Durch 1 Schritt von der biederen Hausfrau zur Heuschrecke. So schnell kann’s gehen.

Vor einiger Zeit traf ich einen Bekannten, dessen ehedem gut florierende Werkstatt ziemlich schleppend lief. Er suchte Hilfe und ich bin mit 75.000 Euro in seine Firma eingestiegen. Wir haben das Geschäft in eine GmbH umgewandelt und ich habe nun 90% der Anteile.

Erstens: Ich verstehe mich aber eher als Kreditgeberin. Obwohl nun ich zum Schutze meiner Kapitaleinlage das Sagen hat. Ich möchte mein Geld absichern und habe dies vereinbart, denn seine Art Geschäfte zu machen hat ja den Zustand heraufgeschworen, dass er mein Geld benötigte.

Zweitens: Ich hatte das Geld für meine Altersvorsorge zurückgelegt und möchte es natürlich zurück haben, denn es war nicht dazu gedacht irgendein unternehmerisches Risiko zu tragen.
Zuzüglich einer angemessenen Draufgabe für mein Entgegenkommen und das eingegangene Risiko, um Job und Familie meines Bekannten zu retten.
Ohne mein finanzielles Engagement gäbe es diese Firma ja wohl bald nicht mehr. Er wäre arbeitslos und womöglich verschuldet.
Dazu kommen noch die Zinsen. Das ist üblich. Der Steuerberater sagt, das muss auch so sein, denn ohne Zinsen ginge das nicht. Ich würde von Herrn Peer Steinbrück ansonsten so behandelt, als hätte ich welche erhalten. Ich würde also draufzahlen.

Drittens: Mein Bekannter arbeitet in seinem ehemaligen Betrieb weiter. Natürlich ist er jetzt nicht mehr der Chef. Das ist der mehrheitliche Anteilseigner, also ich. Denn ich möchte schon selbst über den Werdegang meines Geldes wachen können.

Viertens: Ich habe mir dabei gedacht, dass ich meine Altersrücklage damit etwas aufbessere, aber mein Geld in 5 Jahren wieder zurück haben möchte.

Das wären also pro Jahr 15.000 Euro, plus banküblicher Zinsen 8% = 5.450 Euro im ersten Jahr.  Plus 500 Euro Wagnisaufschlag je Monat. 2.250 Euro im ersten Monat, 1930 Euro im 12. Monat usw.
So habe ich – wenn nichts schief geht – mein Geld in 5 Jahren zurück.

Diese Beträge muss der Betrieb jetzt erwirtschaften. Natürlich zusätzlich zu dem, was für einen ordnungsgemäßen Betriebsablauf benötigt wird (Geld für Waren, Mieten, Kosten für Energie, Personal usw.).

Es ist für meinen Bekannten bestimmt kein Zuckerschlecken, dass er jetzt in seinem ehemals eigenen Betrieb mehr als früher arbeiten muss. Aber dafür hat er sein geregeltes Geld und ist das Risiko los.
Je mehr er sich für die Firma einsetzt und je effektiver er arbeitet, um so sicherer ist sein Einkommen. Das ist für ihn eigentlich wie früher, nur ich sage ihm jetzt wo es lang geht.

Jetzt, wo ich das gerade mal so runterschreibe stelle ich fest, dass ich von einer einfachen Hausfrau zur Investorin mutiert bin, denn, wenn ich nach 5 Jahren mein Geld wieder auf meinem Konto habe, könnte ich die Firmenanteile verkaufen. Die gehören mir dann immer noch. Ich hätte damit ein echtes Schnäppchen gemacht.

Lieber Harry,
ich habe deinen Beitrag aufmerksam gelesen.
Eigentlich hast Du ja recht. Deine Schilderung ist ganz sicher zutreffend. Du studierst das ja auch.

Ich bin Hausfrau, gehe jeden Sonntag in die Kirche und wenn mein Sündenkonto zu dolle angeschwollen ist, beichte ich auch mal, um die Waagschalen wieder auszugleichen. Bei mir hat sich durch den Firmenkauf eigentlich überhaupt nichts geändert. Ich arbeite da ja auch nicht. Ich schaue nach dem Rechten. Den Schreibkram und die Verwaltung macht eine Freundin von mir. Ich bezahle sie mit dem Wagnisaufschlag

Bin ich jetzt eine Heuschrecke – weil ich Geld „auf Nummer sicher“ gegeben und eine Firma auf dem Umweg eines Kaufs gerettet habe?
Macht mich meine Absicht, dass ich eigentlich gar keine Firma haben wollte, nun aber mein Geld mit Zinsen und Risikoaufschlag wiederhaben möchte zur Heuschrecke?

Oder ist es die einmalige Gelegenheit, die sich mir bot und die ich ergriff, als ich lieber gleich die ganze Firma übernahm? Ist das nicht einfachste Grundlage der Marktwirtschaft? Was hätte ich sonst tun sollen? Meinem Bekannten, der ja sein eigenes Geld bereits verjubelt hatte, und von den Banken nichts mehr bekam, nun mein Geld auch noch aushändigen?

Nun, er ist mein Bekannter und nicht mein Geliebter.
Was würdest Du an meiner Stelle machen?
Eigentlich habe ich durch mein „Investment“ die Gesellschaft vor einem zusätzlichen HartzIV-Empfänger geschützt. Zumindest wenn alles so läuft wie ich es vorhabe.
Und schließlich kann mein Bekannter sich doch jederzeit irgendwo Geld besorgen und mir die Firma wieder abkaufen. Vielleicht zusammen mit einem anderen Freund.
Wenn der Preis stimmt!?

Unter uns Heuschrecken: „Irgendwie ziemlich aufregend die Sache!“
Vielleicht mache ich das, wenn’s gut geht, in 5 Jahren noch einmal.
Wenn man erst einmal Blut geleckt hat.
Eure unternehmungslustige Ella
Das Investment macht mich ganz müde
_____________________________________________________________________

Haben Sie auch eine Meinung? Schreiben Sie die doch einfach hier rein!
Auch Ella gibt ihren „Senf“ dazu. Machen Sie dies doch auch.
Sie können Ihren Text gleich hier zum Veröffentlichen anmelden oder einfach per Mail an tipp@unserebrd.de senden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

:D :-) :( :o 8O :? 8) :lol: :x :P :oops: :cry: :evil: :twisted: :roll: :wink: :!: :?: :idea: :arrow: :| :mrgreen: