Qimonda-Krise aus der Sicht eines Sachsen

Der Leitartikel der Financial-Times Deutschland (FTD) [ hier ist er ] sieht Infineon als ein Opfer des ungefragten Vorpreschens der Hilfe anbietenden freistaatlich-sächsischen Regierung, die sich zur Rettung der Qimondas aufgemacht hat.
Aus Sicht Infineons hat gerade dies auf unangenehme Weise dafür gesorgt, das nun weltweite Aufmerksamkeit auf Infineons knappe Finanzsituation entstanden ist.
Vielleicht war’s aber auch der kurzzeitige 50%-Hoppser, den der Aktienwert aufgrund aufkeimener Hoffnung aufmerksamer Börsianer gemacht hat und dessen Kurzlebigkeit nun die Vorstände beunruhigt.

Ist bei dem inzwischen am unteren Marktsegment angesiedelten Q-Unternehmen jetzt der Vertreter des Steuerzahlers (auch der Mitarbeiter) der Verräter, wo doch höchstens nur noch einige Taube und Blinde sich damit herausreden können, das Sie nicht wissen wie es bei Qimonda aussieht, wie deren Aktien stehen und aus welcher Richtung der Wind weht?
Die Firmenmutter fühlt sich durch die Hilfsaktion der Sachsenregierung und die vermeintliche Offenbarung des bereits offenen Geheimnisses, dass Infineon ihre Tochter Qimonda fallen und einfach in Insolvenz gehen lassen wird und bereit ist tausende Mitarbieter ins Nichts zu schicken, düpiert.
Und so etwas kann Infineon nun ganz und gar nicht vertragen. Man düpiert lieber selbst.
War es nicht bereits erwogen, Q-Aktien für  0,00 Euro an die Infinion-Aktionäre zu verschenkt? Hauptsache weg damit!
War es nicht vom ersten Q-Tag an ein Problem, dass der US-Börsengang aus eigenem „Verschulden (?)“ lediglich einen Aktien-Verkauf von weniger als 30% der Aktien erbrachte, obwohl die Nachfrage nach dem Papier viel höher war? Kurze Zeit danach allerdings waren die zu kurz gekommenen Kaufinteressenten heilfroh, dass Sie von den inzwischen im Sinkflug befindlichen Firmenanteilen nichts abgekommen hatten und mehr als 70% bei Mutter Infinion verblieben waren.
Tja, so hat man das Geschäft mit einem bereits beim Startup grandios überbewerteten Unternehmen dummerweise verpennt und die bitteren Kröten im Hause halten müssen, statt sie – was ja viel ertragreicher gewesen wäre – auf viele, viele Schultern tausender argloser Kleinaktionäre verteilen zu können. Dumm gelaufen!
Ich erinnere mich noch lebhaft an 2001, als Monti von der EU prüfen ließ, ob die Millionen-Subventionen für das Infinion-Chipwerk in Dresden  eu-gemäß wären. Was hat die damalige Infineon-Mutter hinter den Kulissen für ein Theater gemacht.
Oder das ungläubige Stirnrunzeln bei Infineon im Jahre 2003 über das Unverständnis unserer Bürger, als die Firmenzentrale Erträge für die Shareholder erhöhen und sich deshalb ins Schweizer Steuerparadies absetzen wollte (ein ganz dicht bei Liechtenstein gelegener verschwiegener Bergstaat für Vermögende und lichtscheues Geld), offenbar  ohne daran zu denken die von unserer BRD erhalten Subventionen – ich glaube in Milliardenhöhe – zurückzahlen zu wollen. Die waren ja wohl auch gerade restlos ausgegeben und es war Zeit zu gehen. Das geschah zu Zeiten des ehemaligen Finanzminsters Hans Eichel, der erst zum Schimpfen getragen werden musste. [ hier nachzulesen ]. Erinnern Sie sich, dass sogar diese Meldung nur 1 bis 2 Tage Thema der Nachrichten waren? Schließlich wollte man die Infineon-Mutter nicht vergraulen und das Thema Schweiz ist ja schon immer ein Thema gewesen, dass sehr zurückhaltend behandelt wurde und wird. Gerade sind die Grenzkontrollen gefallen [siehe OPEN PR vom 12.12.2008 ], was die Besuche der Kofferträger in diesem Ländle  noch interessanter macht und zukünftig für weniger Affären sorgen wird, da weniger Grenzgänger erwischt werden.

Heute betrachtet die hilflos im Tiefflug durch die Börsenkurse dahinflatternde Infineon das sächsische Hilfsangebot naserümpfend als unakzeptabel. Hat man sich doch in Erinnerung an frühere Subventionen wesentlich andere Summen und Bedingungen vorgestellt und diese auch gefordert. Und man ist aus besseren Zeiten gewohnt – z.B. als Siemens unter Herrn Heinrich von Pierer noch mit 30% an Bord und Gerhard Schröder Basta-Kanzler war – dass getan wird  was Infineon bzw. deren Mutter wünscht. Schließlich ist gerade dieses Unternehmen doch ein ganz wesentlicher, wenn nicht sogar DER Wohlstandsbringer im erst von Infineon entdeckten und in die Moderne geführten sächsichen Bundesland, welches ohne dieses Leuchtfeuer erfolgreichen Wirtschaftens zurück ins finstere Mittelalter fallen wird.

