„Die Finanzkrise ganz einfach“ sagt Ella

Wie mir meine Nachbarin Ella die Finanzkrise erklärt.

Also zuerst war da der Clinton (der mit der Lewinsky, Sie wissen schon). Der musste in seiner letzten Periode  dem amerikanischen Volk klar machen, dass das, was die nicht auf den Mund gefallene Praktikantin da unter seinem Schreibtisch mit ihm gemacht hat, nach US-Maßstäben überhaupt kein Sex war (den Frl. Lewinsky hatte ja nicht so viel davon) und dass er  im Grunde ein guter Präsident sei.
Daher begann er den Amerikanern zur Ablenkung und Beruhigung eine Reform zu spendieren. Er wollte keine Steuern mehr senken, das Geschäft mit den Finanzen lief hervorragend, also machte er auf Gesundheit und spendierte seinem Volk eine Reform.

Das brachte die US-Großunternehmen, die sich weniger für die Amis interessieren als für deren Dollars, auf den Plan. Was, keine Steuersenkungen? Na warte Billyboy!
Clinton brachte sein Amt gerade so über die Runden – ohne Rausschmiss (wie es gerade unserem bayerischen Dreamteam Beckstein – Huber – Hallertauer – nee das war das Zeugs, was im Bier drin ist, aber so ähnlich  – passiert ist).
Aber damit war die Partei der Demokraten erledigt und Bush senior konnte seinen geradezu für das Präsidenten geborenen Sohn endlich mit Hilfe der US-Öl- und Großunternehmer in Stellung bringen.

Was wollten die damit erreichen? Dollars!!
Was hat Bush gemacht?
Er hat die Steuern gesenkt, die Zinsen gesenkt, den Dollar zum Vorteil des Exports ruiniert, den Staatshaushalt ganz nebenbei auch (10 Billionen Schulden)  und zur Stimulation der Wirtschaft – wie sie sich bestimmte Multi-Unternehmen so vorstellen hat er einen Krieg angefangen und denen den Auftrag für den Wiederaufbau erteilt. Er selbst ist ein gläubiger Mensch und fragt jeden Morgen den US-Präsidenten-Gott, was er denn noch so machen muss, um von seinem Volk nicht vergessen zu werden und berühmter zu werden als F.Sinatra, JFK, Marilyn M., Marlon Brando oder gar G. Washinghton.

Und die Stimme, die ihm bereits dazu riet, dass er Leute aus dem Kreise jener  US-Unternehmensgiganten zu seinen Ministern machen sollte, die seinen Wahlkampf finanziert hatten, riet ihm, die Zinsen zu senken, um nun auch dem Mittelklasse-Amerikaner (also dem  Jonny-Normal-Verbraucher) zu ermöglichen, was er schon seit seinem Amtsantritt tut: Geld zum Fenster rauswerfen (d.h. bei den Politikern, den Binnenmarkt ankurbeln),  sich per Kreditkarte oder Hypothek neues Geld aufs Häuschen zu besorgen und sich einen schönen Lenz zu machen.

Nun konnte GWB die Kreditrichtlinien der Banken nicht über den Haufen werfen, aber er konnte die Bewertungsgrenzen für Haus- und Grundbesitz in seinem Sinne kreativ auslegen lassen.
Flugs wurde aus der letzten Bruchbude eine Taumvilla und die niedrig verzinsten Kredite rollten auf die Bevölkerung zu, überrollten diese und landeten wieder bei der Wirtschaft (wo sie nach Meinung des Präsidenten und seiner Regierungsmitglieder – und auch unserer Regierung – zur Ankurbelung des Binnenmarktes auch hingehörten).
Jetzt war wieder alles Geld ausgegeben. Also schickte Bush seinen Herrn Grünspan los, um zu verkünden, dass die Zinsen erneut gesenkt würde. Jonny-Normal-Ami rannte sofort zur nächsten Bank und schuldete um. Nicht ohne etwas drauflegen zu lassen, um sich damit die nächsten Monate zu versüßen.

Irgendwann erinnerte sich ein Banker daran, dass GWB nur 2x Präsident sein dürfe und dann käme womöglich jemand an die Macht, der diese Art des Staatsruins und des Abkassierens der Kriegsgewinnler nicht mehr mitmachen wolle, die Realität ins Licht zerren und gewählt werden würde.
Das wäre dann aber ganz dumm gelaufen!
Da käme ja alles raus!
Oh Gott (nee anders „Oh Lord“ oder „oh damned“ sagen die – glaub ich)

Was tut nun der kluge Investment-Banker?
Er tut das was er am besten kann. Er erfindet Investments. Er stellt abenteuerliche Mixe von verschiedensten Beteiligungen in sogenannten Invest-Paketen zusammen, errechnet die ultimativste Traumrendite (bewerten hat er ja gelernt und was bei Häusern geht kann ja für Firmen/Unternehmen nicht schwieriger sein)  und gibt seinen Renditeerfindungen die traumhaftesten Namen.
Niemand fragt nach dem Inhalt (wie in der Kosmetikindustrie. Auch hier gibt es pausenlos neue Produkte und klangvolle Namen, unverständliche Werbezusagen und alles ist Schall und Rauch. Vieles stinkt zum Himmel und ist das Geld nicht wert, welches dafür verlangt wird.).

Diese wohlklingenden Investments (sagen wir mal  zu 75% aus Hypotheken nicht korrekt bewerteter Hauser und Firmen zusammengestellt) mit ihren unanständig lukrativen Renditeversprechen wurden us- und weltweit zu maximalen Verkaufsprovisionen verhökert. Die Zwischenhändler verdienten weitere Traumprovisionen und so ging das Spiel immer weiter.
Wir dürfen so etwas privat nicht machen, der Staatsanwalt würde das wahrscheinlich verbotenes Glücksspiel auf der Basis von Kettenbriefen nennen.

Alle wussten, dass sie eigentlich mit tickenden Zeitbomben hantierten und sie wussten auch, dass diese viel schlimmere Wirkungen haben würden, als die nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz geächteten Vernichtungsmittel.
Deshalb machte ja auch niemand diese Pakete auf und schaute hinein.
Alle schauten weg und schacherten fröhlich immer weiter damit.
Plötzlich standen die tickenden Uhren in den Paketen still.
Irgendeiner hatte, entgegen allen Menschenverstandes, so ein Ding aufgemacht, war auf der Stelle ergraut, rief zu Hause an, bat seine Frau, Eltern, Freunde und gute Nachbar sofort alle ihre Invest-Pakete, die er denen ja angedreht hatte, zu verkaufen.
Die Parole lautete hier: SOFORT –  AUF DER STELLE – OHNE ZÖGERN – WEG DAMIT.
Das machten diese Leute auch.
Doch dann riefen sie ihre Freunde, Eltern, Kinder, Nachbarn, Arbeitskollegen an.
Da war es dann passiert.

Und jetzt?
Jetzt sagt der amerikanische Präsident.
Ihr habt durch die bösen, bösen Banker eure schönen Häuschen verloren, oh tut mir das leid. I’ll help you very well! Ich gebe euch wieder Dollars. Die Banken sind zwar allesamt pleite oder kurz davor, aber ich habe da was for you and you and you.

Wir fangen einfach wieder von vorn an und machen neue Schulden.
Denn das können wir am besten.
Diesmal sind wir schlauer und verballern nicht mehr unsere Kohle, die ist ja sowieso schon weg, wir hauen die Kohle der kommenden Generationen auf den Kopf. Denn eins ist ja mal sicher, die haben das verdient. Schließlich haben die für uns noch nicht einen einzigen Finger krumm gemacht. Und das gehört bestraft.

So lautet der Georg W. Bush Beschluss für die Zukunft des Amerikaners und wieder legt sich Jonny-Normal-Amerikaner zufrieden zurück in seinen Sessel. Ihr weiser Präsident hats ihnen mal wieder besorgt und ist jetzt unsterblich in ihre Erinnerungen eingegraben. Sie sind für den Moment zufrieden . Jedenfalls die meisten amerikanischen auf Kredit lebenden Patrioten.

Jetzt zahlt alle Welt murrend ihren Krisenbeitrag für den „American Way Of Life“ – Sie auch sagt Ella – und niemand wagt den Amis oder den Bankern offen Betrug vorzuwerfen. Jemand muss aber Schuld sein. Und wir haben einen Schuldigen gefunden. Zumindest sagt der Herr unseres Staatshaushalts uns: Schuld sei nur die Globalisierung.
Jetzt ist es raus, sagt Ella, ich habe bis gestern gedacht, er wäre einer der heftigsten Verfechter der Globalisierung und setzt sich dafür sogar aller Orten ein.
Ud jetzt hat unser aller Segen, diese hochgelobte Globalisierung unser ganzes Geld verbrannt? Einfach so? Wo ist diese Globalisierung denn?  So etwas muss doch ins Kittchen!

