Meine Pleite steht schon vor der Tür.

Alle achten auf die Weltwirtschaft und große global agierende Unternehmen.
Niemand schaut nach dem kleinen Prutscher um die Ecke.
Ich bin so einer. Ich bin ein kleiner, selbstständiger Handwerker. Meine an private Hausbesitzer erbrachten Lieferungen sind durch meine Leistungen bereits in deren Grundbesitz verbaut.  Aber bezahlt werden sie in letzter Zeit nicht.
Meine Kunden müssen „unerwartet“ von heute auf morgen sparen, stehen z.T. „überrascht“ vor der Arbeitslosigkeit und ihrer privaten Lebenskrise. Dann fällt es ihnen ein. Es ist doch ziemlich einfach erst einmal Mängel zu behaupten und abzuwarten, ob ich die wirtschaftlichen Mittel habe, ein langwidriges Sachverständigenverfahren durchzustehen, klein beigebe oder gar Bankrott gehen werde.
Ich muss den steinigen Weg gehen, meine Forderung einklagen und deren Rechtmäßigkeit Stück für Stück beweisen.
Meine Kunden lehnen sich zurück. Zu meinem Vorbringen sagen sie unisono und stereotyp: „Das stimmt alles nicht!“
Ich hatte meinen Anwalt leider nicht ständig mit auf der Baustelle und das erweist sich heute als mein großes Pech.
Kurzum, mir steht das Wasser bis zum Hals.
Ich habe weder spekuliert, noch mich verzocket oder mich finanziell übernommen, sondern ich habe wirklich schwer gearbeitet.
Meine Anwälte können mir da auch nicht helfen. Es geht nach rechtsstaatlichen Grundsätzen. Das bedeutet, dass der Gläubiger, also ich, sich an Recht und Gesetz zu halten hat. Bei meinen normalen Handwerkerleistungen bin ich trotz rechtlicher Erleichterungen in Wahrheit immer noch ziemlich arm dran.
Mein Kunde muss nicht ja einmal eine Sicherheitsleistung stellen, um nachzuweisen, dass er das Geld für den an mich vergebenen Auftrag überhaupt jemals hatte. Also wird es auch dann nicht besser, wenn ich die Prozesse gewonnen habe. Ich kann mir mit den Urteilen dann ganz bestimmt den Hausflur tapezieren. Mein Anwalt meint, ich müsse wohl damit rechnen, dass ich dieses
Jahr kein Urteil mehr zu sehen bekomme.

Meine Bank ist nicht bereit meine laufenden Betriebsmittelkredite für einige Monate auszusetzen. Seit ich deswegen dort vorgesprochen habe, steht für mich die Ampel auf „rot“, niemand ist mehr wirklich an mir interessiert und man dreht mir „Risiko“ den Rücken und langsam aber sicher den Hahn zu.

Ich bin kein Millionär. Ganz im Gegenteil. Mein Betrieb ist aufgrund der ausstehenden Gelder und fehlender Rücklagen ratzfatz vermögenslos und massiv von der Pleite bedroht. Mir fehlt bereits Geld für den nächsten umfangreichen Wareneinkauf, um weitere vielversprechende Aufträge erledigen zu können.

Irgendwie geht’s mir wie Frau Schaeffler.
Da sind wir in der Not ziemlich dichte beisammen.
Wir brauchen beide Geld.

Doch gibt es einen feinen Unterschied.
Bei Frau Schaeffler ist das private Vermögen in Sicherheit und die Schuldsumme zudem so hoch, dass sie den Mut haben kann, diese Summe dem Staat unter die Nase zu reiben, ihm die Pistole auf die Brust zu setzen und mit der insolvenzbedingten Vernichtung einer großen Zahl von Arbeitsplätzen zu drohen. Zeitgleich fordert sie zusammen mit ihren Mitarbeitern lautstark staatliche Hilfe und geht dafür sogar solidarisch mit Schaeffler-Mitarbeitern auf die Straße, um öffentlich dafür zu demonstrieren. So als hätten die Beschäftigten von Schaeffler ein verbrieftes Recht, dass der Staat – also auch du und ich – ihnen hilft. Also eigentlich Frau Schaeffler hilft. Aber so sieht’s besser aus.

Wer hätte jemals gedacht, dass in unserer BRD Milliardäre auf die Straße gehen und demonstrieren müssen.

Vielleicht sollte meine Firma das auch mal machen. Ich habe 2 Vollzeit-Mitarbeiter und eine Halbtags-Bürokraft angestellt. Gern gehen meine Familie und ich mit denen und deren Familien zusammen auf die Straße. Mit Trillerpfeife und Spruchbändern.

Soll ich vielleicht auch mal bei Frau Merkel anrufen oder gilt für Kleckerunternehmer wie  mich, dass der Staat für betriebsübliche Risiken nicht als Retter einspringt. Auch wenn diese sich für mich, meine Mitarbeiter, unsere Familien und meine Lieferanten und deren Familien dramatisch auswirkt?

Ich werde die Löhne meiner Mitarbeiter wohl oder übel noch eine Zeit lang aus meiner Altersrücklage zahlen können, meine Lebensversicherung auflösen, die Sparbücher meiner Familie, einschließlich der der Kinder in die Waagschale werfen und versuchen auszuhalten, bis sich die Lage wieder entspannt hat.
Aber wenn ich es nicht schaffe, bin ich schlicht und ergreifend weg vom Fenster und stehe mit nach außen gedrehtem Taschenfutter da. Reif für Hartz IV.

Es sieht in der Tat momentan verdammt düster für mich und meine Familie aus.
Und das alles trotz der vielen Arbeit, die ich mit meinen Mitarbeitern geleistet habe.
Ist das nicht schlimm, dass ich mich aktiv arm gearbeitet habe?
Bin ich jetzt wirklich selbst schuld?
Ich frage mich das von morgens bis abends.
So wie mir geht es in etwa jedem 4. mir bekannten Handwerker und Kleinunternehmer.
Viele arbeiten an der Grenze ihrer Existenz, alle schleppen sich über die Jahre und beínahe jeder hofft, dass er seinen Betrieb bei Rentenbeginn nicht mit einem Konkurs schließen muss.

Sind wir alle doof?

Leider gibt es für uns keinen wirklichen Interessenverband, der sich für uns mal wirklich ins Zeug legt und wir selbst sind wohl allesamt nicht clever und vorausschauend genug oder untereinander zu missgünstig, um uns richtig zu organisieren. Und so gehen wir sang- und klanglos als Einzelkämpfer, jeder für sich allein still und unauffällig Mann für Mann vor die Hunde und letztlich gemeinsam mit unseren Familien in die private Insolvenz.

Ehrlich, so habe ich mir meine verbraucherfreundlichen Kundenkontakte und die Pflege meiner überwiegend privaten Kundschaft nicht vorgestellt.
Arbeit gibt es auf dem Bau eigentlich genug.
Nicht irgendwelche ausländischen Billiganbieter machen mir diese riesigen Sorgen. Für die ist auf dem Bau bei der heutigen Auftragslage sogar auch noch Platz und außerdem hatte ich in letzter Zeit gar keinen ausländischen Auftraggeber.
Meine eigenen Landsleute sind es, die mich kaltlächelnd am ausgestreckten Arm aushungern.
 
So jetzt ist es raus. Das musste ich mal loswerden.
Ich hoffe, dass diese Seite auch für mich Platz bietet.
Ihr werdet verstehen, dass ich mit einem Künstlernamen unterzeichne.
Ich habe den Red. gebeten meinen Text zu überarbeiten, um meine Leidenschaft zu entschärfen. Mit mir gingen beim Schreiben immer wieder die Pferde durch. Danke für die Hilfe.
:!: Rainman (per Mail)

Lieber Rainman, war selbstverständlich, dass ich helfe. Ich danke dir für Deinen mutigen Beitrag.
_____________________________________________________________________
Deine-Meine-Unsere BRD ist auf der Suche nach interessanten und wichtigen Nachrichten. Was Sie als bemerkenswert ansehen ist auch für uns lesenswert.

Ein Gedanke zu „Meine Pleite steht schon vor der Tür.

  1. :? Dieser Artikel wurde allein vom 01. Sept. 2010 bis heute (10 kompl. Tage) mehr als 80x aufgerufen.
    Das ist mehr als in der Zeit seit seiner Veröffentlichung bis 31.08.2010 insgesamt.
    Was ist passiert?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

:D :-) :( :o 8O :? 8) :lol: :x :P :oops: :cry: :evil: :twisted: :roll: :wink: :!: :?: :idea: :arrow: :| :mrgreen: