112 oder wegsehen?

Red@

Drehe ich mich das nächste Mal einfach weg?

Gestern bot sich mir dieses Bild.
Über den Dächern eines Nachbargrundstücks stiegen immer mehr Rauchwolken auf.
Kaum war eine verflogen kam eine noch größere hinterher.


Wo brennt's?

Eine heiße Sache. Was tun?

Mir gingen die durch Brände Verletzten, die ich in der Medizinischen Hochschule Hannover erlebte, durch den Sinn. Wie sie in Ihren alufolienverhüllten Bettgestellen wimmernd durch die Gänge geschoben wurden und wie alle Gespräche der anderen Patienten und Besucher auf den Fluren in diesen Momenten wie auf Kommando verebbten.

Also …. Mut gefasst und „112“ gewählt.

Halbherzig und zögernd, das gebe ich zu.
Aber was wenn?
Also los, das sich aktuell vor den eigenen Augen abspielende Geschehen schildernd, in Gedanken einen brennenden Dachstuhl und die Not der Wohnungsbesitzer vor Augen, die Adresse des Zielortes und den eigenen vollständigen Namen und die Adresse genannt.

Uff, nun ist es raus. Kann nicht mehr zurück geholt werden.

Was geschieht jetzt?

Geht jemand nachsehen?  Das Feuerwehrhaus ist ja man gerade 500 Meter weit vom Ziel entfernt.
Nichts. Es herrscht absolute Sonnabendnachmittagruhe.
Doch urplötzlich ging es schlagartig los.
Eine Sirene heulte auf.
War ich das?
Dann ertönte gellend das „Martinshorn“!
Mir wurde ganz anders.
Die freiwillige Feuerwehr Heessel war in Blitzesschnelle mit Wagen, vollem Geschirr, in Mannschaftsstärke und jeder Menge nicht identifizierbarem Gefolge da.
Nicht nur 1 Mann, der über die Straße gelaufen käme und erst mal im Nachbarhaus nachschaut?
Nein ALLE waren gekommen und auf einmal !!
Einige kamen aus der Seitenstraße und zogen sich im Laufen die Schutzkleidung an.
Umwerfend!
Ich hatte so etwas bislang nur gehört, nicht erlebt und hier auf dem niedersächsischen Lande in Burgdorf-Heessel niemals auch nur ansatzweise für möglich gehalten.
Als Veranlasser dieser Maßnahme kamen mir nun die dollsten Gedanken und Zweifel. Was hast du da bloß ausgelöst? Ob das wohl gut geht?
Unsicherheit stieg auf. Hatte ich mich richtig verhalten?
Kribbelnd und aufregend.
Der Grund für die über die Dächer quellenden Rauchwolken war schnell gefunden.
Ein von den Ereignissen ebenso überraschter Hobbygriller hatte unter Verwendung von faustgroßen XXL-Eierkohlen für seine zahlreichen Gäste im schattigen Hinterhof seinen Grill randvoll angefüllt und diesen offenbar mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln in Gang setzen wollen.
Seit Jahrzehnten grille ich ja selbst oder bin bei solchen Veranstaltungen auch als Gast anwesend gewesen, aber eine solche scheiterhaufenähnliche Rauchentwicklung habe ich bislang noch nirgendwo gesehen.
Aber trotzdem; da steht man dann wie der überängstliche Dorf-Doofe da!
Alle schauten mich verständnisvoll (?), aber auf jeden Fall leicht kopfschüttelnd und vielsagend, mitleidig lächelnd an.
Gut gemeint zählt nicht. Danke sagt niemand. Keiner klopft einem auf die Schulter.

Was lerne ich nun aber persönlich aus dieser Erfahrung?
W
erde ich noch einmal die Notrufnummer wählen, um evtl. einen Brand oder einen evtl. Brand zu melden?
Um zu versuchen zu helfen, ggf. Personen vor Schaden zu bewahren, vielleicht deren Sach- und Vermögenswerte zu retten oder drehe ich mich weg und sehe in eine andere Richtung, um nicht wieder der „Trottel“ zu sein?

Ist es womöglich Bestandteil der angenommenen Bürgerpflicht oder gar deren unmittelbare Folge sich nach einen „Fehlalarm“ etwas doof zu fühlen?
Der Grad zwischen Held und Trottel ist tatsächlich verdammt schmal
Ich denke noch mal drüber nach.
?????!??!!???
Ich hoffe, ich hab noch etwas Zeit.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

:D :-) :( :o 8O :? 8) :lol: :x :P :oops: :cry: :evil: :twisted: :roll: :wink: :!: :?: :idea: :arrow: :| :mrgreen: