Am Sonntag bleibt die Küche kalt – Currywurst zum Muttertag!

NRW-Wahlanalyse und vorsichtiger Ausblick: “The Day-After the Gefühlswahl“
Das war hundsgemein: Norbert Röttgen der CDU-Mann war “zu weit weg vom Volk” und hatte keine Currywurst-Plakate zum Kleben, wie Innenmninister Ralf Jäger (SPD). Das scheint “den Unterschied gemacht zu haben”. Gerade bei Wahlen ist es doch wie im Drogeriemarkt. Wo alle, mehr oder weniger, das Gleiche verkaufen - “die Nivea-Creme ist bei uns die gleiche“ -, liege der Erfolg bei den Verkäufern. „Deshalb steht auf unserer Arbeitskleidung hinten drauf: Wir machen den Unterschied“, so Götz W. Werner Chef des “DM-Kuschelkonzers”, der allerdings keine Geschäftsbeziehungen zur NRW-”Kuschelministerpräsidentin” (Zitat des ZDF-Chefs Peter Frey) unterhält.
Gemein war auch die Frage von Frank Plasberg an Frau Löhrmann, die ein paar Minuspunkte eingefahren hatte, wegen “Konturlosigkeit” in der Minderheitsregierung: Ob man sich über einen so eindeutigen Sieg überhaupt freuen könne, wenn der Gegner sich selbst dermaßen demontiert habe. Frau Löhrmann ruderte verbal herum und meinte, das zu beantworten, sei Sache der CDU.
Offenbar nicht nur. Denn die C-Frage ging um. Hatte die minderheitsregierende SPD-Ministerpräsidentin die “der SPD wieder Bodenhaftung schenke” (Metapher von Peter Frey) noch etwas anderes eingesetzt um zu siegen?
„Verdanken Sie Ihren Wahlsieg auch der Currywurst?“, fragte Tom Buhrow in einem Kurzinterview einer Kurzausgabe der „Tagesthemen“ vor Günther Jauchs Talkshow gestern Abend die Wahlsiegerin.
Die behauptete den “Menschen in den Mittelpunkt” zu stellen und das zu halten “Was wir vorher versprochen haben” (Was war das gleich nochmal…. na, egal, Sieg ist Sieg!).
Sich “Kümmern um die Currywurst” , eine Art “depolitisierendes Umsorgen“, scheint also eine nicht geringe Rolle gespielt zu haben.
Vielleicht haben die Kinder des Ruhrgebietes mit dem Damendoppel Hannelore und Sylvia nur sich selbst gewählt? Muttertagsmäßig Hannelore Kraft als “Queen of the Hearts“, als volksnahe “Schrankenwärterin” Rot-Weiß. Was von kompetenter Seite zunächst als Werbeflop eingeschätzt wurde, war vielleicht genau richtig: das 60 Prozent Wählerpotential in NRW für “Pommes-Schranke” galt es abzuholen, das war der “Trick” der SPD!
Die CDU hat aber einen anderen Grund für das Debakel ausgemacht, das Norbert Röttgen zum Rücktritt veranlasste: er hätte sich deutlicher für Düsseldorf entscheiden sollen. Aber ist das alles?
Sicher nicht. An was es Herrn Röttgen – und manch anderem Politiker in der BananenRepublikDeutschland (BRD) – mangelt, sieht man nicht nur an den Wahlkampf-Flops, sondern an “FDP-Wunderheiler” Christian Lindner: es ist die Überzeugungskraft, das: “Ich stehe für etwas Bestimmtes, was die ältere Generation gerne an Politikern wie Adenauer, Brandt, Wehner, Schmidt, Heinemann, Baum und Hamm-Brücher festmacht. Notfalls stand man auch für durchgängige Schlitzohrigkeit, wie Franz-Josef Strauß.
Immerhin hatte der im Bundestag die Staatsverschuldung “erklärt”, sehr zur Freude von Helmut Schmidt. Auf so etwas wartet man heute vergeblich. Man/frau setzt lieber auf die bewährte SPD-Strategie schwadroniert über Bildung und Kindergartenplätze und gibt mit beiden Händen das Geld anderer Leute aus, auch in der Krise.
Damit stehen Kraft+Borjans in Opposition zum Borussengeschäftsführer Watzke: “Man darf nur das Geld ausgeben, das man einnimmt. Das habe ich von meinen Eltern gelernt”.
Von seinen Eltern nichts gelernt hat Frankreichs Ministerpräsident Hollande und wird deshalb solidarisch von Sigmar Gabriel unterstützt. Der hatte wohl Unheil ahnend, seine eigenen schlechten Umfragewerte (8%) als Kanzlerkandidat mit einem Sieger an seiner Seite verbessern wollen.
Wer mit Volks- oder Betriebswirtschaftlern Skat gespielt hat, bekommt beiläufig mit, dass das Modell des “guten, schuldenfreien Familienvaters” natürlich nicht für komplexe Zusammenhänge greift. Die Eurokasse ist in einer globalen Welt nicht mit einem Familiengehaltskonto gleichzusetzen.
Dümmliche Gegensatzpaare, wie sie so gerne von einer großen sozialen Volkspartei gepflegt werden, bringen vielleicht Stimmen, sonst aber wenig. Sehr schön beschreibt “Der Tagesspiegel” in: Wachstum ist nicht wählbar” worum es geht:
“Die naheliegende Antwort wäre, dass die Regierungen beides leisten müssen: weitersparen und Wachstum schaffen. Doch die Wahrheit ist, dass die meisten mit dem Sparen noch gar nicht angefangen haben. Die Schuldenbremse in Deutschland, der Fiskalpakt in Europa sind nicht eingelöste Versprechen. Wenn überhaupt, dann geht es nicht darum, weiterzusparen, sondern damit loszulegen”.