Das ganze Gezerre ist für die Firmenzentrale der Mutter aller Firmenmütter natürlich ein unerhörter Hammer und Imageschaden. Vor aller Welt widersetzen sich wirtschaftlich unwissende Landesfürsten den Forderungen eines  Industriegiganten und führen statt dessen der Welt vor Augen, dass es sich real offensichtlich nur noch um einen inzwischen auf Rumpelstilzchen-Format geschrumpfen Börsenwinzling handelt.
Wo leben wir denn eigentlich?  Muss ein kritikresistenter Segensbringer sich so etwas bieten lassen?

Schließlich sitzen die dynamischen Macher und eloquenten Durchblicker in den von der Öffentlichkeit abgeschirmten I- und Q-Firmenetagen – wo sie nach eigener Überzeugung auch hingehören – und die Nichtversteher ohne wirtschaftlichen Sachverstand – die nichts weiter tun sollen, als das Geld ihrer Bürger für die Fabriken der Macher rauszurücken, um damit Arbeitsplätze ihrer bangen Bürger zu generieren – sitzen in den Regierungspalästen – bürgerfern, ebenfalls abgeschirmt in einer eigenen Welt, wo diese hingehören.
Beide Parteien kümmerten sich bislang um eigene Belange und nicht um die Dinge des anderen.
Die Regierung bestellte vor Wahlen Arbeitsplätze und Lob von der Industrie, gab dafür Subventionen, Infrastruktur und Steuervorteile. So ging man Hand in Hand der Sonne entgegen. Unwissend, dass sie  bereits spät dran waren und sich die Sonne nicht mehr im Aufgehen befand.
Das „Geschäft“ lief wie geschmiert , solange Mutti Infineon bekam was sie wollte!
Warum weichen die undankbaren, geizigen Sachsen jetzt von diesem Erfolgsmodell ab?
Haben sie die Geheimnisse der Sonnenscheibe von Nebra herausbekommen?

Ich denke hier irrt die FTD in der Beurteilung des Einmischens der sächsischen Regierung. Die hat nun mal den längeren Atem.
Selbst eine aus Regierungsvertretern bestehende Qimonda-Firmenspitze hätte das von der I-Mutter abhängige und zu Gewinnabführungen verpflichtete Tochter-Q-Unternehmen mit geschlossenen Augen und im Kälteschlaf nicht tiefer in die roten Zahlen treiben und nicht wertloser am Aktienmarkt positionieren können, als es die im Lohn des Unternehmens und in der Verantwortung der Eigentümer stehenden Firmen-Kapitäne vor den Augen der ganzen Welt selbst und für fürstliche Gehälter getan haben.

Was soll also dieser merkwürdige Aufstand und ausgerechnet diese unverständliche Kritik an der Hilfeaktion der sächsischen Landesregierung für eine inzwischen global vollkommen undeutende Firma?
Warum hat niemand Kritik geübt, als Infinion für viel und inzwischen verbranntes Geld ins Land geholt wurde, als bei einer wirtschaftlichen Kosten-Nutzenrechnung  „(Subventionen) geteilt durch (Arbeitsplätze x Arbeitsjahre)“  jeder mittelmäßige Viertklässler ins Grübeln kommen konnte?

Die I-Firmenleitung hat es bis heute nicht geschafft auch nur einen Investoren für ihr Qimonda-Schätzchen zu erwärmen. Nicht einmal für das Grundstück, welches der Freistaat, wie bei solchen Unternehmensansiedlungen üblich, sicherlich gegen eine verbindliche Arbeitsplatzzusage unentgeltlich ins Infineon-Vermögen übertragen hat, steht jemand bereit.

Ich drücke den Chips bei Qimonda von Herzen alles Gute. Bezahlt hat die Gesellschaft deren Arbeitsplatz ja bereits im Voraus. Aber muss das Ganze jetzt noch einmal ablaufen? 
Das ist eine ehrliche Frage.

Es sieht in Dresden nicht nach einem wirklichen tollen Weihnachtsfest aus.
Eigentlich kann Geld allein Qimonda auch nicht mehr aus dem Schlamassel helfen.
Bei der Beschaffung ausreichender Geldmittel für das Pärchen Infineon-Qimonda würde garantiert sogar das fleißige „Sterntaler-Mädel“ schlapp machen und bei der Landesregierung eine Petition gegen Zwangsarbeit einreichen.
Da müssen ganz sicher andere Lösungen her, als immer wieder Steuergelder in ein Fass ohne Boden zu versenken.
Dazu sind aber noch etliche dicke firmeninterne Problembrocken aus dem Wege zu rollen.
Das weiß JEDER Qimondaner.
:!: Dies schreibt uns Nostradamus aus Pirna (moderiert)
_____________________________________________________________________

 Teilen Sie unserer BRD Ihre Nachricht mit

Haben Sie auch einen interessanten Artikel gefunden, von dem unsere BRD erfahren sollte? Tragen Sie ihn bitte hier ein oder senden ein Mail an tipp@unserebrd.de.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

:D :-) :( :o 8O :? 8) :lol: :x :P :oops: :cry: :evil: :twisted: :roll: :wink: :!: :?: :idea: :arrow: :| :mrgreen: