Verkauf des Agrarproduktes sind in Händen seines Halbbruders und einem seiner Minister.

Die Militärs und die Vertreter der Staaten, die die Militärs nach Afghanistan schicken, wissen dies, unternehmen aber nichts, um den Belzebub nicht mit dem Teufel auszutreiben.

Oder wie es der Amerikaner gemacht hat, als er den Irak im Krieg gegen den Iran unterstützte, um dann später selber Krieg gegen seinen irakischen Vasallen Hussein führen zu dürfen, dessen Land zu vernichten und es dann mit amerikanischen Firmen gewinnbringend wieder aufzubauen, ohne dabei tiefgreifende Maßnahmen zur Gründung einer gerechten und funktionierenden Gesellschaft zu unternehmen.

Ist Herr Karsei wirklich die einzige Wahl?
Er soll sich doch nicht einmal mehr aus seinem Palast in Kabul heraustrauen.
Was für ein Präsident ist dieser Präsident, der Angst vor seinem eigenen Volk haben muss, aber unbedingt wieder Präsident werden will.

Was hat das alles für einen Sinn?
Für ihn und für ganz Afghanistan?

Sind alle, die gegen diesen Präsidenten, diese Wahl und deren Durchführung sind gleichzeitig Taliban und müssen unbedingt bekämpft werden ?

Wird uns da nicht vielleicht unter dem Vorwand eines Glaubenskrieges nur jede Menge Staub in die Augen gestreut, damit wir nicht sehen, was sich hinter dieser Sandwolke wirklich verbirgt?
Diktatur und Luxusleben eines regierenden Klasse, Korruption, Machtgier, Ignoranz, Gleichgültigkeit gegenüber dem eigenen Volks und nicht öffentlich gezeigte Verachtung gegenüber dem Westen?

Dafür ist der Verlobte der Freundin meiner Schwester unter Waffen dort?
Dafür sitzt er in seinem Zelt, muss sich womöglich beschießen lassen und kann nicht einmal allein das Lager verlassen!?

Welch ein Irrsinn.
Oder versteh ich das alles bloß nicht?

Heike aus Barkhausen

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