Henniges – kahlgefressen, ausgelutscht und weggespuckt?

Das war mal wieder ein Paradebeispiel der von Herrn Müntefering (SPD) zutreffend als Heuschrecken betitelten Finanz-Investoren.
Exakt wie aus dem Lehrbuch.
Vergessen wir über den Gram aber nicht die sehr deutlichen Hinweise dafür, dass es gerade seine unter Herrn Schröder ehedem regierende Volkspartei war, die die Gesetze für derartiges Tun in unserer BRD von externen Vollblutbankern und Juristen anfertigen ließ. Solche sind als Ghostwriter „beratend“ für den Bundestag tätig – auch heute noch (aus einem TV-Statement von Hans Eichel, Finanzminster a.D.).
Gerade diese Gesetze sind es, die den Ruin in der Autozuliefererbranche in der aktuellen Kfz-Krise so ungemein beflügeln.
Die betroffenen Firmen konnten in guten Zeiten unauffällig nach allen Regeln der Kunst ausgeweidet und auf einen nach außen gerade noch erkennbaren Firmenmantel reduziert werden (Vorweggenommene Restrukturierung auf einen Dritteweltstandard oder ein nach hiesigen Maßstäben gewerblliches Sozialhilfeniveau).

Vergessen wir auch auf gar keinen Fall, dass Politiker auch Gesetze verabschieden, deren Inhalte sie weder im Ansatz verstehen, noch deren Hintergrundinformationen sie jemals studiert haben. Sie  sind – so wünschen wir es uns ja auch – aus dem Volk und gehören nicht immer zur Elite – auch wenn sie so wirken, weil sie in Talkshows schnell und für uns unkontrollierbare Behauptungen aufstellen und vielfach unverständliches Zeugs daher reden. Nur um den Applaus der auch nichts verstehenden, aber immer klatschenden Zuschauer für 5 Sekunden medienwirksam auf ihre Seite zu locken.

Mit Henniges wurde nun erneut ein Unternehmen, das eine Investorengruppe reich machen sollte,  geschunden, ausgeblutet und dann mangels Eigenwert links liegengelassen. Wäre die Chanche auf eine Staatshilfe gegeben, wäre der ausländische Investor natürlich auch hieran noch interessiert.
Aber so? Ohne Geld aus Berlin.
Was soll der Investor da noch mit Henniges anfangen?
Etwa wieder flott machen?
Na, er doch nicht!
Seine Arbeit ist doch erledigt.

Tedrive in Düren, Karmann in Osnabrück und Stankiewicz im niedersächsischen Celle sind in ähnlicher oder zumindest bemerkenswerter „Na-dran-Situation“ – der eine mehr der andere weniger, aber den Insolvenzverwalter kennen sie bereits alle – und stehen als Beispiele einer bundesweiten Epidemie.

Noch viele Betriebsräte werden den Kollegen mitteilen müssen, dass alles Geld restlos futsch ist, dass nichts mehr vorhanden ist, um Sozialpläne aufstellen, Abfindungen zahlen und eine Auffanggesellschaft gründen zu können, dass der Investor auch den letzten Cent mitgenommen und sein finanzielles Interesse bereits auf ein anderes Ziel gerichtet hat. Er muss berichten, dass nur noch eine Insolvenz bleibt, um die Firmenleiche kosmetisch so aufzupeppen, dass sie vielleicht und nur wenn es gut läuft, einem „Dummen“ aufs Auge gedrückt werden kann. Der ihr dann vollends den Rest gibt?
Das könnte vielleicht noch einige Arbeitsplätze über eine bestimmte Distanz retten.  Aber auch nur zu 3.Welt-Konditionen, die alles andere als ermutigend sein dürften.

Die eigentliche Frage ist also nicht, ob wir pleite gehen, sondern nur wann.
Da macht unterm Strich die private Insolvenz keinen Unterschied zur unternehmerischen.
Oder?
Doch.
Die Unternehmen werden zumindest in der Insolvenzphase klüger geführt, machen früher und im größeren Umfang pleite. Für deren Eigentümer bleibt in der Regel auch mehr übrig, weil durch kluge Berater von vornherein für üppigen, unantastbaren Privatbesitz gesorgt worden ist.
Die Insolvenz der Privaten, Handwerker und kleinen Selbstständigen aber wird aus Scham vor dem Nachbarn zu spät eingeleitet. Außerdem hat diese Personengruppe erfahrungsgemäß vorher auch noch ihr gesamtes Kapital u. das ihrer Ehegatten, alle Rücklagen und Vorsorgebeiträge aufgezehrt, inkl. der Sparbücher der Kinder.
Die Kandidaten sind dann so richtig fertig, haben die gesamte Familie ruiniert und besitzen nach ihrer Insolvenz in der Regel rein gar nichts mehr. Und sie sind die Dummen in unserem Wirtschaftssystem, denn sie sind aus der Sicht ihrer Nachbarschaft selbst Schuld an ihrer Misere. Nicht derjenige, der sie in den Ruin gestürzt hat und vor aller Augen nun als erfolgreicher Unternehmen dasteht.

Skandalöse Welt.
Daher ein ehrlich gemeinter Ratschlag eines BWL-Studenten an die „Kleinen“:
Rettet was zu retten ist, tastet nicht das Geld Eurer Familienmitglieder an und  macht rechtzeitig pleite. Warum wollt ihr Euch lange quälen? Es hilft doch nichts. Ihr seid in allerbester Gesellschaft.
Etliche Großunternehmen sind auf 5% ihres Börsenwertes zusammengeschrumpft.
Ein Unternehmer (Investor) quält sich auch nicht länger als nötig. Ist das nächste Jahresgehalt des Vorstandes nicht mehr garantiert und hat er sein letztes samt Boni in der Tasche, wendet er sich von der zahlungsunfähig gemachten Firmenleiche ab, nutzt die kommende Zeit sinnvoll und kümmert sich lieber um andere vielversprechendere Vorhaben.

Frage an Sie:
Ist irgendetwas an meiner (mit Sicherheit auf Sie wirkungslosen) Betrachtung unlogisch?
Die Frage nach Ehre und Anständigkeit stellt sich in diesem Zusammenhang dann nur noch für die, die bereits alles verloren und nichts mehr zu verlieren haben; die früher, als es ihren Arbeitgeber noch gab, bei ihren ständig zu hohen Lohn-/ Gehaltsansprüchen und zu geringen Wochenarbeitszeiten stets aufgefordert wurden Ehre und Anständigkeit zu zeigen.
Helmut aus Harrislee
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