Aber Ella hat auch für die Zukunft einen Vorschlag.
Das Gesetz, welches den Heuschrecken-Fonts ermöglicht hier alles kahl zu fressen, wurde im Ministerium von einer Bankerin getextet, die hierfür von ihrer Bank beurlaubt und bis zur Fertigstellung der Gesetzesvorlage im Ministerium angestellt wurde.
Das könnte man doch jetzt auch wieder machen.
Denn schon unserer Außenminister Fischer soll gesagt haben, dass es ganz unmöglich sei Politik gegen die Großfinanz zu machen.
Also warum erst versuchen und scheitern, fragt Ella.
:cool:

Nachsatz der Redaktion:
Ganz so einfach war es nicht, denn die ersten Investmentpakte ließ der Präsident platzen.
Als Herr Grünspahn nämlich die Zinsen nicht mehr senken konnte, die amerikanischen Verbraucher keine Kredite mehr bekamen und sich ihr drittes Auto nicht mehr leisten konnten,  die amerikanische Wirtschaft dadurch weniger Umsätze machte, Leute „feuerte“ und der Staat zudem immer weniger Steuern erhielt, da kam so etwa wie ein Rezessionserstverdacht auf.
Also hoben die Banken die Zinssätze an, die Kredite platzen, die amerikanischen Heuschrecken packten zu. Die bisherigen Eigentümer zogen aus, die Immobilien wechselten die Besitzer, standen/stehen leer und niemand zahlt die Hypotheken ab.
Totalverlust beim den Kreditgebern oder denen, die jetzt die „Katze-im-Sack-Investpakete“ öffnen, reinschauen, wie elektrisiert alle Schuld von sich weisen und den Staat rufen, um den schon immer und immer noch schweigenden Steuerzahler bluten zu lassen.
Da werden Bürgschaften zu ungefährlichen Instumenten erklärt, die ja gar nicht abgerufen werden.
Da werden nach Millardenspritzen IKBs zu Spottpreisen verhökert und auch die dort verbliebenen Schulden dem Steuerzahler aufgehuckt.

Das kommt alles davon, weil man dem Mittelmaß-Amerikaner nicht erklärt hat, dass man bei einem Verdienst von 1000 Dollar keine Hypothekentilgung in Höhe von 1200 Dollar schaffen kann.
Aber hat der Mittelklasse-Ami schuld? Rechnen ist bekanntlich nicht jedermanns Sache. Und die amerikanische Grundschule ist wohl eher ein Camp der Verzweifelten.

Die ganze Welt – außerhalb der USA – weiß, dem Normalamerikaner muss man auf die Verpackung des Mikrowellengeräts draufschreiben, dass er damit keine lebenden Tiere trocken darf und man muss ihm unmissverständlich erläutern, dass der Kaffee, den er sich im Restaurant bestellt, heiß ist. Denn wenn er seinen Fiffi in der Mikrowelle beim Trocknen umbringt oder sich am heißen Muckefuck verbrüht, dann gibt es dank gewinnbeteiligter Anwälte sofort Millionen-Schadensersatzklagen.
Aber …. wenn die 700 Milliarden der USA und noch einmal 420 Milliarden von der EU in das System der Banken und der Wallstreet fließen, die haben’s ja schließlich auch erfunden  (nicht in Richtung der unzuverlässigen und jetzt besitzlosen, bettelarmen Mittelmaß-Amis), dann könnte sich hier und da vielleicht eine Klage lohnen, obwohl der Kläger ja nun nicht einmal mehr ein Haus zur Sicherheit für das Anwaltshonorar einbringen kann.

Ich wette, dass es gegen die Banken wegen unzureichender Beratung eine Klagewelle ungeahnten Ausmaßes gegeben hätte. Aber auch der amerikanische Investmentbänker baut vor, er räumt ab, verlagert die Gewinne auf eine Tochterfirma außerhalb der USA und gibt dann die US-Firmenhülle in die fürsorglichen Hände des Staates. Wohl wissend, dass da ein Präsident seine letzten Amtstage absitzt, alles abnickt und sich keinen Deut darum schert, was danach passiert.
Das ist die freiheitliche, amerikanische Zivilisation, die GWB auch in den Irak und in anderen Ländern einführen möchte. Denn in Amerika ist selbst für seine Kumpels nix mehr zu holen. Da ist nach 2 Amtsperioden alles pleite.
Sein Papa hat da schon einen neuen Auftrag für ihn.
Vielleicht wird er ja Investmentbanker und macht in Heuschrecken.
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