Hannelore Kraft (SPD) und Frau Löhrmann (Die Grünen) werden das wie der Sozialist Francois Hollande verinnerlichen müssen. Immerhin: Frau Kraft hat schon damit angefangen. Ein Freud`scher Versprecher am Wahlabend “on TV” brachte es an den Tag: “Wir (Rot-Grün) haben hart gearbeitet und waren bereit die wirtschaftlichen Probleme lösen zu WOLLEN“.
Mit Christian Lindner in NRW, vielleicht bald auch als FDP-Bundesvize und als “blau-gelber Barney Stinson” gefeiert, könnte sich das eindimensionale Herumhantieren mit komplexen Problemen zum Besseren wenden: kein plattes “Mehr Netto vom Brutto”, keine “Currywurst ist SPD”- Lösungvorschläge sind angesagt, zumal diese Mitmachdummheiten als Perversion “politischer Teilhabe” auch nach hinten losgehen können: SPD ist mir Wurst!
Dazu muss aber der Wähler noch etwas mehr mitmachen als bisher! Beliebtes Zitat von Politkern, denen das Stimmvieh die geliehene Macht vorenthalten hat, ist: “Der Wähler hat unsere Absicht nicht verstanden”, oder falls sich das Stimmvieh an den “richtigen” Trog gestellt hat: “Wir sind die Größten“.
Auch am gestrigen Wahlabend wurden lt. Wirtschaftswoche “jahrzehntealte Prinzipien beherzigt. Die Gäste beantworten Fragen allenfalls selektiv, um mehr Zeit für aktuelle mission statements zu haben (beziehungsweise hat SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles gleich in der ersten Frage den Halbsatz mit den Schulden nicht verstanden)”, wie man sieht: “dumb business as usual”.
Bei aller uneingeschränkten Gratulation für Hannelore Kraft, die trotz noch nicht eindeutig geklärter Vorwürfe in Sachen “Wir in NRW” bei der CDU viele Wähler einkassierte, liegt es nun an ihrer Koalition zu beweisen, dass der (angeblich) ironische Versprecher, des rhetorisch nicht so tierisch sattelfesten Ex- Landesparteichef Norbert Röttgen sich nicht bewahrheitet: “Bedauerlicherweise entscheiden die Wähler“.
Wer an irrationale Instinkte appelliert (Erst kommen die Pommes dann die Moral), oder beiläufig “de-monstranz-tiv” den Glauben einsetzt, um an die Macht zu gelangen und nicht den Kopf sondern primär den Bauch bei Wahlen adressiert, trägt mit dazu bei, dass der Unterschied zwischen Wahllokal und Frittenbude immer kleiner wird.
Last not least ist es eine Frage des Stils wie man mit Verlierern umgeht. Norbert Röttgen konnte gar nicht anders, als seinen Mega-Flop zuzugeben. Kritik an Frau Kraft hatte sich die CDU inklusive der Kanzlerin (notgedrungen) erspart. Anders die “vergnatzte” SPD-Generalsekretärin Nahles, die in 2008 den “Bayern die Lederhosen ausziehen wollte“. Sie konnte nicht anders, als zwanghaft mit Billardkugel Norbert über die Bande zu spielen um bei Angela einzulochen: krachende Überheblichkeit “as it´s best”. Die Bundes-SPD benötigt keinen Rückenwind, sondern ein Segel!
In der Hoffnung, dass künftig Wahllokal und Frittenbude nicht verwechselt werden, warten wir darauf, dass sich die demonstrative Standfestigkeit von Christian Lindner auch inhaltlich manifestiert und die Piraten ganz schnell lernen, welche Macken in der BRD (= BanenRepubl….) zu beseitigen sind. Man ist offenbar auf einem guten Weg.
Für die SPD geht die Arbeit nun erst richtig los: denn Krafts Erfolg könnte Merkels Glück sein, titelt Die ZEIT Online noch am Wahlabend:
“Von den rund 39 gewonnenen Prozent ist die SPD auf Bundesebene Lichtjahre entfernt. Worin also soll das “klare Signal nach Berlin” bestehen, das Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ausgemacht haben will? Die SPD bräuchte erstmal eine Idee – oder einen Kopf.
Doch ist der Kurs der Bundes-SPD immer noch erratisch, mal staatstragend merkelhaft, mal aufmüpfig hollandeesk. Die SPD ist noch immer eine zutiefst ratlose Partei, anhaltend zerstritten über die Rente mit 67 und Hartz IV. Weshalb 52 Prozent der potenziellen SPD-Wähler nicht genau wissen, wofür ihre Partei eigentlich steht”.
Ehrlich gesagt, ich weiß es auch nicht, nicht zuletzt deswegen: NRW-Wahl: SPD-Moral im Eimer?
Hier geht es weiter mit Frank Plasberg heute auf ARD um 21:00:
Currywurst Rot-Grün – was passiert, wenn Wähler mit dem Bauch entscheiden
Kein Bock auf Sparen, eine Prise Bodenständigkeit und Slogans wie „Currywurst ist SPD“ – in NRW findet Rot-Grün ein Rezept zum Sieg! Funktioniert das auch bundesweit? Und fehlt Kanzlerin Merkel bald die Mehrheit?
NRW im Herzen, Macht im Blick und die Moral in der Tonne?


Heute geht es wieder los mit dem/den „





























