Die Börse und ich

@ Ich habe meine Nase mal wieder in die Börse gesteckt.
Verlautbarten die TV-Nachrichten doch heute früh, dass die Deutsche Post ganz erheblich in die Miesen gegangen ist und die Briefzusteller nun, wenn sie ihren Arbeitsplatz behalten wollen, Mehrarbeiten leisten und Zusatzschichten ohne Lohnausgleich schieben müssen.
Hört sich doch super an.
Werden die Bosse, um ihren Arbeitgebern, den Shareholdern, zu gefallen, auch mehr arbeiten müssen? Auch ohne Gehaltsausgleich?
Egal wie man’s sieht, ich werde meinem Briefzusteller für seine Schufterei und seinen Service unter der Hand wohl mal ’ne kleine Sommergratifikation zuschieben. Sein Arbeitgeber darf’s ja nicht wissen, denn Briefzusteller dürfen vom Kunden ja nix mehr annehmen (die Hausmüllentsorger, die uns wöchentlich bei Wind und Wetter von unseren Müllbeuteln befreien übrigens auch nicht). Müssen alles abgeben. Toller Arbeitgeber. Zerstört eine alte Tradition. Wo doch gerade der Briefzusteller vielerorts sehnsüchtig erwartet wird, weil er auch Seelsorgerfunktionen erfüllt.
Alles geht zu Teufel.

Aber zurück zur Börse. Die Aktienkurse haben an der Börse auf diese Verlustnachricht kaum oder nur gerade mal so hinterm Komma reagiert. Das war vor Monaten noch anders.

Aber jetzt kommt es wirklich drollig.
BMW macht im 1. Quartal einen Verlust von 55 Millionen Euro und die Aktie steigt heute um rund 3,5%.
Das hätte man als Bürger wohl nicht erwartet.
Der Grund dafür ist auch kaum nachzuvollziehen: „Die Anleger hatten mit einem dreimal so hohen Verlust gerechnet.“
Ich reime mir da mal etwas zusammen: Aktionäre betrachten in Krisenzeiten wie heute, den sehr wohl befürchteten aber dann gottlob doch nicht eingetretenen „Mehrverlust“  in Höhe von rund 100 Millionen Euro offenbar als einen Gewinn, kaufen wie verrückt diese Aktien und treiben den Kurs in die Höhe.
Echt makaber.
Und wieder sind es Aktien eines namhaften Automobilherstellers deren Kursentwicklung für den normalen Bürger nicht nachvollziehbar ist.
Sonst gingen die Aktien doch nur in die Höhe, wenn die Geschäftsleitung bei einem negativen Ergebnis versprach, dass die Mitarbeiter dieses dadurch wieder wettmachen würden, dass sie ihren Arbeitsplatz opfern würden.
Geht das jetzt neuerdings auch anders?
Sind vielleicht gar keine Mitarbeiter mehr da, die entlassen werden könnten?

Wenn ich mir die letzten Wochen und Monate in Erinnerung zurückrufe und mich daran erinnere wer diese Aktionäre sind, dann fallen mir da die Großaktionäre wie Investmentfonds, Lebensversicherungen und Banken ein.
Die kaufen also offenbar voller Glückseligkeit Verlustpapiere, bei denen das Minus nicht ganz so hoch ausgefallen ist, wie befürchtet?
Oder wer sonst?
Etwa Fiat, Porsche,  die Scheichs aus Dubai, Citigroup, GM?

ICH hätte dafür keinen Cent über.
Meine Bankaktien – ich vertraue voll und ganz auf den inzwischen über alle Grenzen hinweg  bekannten Charakter der Berufsgruppe „Banker“ – haben nach der Obamawahl mit mehr als 75% Verlust ganz erheblich eins an die Mütze bekommen, sind inzwischen aber bis auf 15% wieder da wo sie mal waren.

Was lerne ich daraus?
Verlassen Sie sich ruhig auf Ihren Banker.  Kaufen Sie nichts von dem, was er Ihnen andrehen will.  Kaufen Sie die Aktien der Bank, in der er arbeitet und nach Erfolg bonifiziert wird. Dann liegen Sie richtig. Er zieht – auf dem Weg nach Luxus, hohem Ansehen, hübschen Frauen, maximalem Boni – Ihre Aktie gleich mit aus den Keller.
100%-ig.

Er holt sich wegen drohender Pleite aufgrund seiner Geschäftsführung unverfroren Staatszuschüsse aus der Tasche der Bürger, feiert dies dann ganz groß in aller Welt  und in fulminantem Stil als seinen urpersönlichen Erfolg, entlässt als Dank dafür zu tausenden an der Misere vollkommen unschuldige Angestellte und welch Wunder, der „Markt“ (also auch ich)  ist ihm dankbar; die Aktie steigt und steigt und steigt.

Mal ehrlich und Spaß beiseite: Soll ich meine Altersvorsorge etwa in Aktien einer Firma stecken, in der mit Maschinen, viel Material und ganz furchtbar viel Manpower etwas hergestellt wird, was dann doch nicht oder nur unter Einsatz exorbitant hoher Schmiergelder verkauft oder exportiert werden kann?
Also was braucht die Welt?
Was braucht die Welt in Krisen ganz besonders?
Was ist knapp in Krisen?
Ja – richtig.
„Money, money, money, money !“

Da bleibe ich doch lieber an der Seite meines glatt rasierten und  „aufgeweckten“ Bankers. Der führt mich zielsicher durch die Krise und ohne, dass er es wirklich bemerkt macht er mich dabei auch noch richtig glücklich.

So sind die Männer.

Ella und ich sind uns einig. Wir lassen’s uns von den Bankern besorgen.

Ihre Gitti
_____________________________________________________________________
Machen Sie es wie GITTI.
Sagen Sie und ihre ganz persönliche Meinung. Wir haben nämlich alle etwas davon.
Werden Sie Mitstreiter für meine-deine-unsere BRD.
Melden Sie Ihren Text einfach zum Veröffentlichen an oder senden ihn per Mail an tipp@unserebrd.de.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

:D :-) :( :o 8O :? 8) :lol: :x :P :oops: :cry: :evil: :twisted: :roll: :wink: :!: :?: :idea: :arrow: :| :mrgreen: